Ein gewinnender Auftritt in Hausen

Am Samstag, 6. Januar, erlebten rund 240 Zuschauerinnen und Zuschauer im Gemeindesaal in Hausen am Albis das Bühnenprogramm «Ke Witz – Bänz Friedli gewinnt Zeit». Und einen Kabarettisten in Bestform.

Da sind diese Nike-Sneakers. Die Metapher für den leichtfüssigen, siegreichen Sprint. Und der Mann, der sie trägt, ist auf dem Sprung, als es in Hausen viertel nach Acht schlägt. Auf dem Sprung auf eine Bühne – seine Bühne. Und ein Blitzstart ist es dann auch, den Bänz Friedli vor nahezu ausverkauftem Saal hinlegt. Ob Justin Bieber oder zeitsparende Hilfsmittel, Zugwaggons, Brexit oder Liveticker: Der 52-jährige Berner hüpft sofort mit Tempo und Leichtigkeit los durch seine Themenlandschaft, streift und tippt an, schaut hin und sinniert. Stellt fest – und lotst sein Publikum geschickt von Pointe zu Pointe. Dabei ist es nicht nur sein ausgezeichneter Spürsinn für den Zeitgeist, sondern immer wieder diese Schnörkellosigkeit, die ihn ohne Umschweife mitten in das Epizentrum seiner Themen führt.

Intermezzo mit dem Publikum

Dieses Themen-Pingpong hat es in sich: Wer die geistigen Haken mitschlagen will, muss aufmerksam sein und fit im Zeitgeschehen. Und trotzdem: So manches bleibt undurchsichtig, kommt überraschend. Zum Beispiel das Intermezzo mit dem Publikum. Kaum eine Regung im Saal, die Bänz Friedli, der 2015 mit dem Salzburger Stier ausgezeichnet wurde, nicht registriert. Und umgehend kommentiert. Vor allem die Zuschauer aus der vordersten Reihe werden unverhofft Opfer seiner Geistesgegenwart. Zum Beispiel die «mutige» Dame im gefälschten Pelzmantel, die etwas über die Vergänglichkeit von Modetrends erfährt. Oder das Mädchen, das sich als Junge herausstellt und mangels Facebook oder Handy kurzerhand in der Steinerschule verortet wird. Das Dilemma erinnert an die Wildwasserbahn im Vergnügungspark: Die vorderste Reihe ist zwar näher am Nervenkitzel, aber auch näher am kalten Wasser.

Alles andere als Zeitlupentempo

Bekannt wurde Bänz Friedli insbesondere durch seine Kolumne im «Migros Magazin». Und auch seine «Pendlerregeln» für «20 Minuten» fanden eine treue Leserschaft. Nebst seinen Engagements als Journalist und Kolumnist ist er regelmässig auf Radio SRF1 in der Samstagssatire «Zytlupe» zu hören. Und ausgerechnet diese «Zytlupe» ist ein Stichwort, das an jenem Samstagabend in keiner Weise mit Bänz Friedli in Verbindung gebracht werden kann. Er spricht und spricht, parodiert und gestikuliert – und das Ganze scheinbar spielend und nahezu ohne Unterbruch. Nur von Zeit zu Zeit geht für ein paar Sekunden das Bühnenlicht aus. Wobei man sich dann nicht ganz sicher ist, wem die Pause gilt: ihm, oder doch eher seinem Publikum, das er während zweieinhalb Stunden in so unbeschwerter und doch geistreicher Manier in seinen Bann zieht. Ja: Da waren diese Nike-Sneakers. Die Metapher für den leichtfüssigen, siegreichen Sprint. Die Metapher für diesen Abend.

Am 3. Februar ist Bänz Friedli in Aesch ZH, am 22. März in Baar ZG. <link http: www.baenzfriedli.ch external-link-new-window>www.baenzfriedli.ch.

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