Ein Trainer, der den Mut sucht

Etienne Scholz übernimmt den FC Wettswil-Bonstetten mit klaren Vorstellungen

Trainer und Taktiker: Etienne Scholz will den FC Wettswil-Bonstetten mit mutigem und offensivem Fussball weiterentwickeln. (Bild Daniel Koch)
Trainer und Taktiker: Etienne Scholz will den FC Wettswil-Bonstetten mit mutigem und offensivem Fussball weiterentwickeln. (Bild Daniel Koch)

Etienne Scholz übernahm nach viereinhalb Jahren beim FC Uster in diesem Sommer den FC Wettswil-Bonstetten. Der 32-Jährige suchte bewusst eine neue Herausforderung: Ein weiteres Jahr in Uster wäre für ihn «Komfortzone» gewesen – und genau die will er vermeiden. Wettswil-Bonstetten überzeugte ihn als sportlicher Schritt in die 1. Liga und als Klub mit einer Kultur, die zu ihm passt. In zahlreichen Gesprächen vor dem Wechsel hörte er nur Positives über den Verein: familiär, gesund geführt, ein Umfeld, in dem sich Menschen gegenseitig helfen.

Sportlich trifft Scholz auf eine Mannschaft mit deutlich mehr Erfahrung als zuvor. Statt hauptsächlich junge Spieler zu trainieren, arbeitet er nun auch mit Routiniers bis 38 Jahren. Das macht das People-Management komplexer – und für ihn besonders spannend. Beeindruckt hat ihn zudem, dass der grösste Teil des Kaders verlängert hat, noch bevor klar war, wer neuer Trainer wird. Für Scholz zeigt das, wie stark sich der Klub über den Verein und nicht über Personenkult definiert. Gleichzeitig schätzt er, dass Wettswil-Bonstetten keine «Eintagsfliege» mit Investorengeldern sein will, sondern auf nachhaltigen Aufbau setzt.

Auf dem Platz steht Scholz für einen mutigen, aktiven Fussball. Seine Mannschaft soll den Ball wollen, nach vorne verteidigen und Spiele möglichst in der gegnerischen Hälfte kontrollieren. Er arbeitet lieber mit Prinzipien als mit starren Automatismen: Die Spieler sollen verstehen, warum sie etwas tun, und Situationen eigenständig lösen. Kommunikation ist ihm entsprechend wichtig – gerade bei Entscheiden, die Spieler hart treffen. «Für mich steht immer der Mensch im Vordergrund, nicht Spieler Nummer 17», sagt er. Aus seiner Sicht ist ein Trainer dann am besten, wenn er gewinnt – aber der Weg dorthin führt über klare Ideen und eine Gruppe, die diesen Ideen vertraut.

Geprägt wurde Scholz bei Stationen wie Bayern München, Basel oder St. Gallen sowie durch seine eigene Fussballschule, in der er seit Jahren intensiv Trainings leitet. Dort sammelt er zusätzliche «Trainerjahre», weil er deutlich mehr Einheiten gibt als ein typischer Amateurcoach. In Wettswil-Bonstetten will er dieses Know-how nutzen, um auch die Durchlässigkeit zwischen Junioren und erster Mannschaft zu stärken und Talenten früh Verantwortung zu übergeben. Den Fans verspricht er eine Mannschaft, die für Mut, Energie und Verantwortung steht – und bittet darum, diesen Weg mitzutragen, auch wenn am Anfang nicht jede Partie perfekt sein wird. Denn für Scholz ist Fussball ein Gemeinschaftsprojekt von Spielern, Staff, Verein und Umfeld, das nur dann sein Potenzial ausschöpft, wenn alle in die gleiche Richtung denken und arbeiten.

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