Sport
16.11.2020

Mondlandung der besonderen Art

Sie sorgten für den zweiten Weltrekord innerhalb von 14 Tagen, unten von links: Armin Aldrovandi, Ellen Maurer, Reto Kunz und Beat Aschwanden. Oben: Clubpräsident Walti Maurer (links) und Markus Ritter. (Bild Werner Schneiter)

Sie sorgten für den zweiten Weltrekord innerhalb von 14 Tagen, unten von links: Armin Aldrovandi, Ellen Maurer, Reto Kunz und Beat Aschwanden. Oben: Clubpräsident Walti Maurer (links) und Markus Ritter. (Bild Werner Schneiter)

Am Sonntag um 13.59 Uhr hat Slotracing Mettmenstetten den zweiten Weltrekord geschafft: 16077 km in 378 Stunden, was – gemessen am Massstab der kleinen Boliden – der Strecke zum Mond entspricht.

Von: Werner Schneiter

Nachdem der Club mit 1086,943 km den 24-Stunden-Weltrekord geradezu pul­verisiert und damit den Eintrag ins ­Guinness-Buch der Rekorde geschafft hatte, folgt nun nach 14 Tagen der zweite Streich: Vier Männer und eine Frau liessen den federleichten Wingcar (Flügelauto) ununterbrochen und abwechslungsweise über die 46,5 Meter lange Bahn flitzen – sie schafften die angepeilten 16077 km innert rund zweier Wochen. Gemessen am Massstab des Autos (1:24) entspricht das der Strecke zum Mond. Oder 344047 Runden und etwa 54-mal vom Bodensee an den Genfersee – eine Parforceleistung, die den Protagonisten einiges abverlangte, in physischer wie in psychischer Hinsicht. Mit der Zeit machten sich nicht nur Schlaf- und Konzentrationsmangel bemerkbar, sondern auch Schmerzen in Handgelenken und Verspannungen im ­Nacken. Von Maler Bernd Meier verabreichte Massagen brachten Linderung. «Wir waren aber immer im Zeitplan. Wichtig auch, dass man nicht mit vollem Bauch an der Bahn stand und zwischendurch an die frische Luft konnte. Der Zeitplan für die Ruhezeiten erwies sich als optimal. Wir haben uns in der Regel jede Stunde abgelöst, in der Nacht alle zweieinhalb bis drei Stunden», resümiert Clubpräsident Walti Maurer, der allerdings einmal ununterbrochen während neun Stunden im Einsatz stand.

Ersatzmaterial aus Bratislava

Schliesslich mussten die Wingcars auch Revisionen unterzogen werden – im Durchschnitt zehnmal pro Tag. Während des Wettkampfs haben die Organisatoren in Bratislava Ersatzrotoren und Kohle für die Motoren bestellt – Express natürlich. Das Material traf innerhalb von zehn Stunden in Mettmenstetten ein. Alle vier bis sechs Stunden wurden auch Reinigungsarbeiten an der Bahn und der Litze nötig. Neben den fünf Aktiven, die abwechslungsweise den Handregler bedienten, war stets auch ein Mechaniker präsent.

Wegen Corona ging der Event im Mettmenstetter Industriequartier vor wenigen Zuschauern über die Bühne. Grosse Resonanz erhielten die Veranstalter aber dennoch, weil sie einen Livestream schalteten und auf Youtube etwa 20000 Klicks registrierten. Schliesslich sorgen möglicherweise auch Reportagen von TeleZüri und Tele1 dafür, dass Slot­racing nach diesen beiden spektakulären Events an Popularität zulegt. «Wir alle sind nun ziemlich platt, aber glücklich», so Walti Maurer nach dieser ­Parforceleistung am Sonntagabend.