«Ich habe ein erfülltes Leben»
Alt Statthalter und Bezirksratspräsident Hansruedi Maag feiert seinen 80. Geburtstag
Während fast 20 Jahren wirkte er als «höchster Beamter» im Säuliamt. Seit 2011 ist er pensioniert, und am kommenden Sonntag, 26. Juli, feiert alt Statthalter und Bezirksratspräsident Hansruedi Maag seinen 80. Geburtstag. «Ich habe ein erfülltes Leben, zwei Enkel und bin guet zwäg», bilanziert er gut gelaunt.
Das reich erfüllte Leben widerspiegelt sich auch in einem gut gefüllten Ordner, wo Hansruedi Maag Zeitungsbeiträge und Dokumente aufbewahrt. Da ist der Statthalter und Bezirksratspräsident bei Wechseln/Amtsübergaben von Gemeindeschreiber und -schreibern zu sehen, bei Feuerwehrübungen und anderen Anlässen. Wechsel auf Gemeindekanzleien waren damals aber seltener als heute.
Statthalteramt zu wenig erfüllend
Am Anfang stand eine Notariatslehre und -studium. Anfang der 1970er-Jahre bot sich die Gelegenheit für das Amt des Bezirksratsschreibers. 1992, als sich Statthalter und Bezirksratspräsident Ueli Rothenberger in den Ruhestand verabschiedete, fand sich mit Hansruedi Maag sein Nachfolger. Allein das Amt des Statthalters, der insbesondere Übertretungen sanktioniert und das Feuerwehrwesen beaufsichtigt, habe ihn nicht erfüllt. Als vielfältiger bezeichnet Hansruedi Maag seine Tätigkeit als Präsident des Bezirksrates, der die Gemeinden beaufsichtigt und Rechtsmittelinstanz ist. «Insgesamt habe ich sehr gerne für den Staat und für die Öffentlichkeit gearbeitet», sagt Hansruedi Maag rückblickend – anfügend, dass er die Balance zwischen menschlicher Empathie und harter Gesetzgebung gefunden habe. Auch den vorhandenen Spielraum hat er ausgenützt. Die Nähe zum Bürger, zur Bürgerin ist natürlich nicht immer ohne, weil diese auch streitlustiger geworden sind. Aber Richtschnur bildete stets das Gesetz. «Ich habe stets gesagt: Zahl diese Busse – oder ziehe den Fall an die nächste Instanz weiter.» Dass Nähe auch anderswo heikel sein kann, schildert Hansruedi Maag am Beispiel des militanten (und inzwischen verstorbenen) Tierschützers Kessler, der einen Bauern aus dem Bezirk ins Visier nahm. «Als ich den Stall betrat, war ich dann mit dem Hofbetreiber für ein paar Minuten per Sie – zumindest in Anwesenheit der Kessler-Vertreterin ...» Die schlimmsten Momente, fügt Maag an, habe er eindeutig im «Fall Bonstetten» erlebt, dieses Tötungsdelikt an einem Knaben, das schweizweit für Schlagzeilen sorgte – und letztlich Geburtsstunde der Kesb (Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde) war, der Nachfolgerin der lokalen Vormundschaftsbehörde.
Bedauerliche Zentralisierung
Kritik an der Kesb will Hansruedi Maag nicht anbringen, aber generell am Umstand, dass die Zentralisierung weiter fortschreitet – so, wie das der ehemalige Regierungsrat Markus Notter damals angestossen hatte. Dazu gehörte die Abschaffung der Bezirke (und damit des Bezirksrates/Statthalters) und die Schaffung von Regionen, was anlässlich der Verfassungsrevision diskutiert wurde. «Zum Glück ist das nicht eingetreten», sagt Maag, der auch in einem anderen Fall klar Stellung bezieht: «Wird Tatsache, dass künftig Rekurse gegen Kesb-Entscheide direkt ans Obergericht und nicht mehr an den Bezirksrat gehen, ist das ein weiterer Schritt weg vom Bürger.» Der Region wünscht er, dass die den ländlichen Charakter bewahren kann.
Mit seinem Nachfolger Claude Schmidt pflegt Hansruedi Maag Kontakt, auch wenn er das einen Steinwurf von seinem Domizil entfernte Bezirksgebäude seit der Pensionierung praktisch nicht mehr betreten hat. An der jährlichen Delegiertenversammlung des Feuerwehrverbandes ist Ehrenmitglied Hansruedi Maag immer noch gerne dabei. Allerdings vermisst er die verstorbenen Kollegen aus seiner beruflichen Tätigkeit.
Reisen und Fitness
Aber das machen zahlreiche Aktivitäten wett – auch auf dem Velo. Fünf Mal hat Hansruedi Maag die Rominger-Classique Vevey–Crans-Montana absolviert, inmitten von ehemaligen Cracks wie Pantani und Indurain. Mit 60 hat er in Lausanne erstmals einen Halbmarathon absolviert und in den letzten zwei Jahren zweimal zusammen mit der jüngeren Tochter die USA bereist. Höhepunkt: ein zufälliges Aufeinandertreffen in Los Angeles mit Box-Ikone Mike Tyson. In Affoltern ist Hansruedi Maag regelmässig im Fitnessstudio und auf dem elektrogetriebenen Fahrrad anzutreffen. «Meine Frau Anita und ich haben ein erfülltes Leben», sagt er höchst zufrieden. Nach seiner Pensionierung hat Hansruedi Maag zusammen mit dem ehemaligen Stalliker Gemeindeschreiber Franz Birri mitgeholfen, die Regionale Führungsorganisation (RFO) aufzubauen. Er nimmt auch heute am öffentlichen Leben teil und liest den «Anzeiger» aufmerksam, ohne jedoch Leserbriefe zu schreiben. Gegen den geplanten Schulhausbau in Affoltern will er sich aber engagieren. «Das ist der falsche Standort», fügt er an. Sein persönlicher Wunsch: «Gesundheit, Aktivitäten. Dazu zählen weitere Reisen.»






