Die grosse Trockenheit
Zwei Monate Hitze und praktisch keine Niederschläge: Die Spuren im Säuliamt sind unübersehbar
Ein Hitzetag folgt seit Juni auf den nächsten, nächsten, nächsten. Mittlerweile ist es August geworden – nur geregnet hat es praktisch nicht.
So bestätigen die Messstationen, was bei den Gewässern ohnehin augenfällig ist: Das Wasser wird rarer. Die Reuss bei Mühlau führt aktuell rund einen Drittel der für den August üblichen Wassermenge. Bei der Jonen in Zwillikon sind es gerade einmal zwei Prozent, bei der Reppisch in Birmensdorf gut drei Prozent des jeweiligen langjährigen Augustmittels.
Die anhaltende Trockenheit macht sich jedoch nicht nur in den Bächen oder Flüssen bemerkbar. Auch die Wasserversorgung im Säuliamt spürt, dass von oben kaum noch etwas nachkommt. Besonders deutlich zeige sich dies bei den Quellen, sagt David Nietlispach, Betriebsleiter der Wasserversorgungs-Genossenschaft Affoltern. Das Wasser dieser kleinen Flüsse und Bächlein unter dem Boden lasse sich vergleichsweise günstig ins Netz einspeisen. Doch die Schüttung der Quellen sei in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen. Auch die Grundwasserströme seien tiefer als üblich.
Gleichzeitig steigt der Bedarf, etwa um Felder oder Gärten zu bewässern. Um die Versorgung sicherzustellen, muss die Wasserversorgungs-Genossenschaft Fremdwasser aus dem Zürichsee zukaufen.
«Allein im Juli haben wir fast annähernd so viel Wasser zugekauft wie 2025 im ganzen Jahr», betont Nietlispach. «Wir liegen weit über dem Budget.» Rund 70 Prozent des aktuell verwendeten Wassers in der Stadt Affoltern stammen aus dem Zürichsee.
Nun sind gegen Ende der Woche Niederschläge angekündigt. Entscheidend sei nicht nur die Menge, sondern auch die Dauer und Intensität. «Wenn es eine Woche regnet, merken wir davon im Grundwasser noch nichts.» Der Boden müsse über längere Zeit Feuchtigkeit aufnehmen können. Erst wenn es während zweier, dreier oder vier Wochen immer wieder regne, könne das Wasser allmählich versickern und die tieferen Schichten erreichen. In den vergangenen Monaten sei kaum Wasser bis dorthin gelangt. Was an Niederschlag fiel, wurde von den Pflanzen aufgenommen oder verdunstete.
Abwasser wird weniger verdünnt
Die Trockenheit wirkt sich nicht nur auf die Trinkwasserversorgung aus. Auch bei der Abwasserreinigung verändert sich die Situation. Auf die Kläranlage der Stadt Affoltern in Zwillikon gelange deutlich weniger Abwasser als üblich, schreibt Stadtschreiber Stefan Trottmann auf Anfrage.
Im Normalbetrieb sei die Anlage hydraulisch auf einen durchschnittlichen Minimalzufluss von 190 Litern pro Sekunde ausgelegt. «Aktuell liegt der Zufluss bei nicht einmal der Hälfte.» Deshalb mussten die Reinigungsprozesse angepasst werden. Der letzte grössere Zulauf infolge eines Regenschauers sei am 18. Juli registriert worden.
Für die Reinigung des Wassers hat die Trockenheit zunächst einen widersprüchlichen Effekt. Normalerweise wird verschmutztes Abwasser durch Niederschlags- und Grundwasser verdünnt. In der aktuellen Trockenperiode fehlt diese Verdünnung weitgehend. Dadurch sind die Schadstoffkonzentrationen im Zulauf höher.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch eine schlechtere Reinigungsleistung. Konzentrierteres Abwasser lässt sich in der Regel sogar gut reinigen, weil die biologischen Reinigungsprozesse bei ausreichender Nährstoffverfügbarkeit effizient arbeiten. Gleichzeitig setzt die Hitze den Bakterien in der biologischen Reinigungsstufe zu und kann deren Leistungsfähigkeit etwas reduzieren. Diese beiden Effekte gleichen sich derzeit weitgehend aus.
Schlecht bis dramatisch – mit einer Ausnahme
Die Fliessgewässer im Säuliamt sind in besorgniserregendem Zustand
Werner Schneiter
Schlecht bis dramatisch – in dieser Bandbreite bewegt sich der derzeitige Zustand von Fliessgewässern im Säuliamt. Mit einer Ausnahme: Die vom Zugersee gespeiste Lorze trotzt der Hitze.
Die seit Wochen anhaltende Hitze setzt Mensch, Tier und Natur zu. Fliessgewässer verkümmern zu Rinnsalen oder führen derzeit stellenweise gar kein Wasser mehr. Als «schlecht, ja dramatisch» bezeichnet Lukas Bammatter, Co-Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung im kantonalen Amt für Landschaft und Natur (ALN), den Zustand von Kleinflüssen und Bächen im Säuliamt. So führe der Haselbach im Oberlauf, von Rossau Richtung Mettmenstetten, kaum mehr Wasser und sei auch im weiteren Verlauf abschnittweise komplett ausgetrocknet, stellt er fest. Bei Maschwanden fliesst er in die Lorze. Fische überleben hier kaum, es sei denn, sie können sich in sogenannte «Gumpen» retten. Aber auch diese versiegen sukzessive.
Auch der Jonenbach leidet. Bei Rifferswil fliesst nur sehr wenig Wasser, derweil die Situation am Ende des Flugplatzes Hausen weniger dramatisch ist, weil sich dort das Wasser aufgrund eines Biberdamms zurückstaut und auch den darunter liegenden Abschnitt weiter mit Wasser speist.
Als «sehr dramatisch» bezeichnet Lukas Bammatter den Zustand der stellenweise völlig ausgetrockneten Reppisch – ein Fliessgewässer, das in der Vergangenheit keine nennenswerten Probleme verursacht hat. Jetzt aber ist es in dieser über Wochen anhaltenden regenlosen Zeit akut gefährdet, insbesondere der Fischbestand. Auch seltene Arten wie das in der Reppisch heimische Bachneunauge (Lampetra planeri). Es kennzeichnet sich durch ein urtümliches Rundmaul, das biologisch gesehen nicht zu den echten Fischen gehört. Es handelt sich um ein kieferloses Wirbeltier, das sich seit Millionen von Jahren nicht verändert hat – eine Art, die in der Schweiz stark gefährdet ist, auf der Roten Liste figuriert und eine hohe nationale Priorität für den Artenschutz geniesst.
Lorze nicht beeinträchtigt
«Wir haben an der Lorze keinerlei Probleme», meldet Fischereipächter und Patentherausgeber Nico Rochat aus Maschwanden. Ihr Wasserstand ist zwar niedrig, aber das beeinträchtigt den Fischbestand nicht. Der Zugersee liefert genügend Wasser, und die Wasserqualität hat sich seit dem Ausbau der Abwasserreinigungsanlage Friesencham entscheidend verbessert. 1982 war das noch anders. Damals «kippte» das durch die Zuger Industrie verunreinigte Gewässer in der heissen Juni-Periode vollständig. Rund 5,2 Tonnen tote Fische entnahmen Vertreter der Seepolizei der Lorze. Heute ist das idyllische Flüsschen, das am Rüssspitz in die Reuss mündet, ein einwandfreies Gewässer mit gutem Fischbestand: Wels, Egli, Karpfen, Hecht, Brachsmen, Alet, Schleyen und Co. fühlen sich wohl. Sie haben auch den Einfluss von Heizöl in diesem Frühjahr in Hagendorn unbeschadet überstanden.






















