«Ein offenes Ohr ist schon mega wichtig»

Was ist, wenn es dem Freund oder der Freundin nicht gut geht? Was kann man für die eigene psychische Gesundheit tun? Mit diesen und ähnlichen Fragen haben sich sechs Jugendliche an einem zweitägigen Workshop in Affoltern beschäftigt.

Erste-Hilfe-Workshop in der «Hirtschür». Ganz rechts: Bettina Gyr, Leiterin Jugendarbeit Affoltern. (Bild Thomas Stöckli)
Erste-Hilfe-Workshop in der «Hirtschür». Ganz rechts: Bettina Gyr, Leiterin Jugendarbeit Affoltern. (Bild Thomas Stöckli)

Stress an der Schule und Notendruck, Erwartungen aus dem Elternhaus und Lehrstellensuche – die Teenagerjahre verlangen der Jugend einiges ab. Und zu alledem kommt aktuell noch die Pandemiesituation dazu. «Wie ein Brennglas», wirke diese, veranschaulicht Bettina Gyr, Leiterin der Jugendarbeit Affoltern. Die genannten Stressoren machen sich noch deutlicher bemerkbar. Schliesslich fehlten insbesondere während des Shutdowns und dem Fernunterricht wichtige Möglichkeiten zum Stressabbau, etwa das Vereinsleben und andere gemeinsame Aktivitäten. Und manche Einschränkungen belasten nach wie vor. «Vor allem die Unsicherheit, wie es weitergeht», so Bettina Gyr.

Bedürfnis nach Kontakt

«Am Anfang war die Überforderung», blickt die Jugendarbeiterin zurück – und meint damit nicht nur die Jugendlichen. Auch für die Fachpersonen war die Pandemiesituation neu. Nur schon die Beziehung aufrechtzuerhalten erwies sich als Herausforderung. Aktuell ist das Bedürfnis nach Kontakt gross. «Wir haben in allen Angeboten eine tolle Auslastung», sagt Bettina Gyr. Und wie geht man mit den Sorgen der Jugendlichen um? «Ein offenes Ohr ist schon mega wichtig», so Bettina Gyr. Genau da setzt auch der Kurs an, den die Jugendarbeit Affoltern vergangene Woche am schulfreien Montag und am Samstag mit zwei externen Fachfrauen angeboten hat.

Unter dem Titel «und du so?» haben sich die sechs teilnehmenden Jugendlichen – drei Sekundarschülerinnen und drei Lernende – unter anderem damit befasst, was ihnen guttut und was sie stresst, was sie selbst dazu beitragen können, psychisch gesund zu bleiben und an welchen Anzeichen sie erkennen können, dass etwas eben nicht gut ist. Solche Hinweise können etwa gerötete Augen sein oder wenn jemand auch in hochsommerlicher Hitze stets lange Ärmel trägt, wenn sich das Gewicht drastisch verändert oder sich jemand immer mehr zurückzieht. Am zweiten Workshop-Tag ging es dann darum, anhand von Fallbeispielen aufzuzeigen, was sich in solch einem Fall tun lässt.

Kein Grund für Scham

In der aktuellen Situation dürften wohl alle Jugendlichen mit Gleichaltrigen konfrontiert sein, denen es nicht gut geht. Was würden die Workshop-Teilnehmenden diesen denn raten? «Mit jemandem sprechen», kommt als erste Antwort auf diese Frage. Weitere Tipps folgen, etwa: «Sich nicht schämen, sondern Hilfe holen.»

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