«Projektieren, entwickeln und bauen – das faszinierte mich»
Vilmar Krähenbühl arbeitete über 30 Jahre im Tiefbauamt der Stadt Zürich

«Als die Pensionierung näher rückte, hatte ich zwar Pläne, doch aus denen wurde nichts», berichtet Vilmar Krähenbühl am Tisch mit Blick auf die Hedinger Kirche. «Ich erhielt eine Anfrage nach der anderen für eine Mitarbeit hier oder ein Verwaltungsratsmandat dort.» Er habe immer Ja gesagt, und nun sei sein Terminkalender voll. Er beschäftigt sich mit Wanderwegen, mit dem Cityparkhaus, dem Parkleitsystem in Zürich oder engagiert sich im Vorstand des Hauseigentümerverbands der Stadt Zürich. Zudem ist er intensiv für die Kirche unterwegs, in der er aufgewachsen ist, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage. Diese Kirche ist auch als Mormonenkirche bekannt. «Der Glaube ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Ich betreue zusammen mit meiner Frau Conchita drei Gebiete, besuche fast jeden Sonntag in einem davon einen Gottesdienst und halte eine Predigt.» Zudem begleite er die jungen Menschen, die als sogenannte Missionare im Einsatz seien. «Für diese Aufgabe sind wir wirklich sehr viel unterwegs», betont er. «Mein Wunsch ist, dieses Amt im Sommer abzugeben.» Dann könne er sich vielleicht langsam als Pensionär fühlen. Er schmunzelt und fügt an: «Schliesslich bin ich mehrfacher Grossvater.» Wie viele Enkel er denn habe? «Von unseren vier Kindern haben wir 15 Enkel.»
Gelernt, auf Menschen zuzugehen
Vilmar Krähenbühl ist mit vier Geschwistern in Luzern aufgewachsen. «Mein Vater wollte, dass ich nach der Schule eine Lehre mache. Meine Mutter setzte sich fürs Gymnasium ein und sie setzte sich durch.» Er besuchte also das Gymi und schloss mit der naturwissenschaftlichen Matur ab. «Danach ging ich ins Militär, doch das dauerte nur fünf Wochen.» Jetzt erzählt er zuerst zögernd, dann sichtlich bewegt von einem prägenden Ereignis. Auf dem Weg mit dem Auto ins Militär im Welschland geriet er von der Fahrbahn ab. Das Auto überschlug sich, seine beiden Mitfahrer blieben völlig unverletzt. Er selbst hingegen überlebte nur knapp. «Ich habe dort ein zweites Leben geschenkt bekommen.»
Nach der Genesung ging er für die Kirche nach Deutschland. «Dort habe ich Klinken geputzt.» Er lacht. «Damals gingen wir noch von Tür zu Tür, um mit den Menschen über den Glauben ins Gespräch zu kommen.» Dabei habe er Positives, aber auch Schwieriges erlebt. «Es war aber vor allem eine Lebensschule. Ich habe gelernt, auf Menschen zuzugehen und auch Kritik einzustecken.»
Bauen und Personalführung
Er entschloss sich, das Studium als Bauingenieur an der ETH Zürich zu absolvieren. «Um Geld zu verdienen, arbeitete ich daneben im Geschäft Spengler, wo ich Kleider verkaufte. Zudem heiratete ich bald und wurde Vater.» Damit seine Frau arbeiten und Geld verdienen konnte, sei er neben dem Studium als Hausmann tätig gewesen. «Und manchmal nahm ich das Baby mit in die Vorlesungen. Das war damals schon ziemlich ungewöhnlich und fiel auf.» Der Grund für die Studienwahl sei vorerst seine Faulheit gewesen, denn es war in diesem Bereich der einfachste Lehrgang. Doch die Wahl passte eindeutig. «Der Appetit kam mit dem Essen. Projektieren, entwickeln, berechnen und bauen, das alles faszinierte mich immer stärker. Ich konnte etwas tun, das am Ende sichtbar ist. Das gab mir Befriedigung.»
Nach dem Studium arbeitete er zuerst beim Tunnelbau und war im Projektteam für die Erstellung des Furkatunnels. Danach folgten Erfahrungen im Grundbau für Fundamente. Nach diesen ersten beruflichen Erfahrungen trat er seinen Lebensjob an. «Ich war während 31 Jahren bis zur Pensionierung beim Tiefbauamt der Stadt Zürich angestellt.» Sein Weg begann bei den Zürcher Brücken. «Besondere Projekte waren die Instandstellung der Stauffacherbrücke oder der Neubau der gedeckten Holzbrücke in Leimbach.» Die nächste Station seiner Laufbahn war die Position als Leiter für Projektierung und Ausführung. «Das gefiel mir sehr gut, denn ich war fürs Bauen und mein Personal verantwortlich. Ich konnte also Menschen unterstützen und weiterbringen. Zudem ging ich gerne nach draussen und schaute mir die Baustellen an.» Gleichzeitig war er auch stellvertretender Stadtingenieur. «Die letzten dreieinhalb Jahre bis zur Pensionierung wirkte ich noch als Stadtingenieur von Zürich.» Er ergänzt: «Klar, das war ein schon gewisser Höhe- und ein schöner Schlusspunkt.»
Selber mit dem Frieden beginnen
Vilmar Krähenbühl engagierte sich auch politisch. «Als wir noch in Zürich wohnten, war ich während einer Amtsdauer für die SVP im Kantonsrat. 2004 zogen wir hier in dieses Haus in Hedingen ein, und ich setzte mich in der Gemeinde als Mitglied der RPK ein.» Mehr als 20 Jahre leben Vilmar und Conchita Krähenbühl nun im Säuliamt. «Es gefällt uns hier sehr gut, wir fühlen uns zu Hause.» Er beginnt zu schwärmen: «Ich kann hier aus dem Haus gehen und bin schon im Grünen, in der Natur, im Wald oder bald am Weiher. Das ist so wunderschön.»
Das neue Jahr ist noch jung. Hat er sich etwas vorgenommen? «Ich setze mir für jedes Jahr Ziele, die ich aber längst nicht alle erreiche und dann ins nächste Jahr wieder mitnehme.» Oder einen Wunsch? «Mein grösster Wunsch für die Menschen und die Welt ist der Frieden. Der ist nur möglich, wenn wir alle bei uns selber anfangen.»


