«Es ist eine zweite Familie»

Freestyle-Aerials-Athletin Lina Kozomara aus Rifferswil gewann an den Olympischen Spielen mit dem Team Silber

Wenn Lina Kozomara nicht gerade traniert oder an Wettkämpfen teilnimmt, dann studiert sie Gesundheitswissenschaften & Technologien an der ETH in Zürich. (Bild Irene Hung-König)

Wenn Lina Kozomara nicht gerade traniert oder an Wettkämpfen teilnimmt, dann studiert sie Gesundheitswissenschaften & Technologien an der ETH in Zürich. (Bild Irene Hung-König)

Die drei Olympiamedaillen-Gewinner wurden Ende Februar in Mettmenstetten feierlich empfangen und gebührend von Gemeindevertretern und der Bevölkerung gefeiert. (Archivbilder Dominik Stierli)

Die drei Olympiamedaillen-Gewinner wurden Ende Februar in Mettmenstetten feierlich empfangen und gebührend von Gemeindevertretern und der Bevölkerung gefeiert. (Archivbilder Dominik Stierli)

Sie ist erst 20 Jahre jung, kann aber schon auf ein erfolgreiches Palmarès verweisen. Im Winter 2025 gewann sie die Bronzemedaille an den Weltmeisterschaften in St. Moritz, an den Olympischen Spielen 2026 in Cortina-Milano Silber mit dem Team und ihren Kollegen Noé Roth und Pirmin Werner. Am Ort der schweizweit einzigen Wasserschanze, in Mettmenstetten, wurde den Dreien ein gebührender Empfang beschert.

Der «Affolter Anzeiger» trifft Lina Kozomara in Zürich zum Gespräch. Aktuell stehen keine Trainings an, doch wenn sie für den Sport unterwegs ist, dann ist sie kaum zu Hause bei ihrer Familie in Rifferswil, bei Schwester Mathilda (17) und den Eltern Patricia und Marko.

Sie muss viel reisen

Man kann sagen, als Wintersportlerin, ist man eine lange Zeit auf Reisen. «Wir starten jeweils mit der Vorbereitung im finnischen Ruka. Danach folgte eine Woche China, bevor es über Weihnachten nach Hause ging. Im neuen Jahr waren wir noch in Kanada und den USA für die letzten Weltcups und weitere Trainingstage. Die Einstimmung auf die Olympischen Winterspiele fand in Airolo statt: der Homebase der Schweizer Aerials-Athleten», zählt sie auf.

Doch wie fühlt es sich eigentlich an, eine olympische Medaille in Händen zu halten? «Es ist ein tolles Gefühl, so eine Olympiamedaille in den Händen zu halten. Ich brauche immer noch etwas Zeit, es zu realisieren. Und gleichzeitig ist es einfach eine Medaille. Jetzt geht es weiter mit dem Ziel, eine Medaille im Einzelwettkampf zu holen.»

Die 20-Jährige studiert seit Herbst 2025 an der ETH Zürich Gesundheitswissenschaften & Technologien. «Es macht mir Spass, als Ausgleich etwas für den Kopf zu haben», sagt sie. Sie merke, dass nur Bewegung und Sport bei ihr nicht funktionierten.

Unterschiedliche Trainings

Lina Kozomaras Alltag mit Training und Studium hängt davon ab, ob Sommer oder Winter ist. «Während des Sommers trainieren wir in Mettmenstetten auf der Wasserschanze und im Oym Cham, dem Kompetenzzentrum für Spitzenathletik.» Je nach Stundenplan finden die Trainingseinheiten am Morgen oder Nachmittag statt. «Im Winter, wenn wir unterwegs sind, dann mache ich alles online – viele der Vorlesungen werden aufgezeichnet.» Kolleginnen und Kollegen schicken mir die Aufgaben der Übungsstunden. Der Rest ist dann Selbstdisziplin.»

Das Ziel der Freestyle-Sportlerin ist es, Sportlehrerin auf Gymnasialstufe zu werden. «In Zürich kann man nicht Sportwissenschaften oder Sport studieren. Bei den Gesundheitswissenschaften muss man alle Sportfächer zusätzlich belegen und kann dann so das Lehrdiplom machen», erklärt sie. Das erste Jahr hat sie auf zwei Jahre aufgeteilt, sie studiert also zu 50 Prozent. «Mit all den Trainings hätte ich sonst keine Chance, gleichzeitig ein Studium zu absolvieren.» Lina Kozomara sieht das Studium als weiteren Weg nach der Sportkarriere: «Wenn irgendwann mal der Zeitpunkt kommt, und ich nicht mehr springen will oder kann, gibt es noch eine gute Perspektive für mein Leben.»

Mit acht Jahren hat es sie gepackt

Achtjährig durfte Lina Kozomara einen Skisprung-Wettbewerb eines Kollegen miterleben. «Ich wohne in Rifferswil, das liegt neben Mettmenstetten.» Als sie zusah, wusste sie: «Das möchte ich auch machen.» Mit Begeisterung machte sie im Club FC Jumping mit. Nach sieben Jahren traten beim Springen Ängste auf. Der mentale Aspekt spielte plötzlich eine entscheidende Rolle. Sie machte eine Pause vom aktiven Springen und unterstützte aber die Trainingseinheiten des Regiokaders. Im Verlauf kam Peter Medulics auf Lina Kozomara zu und frage sie, ob sie es nicht noch einmal mit dem Springen probieren möchte. Sie tasteten sich gemeinsam an die Sprünge heran und es funktionierte tatsächlich: Die Angst konnte überwunden werden. Schnell war sie wieder auf dem Niveau, auf dem sie aufgehört hatte.

Lina Kozomara ist begeisterte Skifahrerin auf der Piste. «Das ist von Vorteil bei meinem Sport. Es hilft bei der Landung. Wenn man nicht perfekt landet, dann kann man sich als gute Skifahrerin auch einmal vor einem Sturz retten – und die Landung gibt in der Wertung noch ein paar Punkte her.» Bei der Frage nach Vorbildern muss sie ein wenig überlegen. Sie erwähnt schliesslich die Kanadierin Marion Thénault und Weltmeisterin Laura Peel aus Australien. Beide Athletinnen trainieren regelmässig mit Lina Kozomara: im Sommer, wie auch im Winter. «Die Art, wie die beiden die Trainings angehen, sich immer wieder motivieren, mental unterstützen und die Freude am Springen mit mir teilen, inspiriert mich. Sie springen beide Dreifachsalti, das ist schon etwas, was ich einmal machen möchte. Und ich möchte auch die jungen Athleten auf ihrem sportlichen Weg inspirieren», sagt sie.

Wie ist es, mit Athletinnen aus anderen Nationen zu trainieren, und sich dann im Wettkampf gegenüberzustehen? «Das ist das Schöne bei den Aerials. Es ist eine zweite Familie, wir trainieren oft zusammen und halten auch die Anlage im Sommer und Winter zusammen instand. Wir geben uns Tipps und unterstützen uns.» Im Wettkampf seien sie dann schon Konkurrentinnen. Und trotzdem freue man sich, wenn jemandem ein guter Sprung gelinge. «Das lernen wir bereits im Regiokader, dass wir trotz Einzelsportart doch ein Team sind», sagt sie.

In loser Folge stellt der «Anzeiger» in dieser Serie hoffnungsvolle Sportlerinnen und Sportler aus dem Säuliamt vor. (red)

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