WB steht mit leeren Händen da

Fussball, 1. Liga: FC Dietikon vs. FC Wettswil-Bonstetten 3:2 (1:1)

Veljko Vukasinovic (verdeckt) erzielt mit seinem 14. Saisontreffer WBs 1:1-Ausgleich. (Bild Kaspar Köchli)
Veljko Vukasinovic (verdeckt) erzielt mit seinem 14. Saisontreffer WBs 1:1-Ausgleich. (Bild Kaspar Köchli)

Mit Hochspannung wurde dem letzten 1.-Liga-Spieltag entgegengefiebert. Leader YF Juventus (70 Punkte) hatte bereits frühzeitig und in bestechender Manier das erste der drei begehrten Aufstiegsspiel-Tickets gelöst. Aber wer würde aus dem Trio Wettswil-Bonstetten (59 Punkte), Taverne (59) und Tuggen (58) leer ausgehen? Um Rechenspielen zuvorzukommen, wollten die Ämtler – zuletzt beim 8:0 (!) gegen Schaffhausen in einem Torrausch – ihre Partie auswärts gegen das fünftplatzierte Dietikon unbedingt gewinnen. Die Limmatstädter ihrerseits verloren vor Wochenfrist gegen Eschen/Mauren unglücklich 1:2, worauf ihr Trainer Daniel Tarone konsterniert meinte: «Was wir für Chancen vergeben haben, da war ich wirklich sprachlos.»

Dietikon wirbelt

Die Zuschauer rieben sich die Augen. Nicht das ambitionierte WB, sondern Dietikon, dem es um nichts mehr ging, zündete den Turbo – und belohnte sein Startfurioso mit dem sehenswerten Führungstor durch Noah Behringer. WB, unsanft geweckt, begann nach einer Viertelstunde zu funktionieren. Und gelangte nach einem Eckball und späterem Freistoss zu zwei vielversprechenden Gelegenheiten. Handkehrum setzte Dietikons auffälligster Akteur, Diego Lobo, seinen Schlenzer nur um Zentimeter am Pfosten vorbei. Dann folgte, eine halbe Stunde war inzwischen gespielt, der eher überraschende 1:1-Ausgleich. Marc Figueiredos fulminanter Freistoss parierte Keeper André Imfeld, gegen das Nachgeschoss von Veljko Vukasinovic war allerdings kein Kraut gewachsen. Dietikon liess sich keinesfalls beirren und kam einem zweiten Erfolg nahe. Am ehesten, als es einen Treffer bereits bejubelte, der Schiedsrichter jedoch nach Intervention seines Assistenten auf Offsideposition entschied. WB durfte unter dem Strich froh sein, mit einem 1:1 in die Pause zu gehen. Bei den anderen, gleichzeitig stattfindenden, relevanten Spielen führte Tuggen 2:0 und Taverne lag zurück, WB war in der aktuellen Zwischentabelle Dritter und somit immer noch auf Kurs.

WB fehlt Durchschlagskraft

Die Hälfte zwei begann wie ein Feuerwerk. Zuerst powerte WBs Gabriel Di Battista auf der Seitenbahn nach vorn und passte zur Mitte, wo Figueiredo um einen Schritt zu spät kam. Im unmittelbaren Konter zwang Lobo den WB-Keeper Luca Thaler zu einer glanzvollen Parade. Später war die Reihe wieder an den Ämtlern. Flavio Peters Schuss wie auch jener von Nicolas Stettler landeten in den sicheren Fängen Imfelds. Und plötzlich lag der Gastgeber vorne. Er spielte sich auf dem linken Korridor blitzschnell nach vorne und in der Mitte veredelte Valdrin Dalipi den Angriff hechtköpfelnd zum Tor. WB war geschockt und fand keine überzeugende Antwort. Und nach einem katastrophalen Fehler im Spielaufbau konnte Mattia Rosolen mutterseelenallein auf Thaler losziehen. Er liess die Ämtler mit seinem Fehlschuss am Leben. Zehn Minuten vor Schluss schlug es dennoch ein, als Lobo seinen herausragenden Auftritt mit dem 3:1 krönte. Der Stecker war den Ämtlern jetzt gezogen, auch wenn Flavio Peter in der Nachspielzeit mit seinem 22. Saisontreffer, einem Handspenalty, schimmernde Hoffnung zurückbrachte. Wenig später wurde der abwechslungsreiche Match abgepfiffen und WB stand als Verlierer da. Und das auch im Aufstiegskampf, weil Taverne sich mittels Remis noch an WB vorbeischieben konnte. Bitter für die Ämtler, nach der gesamthaft hervorragenden Rückrunde, die Meisterschaft als Vierter abzuschliessen. In dieser kapitalen Saisonschlusspartie fehlte es dem FCWB an Durchschlagskraft – womöglich auch aufgrund der Nervosität –, um wenigstens einen Punkt «heimzubringen». Zu erwähnen ist unbedingt, dass die Limmatstädter es den Ämtlern mit ihrem unerschrockenen und mutigen Auftritt schwer machten und sie immer wieder vor Probleme stellten.

«Enttäuschung, aber vor allem Stolz»

Dietikon-Keeper André Imfeld, in der Endphase stark gefordert, meinte: «Wir kamen sofort gut in die Partie und konnten vorlegen. Schlussendlich gewannen wir meines Erachtens verdient, auch wenn es am Ende noch eng wurde.» WB-Trainer Hesam Mirzai, dessen Rücktritt bereits seit einiger Zeit feststand, gab Auskunft: «Die Enttäuschung ist riesig. Der Match war für unsere Verhältnisse schlecht. Der Druck, den wir uns selber aufbauten, war gross. Unbedingt wollten wir die sensationelle 32-Punkte-Rückrunde mit Aufstiegsspielen krönen. Wir schafften es leider nicht, den Druck in eine positive Leistung umzuwandeln. Im Gegenteil: Wir wirkten teils gehemmt. Unser Gegner machte es aber auch gut, spielte befreit auf und warf alles in die Waagschale. Damit kamen wir nicht zurecht und verloren verdient.» Und Mirzai fügte bilanzierend hinzu: «Am Schluss fehlt ein Punkt für die Aufstiegsspiele. Das ist bitter, 59 Punkte haben historisch immer gereicht. Es überwiegt nun aber der Dank an die Mannschaft, auf die ich stolz bin. Dankbar bin ich dem gesamten Verein für die schöne Zeit mit vielen Highlights, auch neben dem Rasen.»

FCWB: Thaler; Stettler, Waser (79. Wick), Brüniger (46. Studer), Brunner; Hager (70. Öner), Schneebeli (79. Bellis), Peter; Figueiredo, Di Battista (59. Lewis), Vukasinovic. 5. Behringer 1:0; 30. Vukasinovic 1:1; 60. Dalipi 2:1; 81. Lobo 3:1; 90. Peter 3:2.

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