Knonauer Amt war schon zur Zeit der Römer recht dicht besiedelt

Eine gross angelegte Untersuchung dokumentiert zahlreiche alte Gutshöfe und Siedlungen

Wo heute eine Wiese ist, stand an der Oberholzerstrasse im Bereich zwischen Affoltern und Mettmenstetten in römischer Zeit ein Gutshof – es war wohl einer der grössten Gutshöfe im ganzen Kanton. Daniel Käch von der Kantonsarchäologie Zürich h
Wo heute eine Wiese ist, stand an der Oberholzerstrasse im Bereich zwischen Affoltern und Mettmenstetten in römischer Zeit ein Gutshof – es war wohl einer der grössten Gutshöfe im ganzen Kanton. Daniel Käch von der Kantonsarchäologie Zürich hat in seinem neuen Buch alles Wissen über Funde im Knonauer Amt zusammengetragen. (Bild Florian Hofer)

Seit 26 Jahren spürt der Archäologe Daniel Käch als Projektleiter der Kantonsarchäologie römischen Siedlungen nach. Vor zwölf Jahren hat er angefangen, alle Informationen über Funde in der Region Affoltern systematisch zu sammeln. Nun ist ein umfangreiches wissenschaftliches Buch erschienen, das dieses Wissen aus insgesamt 90 Fundstellen strukturiert präsentiert. Es heisst «Das Umland des Vicus von Obfelden-Lunnern – Der Südwesten des Kantons Zürich in römischer Zeit».

Der Spezialist für ländliche römische Siedlungen ist dabei zu einer ganzen Reihe von wichtigen Erkenntnissen gekommen: «Das heutige Knonauer Amt war damals von einem dichten Netz von Gutshöfen überzogen.» Der Südwesten des Kantons Zürich gehörte zum Umland der kleinstädtischen römischen Siedlung von Obfelden-Lunnern, die als regionales Zentrum fungierte. Bislang war man in der Forschung davon ausgegangen, dass der Südwesten des Kantons Zürich zur römischen Zeit ein eher dünn besiedeltes Gebiet war. «Diese Auffassung muss revidiert werden», so Käch.

Zudem legen die archäologischen Auswertungen nahe, dass das Gebiet rund um Obfelden-Lunnern von den Römern wohl bereits früher besiedelt wurde als bislang vermutet. Auch die in Fachkreisen kontrovers diskutierte Frage, ob das Untersuchungsgebiet zum Hinterland des Legionslagers von Vindonissa gehörte, wird in der Publikation diskutiert. Der Autor kommt dabei zum Schluss, dass das erweiterte Umland von Obfelden-Lunnern zur Versorgung des Lagers in Vindonissa herangezogen worden sein dürfte.

Was ist ein Gutshof?

Von insgesamt 90 Inventareinträgen stehen 20 Einträge für sicher als römisch erkannte Siedlungen. Bei 23 weiteren Einträgen sind Siedlungsstellen wahrscheinlich. Bei Letzteren handelt es sich meist um Fundstellen, die wahrnehmbare Fundhäufungen aufweisen, vereinzelt um pauschale Erwähnungen von «römischen Überresten» oder um Flurnamen, die auf Gebäude schliessen lassen. Insgesamt kommt man im Untersuchungsgebiet somit auf die stattliche Anzahl von 43 gesicherten oder vermuteten Siedlungsstellen. Erwartungsgemäss handelt es sich dabei meist um Gutshofanlagen (zum Beispiel in Bonstetten, Mettmenstetten, Ottenbach, Rifferswil oder Wettswil). Neben dieser häufigsten Befundgattung sind vereinzelt Kultplätze, Gräber oder Strassenbefunde nachgewiesen. Ein römischer Gutshof ist nicht vergleichbar mit einem heutigen Bauernhof. «Ein Gutshof ist eher wie ein kleines Dorf mit Arbeitern, Heiligtümern, Töpfereien, gelegentlich auch einem Schmid und mit Handel», erklärt Käch. Es wurden Überschüsse erzielt, die in die städtischen Zentren verkauft wurden. Ein solcher Gutshof, man könnte es auch Landgut nennen, besteht aus einem Hauptgebäude, Nebengebäuden und ist oft umfriedet von einer Hofmauer. Die charakteristischen Ausstattungselemente der Hauptgebäude sind Mörtelböden, Wandmalereien, heizbare Räume und Badetrakte oder separat liegende Badegebäude. Sie konnten im Knonauer Amt um die 700 Hektar Land umfassen.

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