«Ich setze mich gerne für die Gemeinschaft ein»
Sonja Neuweiler kennt Maschwanden seit ihrer Kindheit und war auch in der Welt unterwegs

Zu Beginn des Gesprächs geht es um Maschwanden, um das immer noch mehrheitlich intakte Dorf, wo man sich kennt und füreinander da ist. Sonja Neuweiler weiss, wovon sie spricht. «Ich bin hier aufgewachsen, in diesem über 200 Jahre alten Haus meiner Vorfahren.»
Ihre Kindheit auf dem Bauernbetrieb und im Dorf Maschwanden könne man mit dem Leben von Pippi Langstrumpf vergleichen. «Wir Kinder hatten grosse Freiheiten, konnten im Dorf herumstreunen und tun und lassen, was wir wollten. Doch zugleich hatten alle im Dorf ein bisschen ein Auge auf uns.» So viel anders sei es heute nicht. «Auch meine beiden Kinder erlebten es ähnlich. Sie waren unbeschwert unterwegs, und wenn etwas Ungewöhnliches geschah, erfuhr ich es meistens.»
Da Sonja Neuweiler drei ältere Brüder hat, war sie als Nesthäkchen von den Stallarbeiten entbunden. «Doch Kinderarbeit war natürlich völlig normal», sagt sie lachend. «Das hat uns auch nicht geschadet. Es war selbstverständlich, dass ich beim Heuen, im Garten oder beim Äpfelauflesen mithalf.» Da in Maschwanden fast nur Bauernfamilien lebten, ging das auch ihren Freundinnen so. «Dennoch, wir hatten auch unsere freien Zeiten, verreisten jedoch nie in die Ferien.» Sie erklärt, dass es früher bei den Bauern keine Ferien gab und die Kommentare so lauteten: «Ferien? Was ist das? Wir haben keine Zeit!»
Im Bally Schuhe verkauft
Inzwischen wird der Hof nicht mehr als Landwirtschaftsbetrieb geführt. «Er war zu klein, um heute noch eine Familie zu ernähren. In der ehemaligen Scheune ist nun die Zimmerei meines Bruders Thomas Strebel eingerichtet.»
Nun erzählt Sonja Neuweiler von ihrer beruflichen Laufbahn. «Diese hängt mit dem Beruf meines Vaters zusammen. Er war gelernter Bootsbauer und schickte mich in den Ruderclub Cham.» Sie sei sehr erfolgreich gewesen im Rudersport und habe als Jugendliche fast ihre ganze Freizeit im Ruderclub verbracht. Dadurch war der berufliche Weg ins Sportgeschäft für sie naheliegend. «Ich absolvierte die Lehre als Detailhandelsangestellte in einem Sportgeschäft in Zug.»
In den folgenden Jahren entschied sie sich für ein Leben mit wenig Sesshaftigkeit und etwas Horizonterweiterung über Maschwanden hinaus. «Ich konnte für die Bally-Schuhgeschäfte schweizweit als Springerin arbeiten, war also mal einige Monate in Davos, in Bad Ragaz, dann wieder in Zürich oder Luzern im Einsatz. Das war sehr spannend und abwechslungsreich.» Danach wollte sie noch mehr sehen von der Welt und reiste als junge Frau alleine durch Asien. Sie schwärmt von ihren Erfahrungen und den eindrücklichen Begegnungen. «Diese Reise war eine gute Lebensschule für mich und öffnete mir die Augen für die Lebensweise und Kultur anderer Menschen.» Nachdenklich ergänzt sie: «Natürlich wurde ich auch mit unglaublicher Armut konfrontiert.»
Vielseitig engagiert
Ihren Mann Michael lernte sie am Jubiläumsfest des Musikvereins kennen. «Hier in Maschwanden, auf der Festwiese auf halbem Weg zwischen meinem und seinem Haus.» Sie schmunzelt. Das Paar heiratete, und bald gehörten zwei Kinder zur Familie. Sonja Neuweiler entschied in dieser Zeit, ihre damalige berufliche Tätigkeit im Immobilienmarketing aufzugeben. Doch im Dorf war sie immer sehr engagiert – und ist es bis heute. «Ich setze mich gerne für die Gemeinschaft ein», betont sie. Sie berichtet von der erfolgreichen Aktion des Vereins «Einkaufen in Maschwanden» für das Fortbestehen des Volg-Ladens oder von ihrer Tätigkeit in der Primarschule, im Kindergarten und in der Tagesbetreuung. Die Arbeit mit den Kindern war für sie immer eine grosse Bereicherung. «Ich war zudem in der Museumskommission und sogar ein paar Jahre im Gemeinderat.»
Zurzeit setzt sie sich intensiv in der reformierten Kirche ein, als Leiterin der Kirchenkommission und als Verantwortliche des Kinderangebotes Kolibri. Eher nebenbei erwähnt sie ihren Kampf gegen die Krebskrankheit und die länger andauernde Phase, in der sie gesundheitlich angeschlagen war. «Es geht mir jetzt gut. Doch ich lebe seither jeden Tag sehr bewusst und fühle mich durch den Glauben gestärkt.»
Neun Hundewelpen aufgezogen
Kraft geben ihr auch der grosse Rosengarten und ihre Bienenvölker im Dachstock. «Wenn ich die Bienen beobachten kann, wie sie von oben auf die insektenfreundlichen Rosen fliegen und sich Pollen holen, gibt mir das Lebenskraft und Freude.»
Zur Familie Neuweiler gehören auch die Dänischen Doggen Azora und ihre Tochter Athea. «Sie motivieren mich, rauszugehen an die frische Luft und in die Natur. Sie werden aber auch von unseren Teenagern heiss geliebt.» Vor zwei Jahren habe sich die ganze Familie sogar dafür entschieden, Azora decken zu lassen. Das folgende aufwendige Abenteuer mit dem Aufziehen von neun Welpen sei für alle unvergesslich.
Zum Schluss kommt sie nochmals auf das Dorf zurück. «Es ist mir sehr wichtig, dass die Gemeinschaft hier weiterlebt, dass wir gute Beziehungen pflegen zu den Menschen um uns herum und Anteil nehmen aneinander.»


