«Das Hotel hat sich als Impfzentrum bewährt»

Seit zwei Monaten läuft der Betrieb im Impfzentrum Affoltern. Die Kapazität wurde in dieser Zeit kontinuierlich erhöht, die Nachfrage nach Terminen ist ungebrochen.

Hier wurden mittlerweile bereits gegen 25000 Spritzen aufgezogen: Das Leitungsteam des Impfzentrums Affoltern um Reto Schegg (links) in der Küche des Hotels Holiday Inn, der Impfstoff-Aufbereitung. (Bild Thomas Stöckli)
Hier wurden mittlerweile bereits gegen 25000 Spritzen aufgezogen: Das Leitungsteam des Impfzentrums Affoltern um Reto Schegg (links) in der Küche des Hotels Holiday Inn, der Impfstoff-Aufbereitung. (Bild Thomas Stöckli)

Geplant waren im Impfzentrum des Spitals Affoltern 600 Impfungen pro Tag. Waren es im April aus Mangel an Impfstoff noch deutlich weniger, wird dieses Ziel mittlerweile übertroffen. 730 bis 740 seien es aktuell, verrät Leiter Reto Schegg, einerseits weil man schneller vorankomme – die durchschnittliche Aufenthaltszeit in der Impfkoje liegt bei vier statt fünf Minuten –, andererseits weil die Betriebszeiten ausgedehnt wurden. So kann man sich seit Anfang Juni donnerstags und freitags nicht nur bis 17.30 Uhr, sondern bis 21 Uhr impfen lassen und auch samstags von 8 bis 13 Uhr werden Termine vergeben. Die Nachfrage ist ungebrochen: Am Donnerstag letzter Woche seien kurzfristig einige Termine freigegeben worden, so Schegg, «innert zehn Minuten waren alle weg.»

Bis und mit Dienstag wurden im Impfzentrum Affoltern 23050 Impfungen durchgeführt, 12250 mit Pfizer/Biontech, 10800 mit Moderna. Während im April fast ausschliesslich ersteres ­gespritzt wurde, hat sich dies in der Zwischenzeit immer mehr auf Moderna verlagert. Eine Auswahl gibt es nicht.

«Allergische Reaktionen sind selten»

Und wie vertragen die Leute die Impfung? «Allergische Reaktionen sind selten», sagt Michèle Vettovaglia, Leiterin Impfprozess, «einen anaphylaktischen Schock hatten wir noch nie.» Wenn es hoch kommt, werde es jeden zweiten Tag mal jemandem schlecht. Damit der Kreislauf mitspielt, empfiehlt sie deshalb, sich Zeit zu nehmen und vor dem Termin genug zu trinken und etwas zu essen. Wer generell Mühe mit der Impfung hat, solle sich nicht schämen, dies vorgängig melden, damit man darauf eingehen könne. Der bisher schwerste Vorfall ereignete sich denn auch nicht während oder nach der Impfung, sondern davor: Anfang Mai habe jemand vor dem Impfzentrum wiederbelebt werden müssen, so Vettovaglia – auch dank der Kompetenz und der Infrastruktur vor Ort ist dies gelungen und inzwischen hat die Person ­bereits ihre zweite Impfung in Affoltern erhalten.

Mit fast 85 Mitarbeitenden geht das Impfzentrum Affoltern als mittleres KMU durch. Rund ein Drittel davon sind Vollzeit angestellt, die Mehrheit komme halbtageweise. «Die Mitarbeitenden sind extrem motiviert und die Zusammenarbeit läuft gut», lobt Reto Schegg. Als Herausforderungen sieht er die Verfügbarkeit von Impfpersonal während der anstehenden Ferienzeit und die schwer abschätzbare Dauer der Impfkampagne. «Bis Ende August geht es sicher», ist er überzeugt, ab Juli je nach Kapazität und Nachfrage allenfalls wieder ohne Abendtermine. Und vermutlich werde der Impfbetrieb auch darüber hinaus weitergehen. Der Vertrag mit dem Liegenschaftseigentümer läuft jedenfalls bis September, aber auch für eine allfällige Verlängerung sei die Bereitschaft da.

Geduld ist abhängig vom Wetter und von der Generation

Die Rückmeldungen von den Geimpften seien überwiegend positiv, freut sich Reto Schegg. Vor allem ältere Leute drückten ihre Dankbarkeit aus, sei es direkt in der Impfkabine, mit einer ­Karte, mitgebrachten Guezli oder per E-Mail. Jüngere dagegen zeigen sich eher mal ungeduldig. «Jetzt kommen halt auch vermehrt Leute, die sich für die Ferien impfen lassen», so der Impf­zentrumsleiter. Und selbst das Wetter wirkt sich offenbar auf die Stimmung aus: «Wenn es regnet, sind die Leute eher mal genervt.»

Dabei geht es üblicherweise schnell: Wer pünktlich kommt, ist in der Regel innert 30 Minuten durch – Ausnahmen, wie etwa die 20-minütige Verspätung letzten Samstag – bestätigen die Regel. Dass man mal fünf Minuten eher drankommt, sei möglich, noch früher zu kommen, macht allerdings keinen Sinn: Die Reihenfolge richtet sich nach dem Termin und nicht nach der Ankunft.

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