«2019 ist das Jahr des Protests gegen Privilegien»

Im bis auf den letzten Platz gefüllten «Roots» in Affoltern hielt SP-Nationalrat Fabian Molina die Ansprache zur abendlichen 1.-Mai-Feier der SP des Bezirks Affoltern. Umrahmt wurde die Ansprache von Musik quer durch die Welt der lokalen Band Round of Sound.

SP-Vorstandsmitglied Georges Köpfli (am Mikrofon) stellt Nationalrat Fabian Molina (rechts) humorvoll vor.<em> (Bild bs)</em>
SP-Vorstandsmitglied Georges Köpfli (am Mikrofon) stellt Nationalrat Fabian Molina (rechts) humorvoll vor.<em> (Bild bs)</em>

Der ehemalige Juso-Präsident Fabian Molina ist heute wissenschaftlicher Mitarbeiter der Swissaid, und seit 2018, infolge des Rücktritts von Tim Guldimann, Nationalrat, wo er der gewichtigen aussenpolitischen Kommission angehört. SP-Vorstandsmitglied Georges Köpfli stellte ihn als begeisterten Theaterschauspieler vor: «Er schreibt auf seiner Homepage, dies sei ein guter Ausgleich zur politischen Arbeit. Ich sehe dies ein wenig anders, ich glaube, dass Schauspielen eine Voraussetzung für politische Arbeit ist.»

2030 sei die Schweiz CO2-neutral, die Löhne lägen bei verkürzten Arbeitszeiten höher als heute, die Frauen seien gleichberechtigt, das Gesundheitssystem sei erneuert, das Bildungssystem ausgebaut. Dies töne alles utopisch, leitete Fabian Molina sein Referat aus, aber: «Ich finde das nicht!» Er begründete diese Aussage damit, dass die Forderungen des Generalstreiks von 1918, die von der Proporzwahl für die Parlamente bis zur Einführung der AHV und zum Frauenstimmrecht reichten, über kurz oder lang erreicht worden seien, obwohl sie damals als utopisch bezeichnet worden seien.

Streiks gebe es aber nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart, beispielsweise die Klimastreiks und, am 14. Juni, den Frauenstreik. Protestbewegungen seien unerlässlich angesichts von Working Poors, von Rentnerinnen und Rentnern mit ungenügenden Einkünften, angesichts der Kürzungen von Kinderrenten und der noch immer bestehenden Lohnungleichheit. Molina forderte soziale Rechte, die für alle gelten, in der Schweiz und auf dem ganzen Planeten: «2019 ist das Jahr des Protests gegen Privilegien.» Der 1. Mai sei der Tag, an dem gleiche Rechte für alle gefordert werden müssten.

Mit seiner Ansprache zur 1.-Mai-Feier in Affoltern nahm Molina keinen Bezug zu den bevorstehenden Abstimmungen oder zu Themen der internationalen Zusammenarbeit, die ihm aufgrund seiner politischen und beruflichen Arbeit durchaus geläufig sein dürften, dafür indirekt zur Einleitung von Georges Köpfli: Er interpretierte seine Rolle als die eines Festredners, der Ziele formuliert, welchen alle Anwesenden – wie der grosse Applaus zeigte – gerne zustimmen, ohne sich in den vielleicht umstritteneren Bereich der Tagespolitik und der konkreten Massnahmen zu begeben.

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