Sport
05.08.2019

«Die Gegner sollen uns fürchten»

Die australischen Top-Athletinnen trainieren derzeit im Jumpin, Mettmenstetten: Danielle Scott (links) und Laura Peel, flankiert von Neo-Coach David Morris (ganz links) und dessen Mentor, dem Schweizer Nationaltrainer Michel Roth. <em>(Bild Thomas Stöckli)</em>

Die australischen Top-Athletinnen trainieren derzeit im Jumpin, Mettmenstetten: Danielle Scott (links) und Laura Peel, flankiert von Neo-Coach David Morris (ganz links) und dessen Mentor, dem Schweizer Nationaltrainer Michel Roth. (Bild Thomas Stöckli)

Mit der Schweizer Nationalmannschaft trainieren im Jumpin in Mettmenstetten aktuell auch die Australier. Die beiden Teams spannen im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking zusammen. Eine erste Standortbestimmung ist das Freestyle Masters vom 18. August in Mettmenstetten.

Von Thomas Stöckli

Normalerweise tasten sich die besten Aerials-Athleten Australiens im Sommer in den USA und Kanada wieder an die Höchstschwierigkeiten heran, die sie im kommenden Winter zeigen wollen. Diesmal bringt sich das Team um die beiden Top-Springerinnen Danielle Scott und Laura Peel in Mettmenstetten in Weltcup-Form. Es ist der Beginn einer vertieften Zusammenarbeit im Hinblick auf den Olympia-Winter 2022.

Die Teams ergänzen sich hervorragend: Hier der Schweizer Cheftrainer Michel Roth, einer der besten seiner Zunft, dort der Neo-Coach David Morris, bis vor zwei Jahren aktiver Athlet und WM- sowie Olympia-Medaillengewinner. Roth bringt als Mentor seine jahrelange Erfahrung ein, den Blick fürs Ganze, Morris dagegen technisches Wissen und frische Ideen von seiner Zusammenarbeit mit verschiedenen Trainern. «Ich war sehr interessiert, ihn im Team zu haben», so der Schweizer über den Australier. Weil das Budget keinen zweiten Coach zuliess, sei diese Form der Zusammenarbeit ideal.

Höhere Schwierigkeiten bei den Frauen

Bei den Schweizern liegen die Medaillenhoffnungen primär bei den Männern, bei den Australiern ganz klar bei den Frauen. Deshalb sollten sich auch keine zu grossen Konkurrenzsituationen ergeben. Die jungen Schweizer, allen voran Noé Roth, Nicolas Gygax, Pirmin Werner und Carol Bouvard, können sich an den routinierten Profis aus Australien orientieren, die Australierinnen ihrerseits an den komplexeren Sprüngen der Schweizer Jungs. Konkret sind es die Dreifachsaltos, die «Triples», an die sich Danielle Scott und Laura Peel herantasten – im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2022. «Diesen Winter will ich zwei unterschiedliche Dreifachsaltos schaffen», so die 29-jährige Laura Peel. Und als Vorbild will die Weltmeisterin von 2015 auch dazu beitragen, die Schweizer Mädchen an die hohen Schwierigkeiten heranzuführen.

Dass Danielle Scott es toll findet, über die grosse Dreifach-Schanze zu fahren, verwundert kaum: Die 29-Jährige holt sich ihren Extra-Kick zuweilen beim Klippenspringen. Toll ist auch die Geschichte, wie sie als Teenager von Weltmeisterin Jacqui Cooper vom Turn-Aerials-Sport geködert wurde: «Das ist verrückt», habe sie sich gedacht, und im gleichen Atemzug: «Das möchte ich tun!» Nebenbei: die Sportart kannte sie damals noch gar nicht und auf Skiern hatte sie auch noch nie gestanden. Kommende Saison will Danielle Scott auf Schnee drei Dreifachsprünge mit bis zu zwei Schrauben zeigen. Dabei stehen weniger die Resultate im Vordergrund, als vielmehr das Gewinnen von Sicherheit. Die besten Schweizer streben regelmässige Finalplätze im Weltcup an – und die junge Garde eine Medaille an der Junioren-WM.

Vorsprung auf Schnee

Punkto Infrastruktur lohnt sich die internationale Zusammenarbeit ebenfalls. Im Sommer bekommen die Australier im Jumpin weitaus bessere Trainingszeiten, als sie dies in den USA gewohnt waren. Das Schanzentraining ist dabei nur die Krönung. Einen grossen Teil des Aufbaus verbringen die Athleten im Gym. «Es ist wichtig, stark zu sein und bereit, die Schläge bei der Landung wegzustecken», erklärt Modellathletin Danielle Scott. Ergänzend wird auf dem Trampolin und auf der Slackline trainiert. Am «Bungee» bauen die Springer dann das Gefühl für die Rotation für ihre Wettkampfsprünge auf, bis sie bereit sind für die Umsetzung auf der Wasserschanze.

In Australien sind dagegen bereits im Juli, August erste Schneetrainings möglich. Ein Vorsprung, den die Teams vor dem Olympiawinter nutzen wollen, um die internationale Konkurrenz zu distanzieren. «Wir wollen eine starke Kraft sein, damit uns die Gegner fürchten», betont David Morris.

Das Freestyle Masters vom Sonntag, 18. August, wird ein erster Gradmesser sein, wo das Swiss-Aussie-Team steht. Abgesehen von China und Russland werden die stärksten Aerials-Nationen in Mettmenstetten vertreten sein. Die nächste Standortbestimmung folgt am 25. August in Québec, wo auch die Chinesen und die US-Amerikaner erwartet werden. Es folgen zwei Wochen auf der Indoor-Wasserschanze in Minsk – ebenfalls mit einem Wettkampf. Im Oktober beginnt dann das Schneetraining in Saas Fee, im November geht es nach Ruka, Finnland, ehe dann Ende Dezember der Weltcup in China wieder losgeht.