Weniger Sauerstoff am Grund des Türlersees

Nach dem ersten Winter ohne «Beatmungsmaschine» sind die Messwerte des Türlersees nicht so gut wie in den Vorjahren, aber immer noch im Rahmen der Erwartungen. Der Versuch läuft noch mindestens bis ­Frühling 2022.

Die Umwälz­anlage, hier noch auf dem Türlersee, blieb diesen Winter erstmals versuchsweise eingelagert. (Archivbild zvg.)
Die Umwälz­anlage, hier noch auf dem Türlersee, blieb diesen Winter erstmals versuchsweise eingelagert. (Archivbild zvg.)

Seit 1987 hat über die Wintermonate von Mitte Dezember bis Mitte März jeweils eine Umwälzanlage die Wasserzirkulation im Türlersee unterstützt. Die verbesserte Wasserqualität hat das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) nun dazu bewogen, die Anlage für zwei Jahre versuchsweise ausser Betrieb zu setzen. Nach dem ersten Winter ohne «Beatmungsmaschine» zeigte sich Mitte März eine homogene Mischung des Wassers bis 12,5 Meter Tiefe. An der Oberfläche wurden pro Liter Wasser rund 10 Milligramm Sauerstoff gemessen, in 12,5 Metern Tiefe waren es noch 9,7 mg – ein solider Wert, vergleichbar etwa mit dem Greifensee, der grundsätzlich gut zirkuliert, und deutlich besser als andere Kleinseen im Kanton wie der Mettmenhaslisee oder der grosse Husemersee.

In den untersten Lagen war die Durchmischung im Türlersee im Vergleich zu den Vorjahren allerdings deutlich reduziert: In 20 Metern Tiefe – der Seegrund liegt bei knapp 22 Metern – wurden noch 4,4 mg Sauerstoff pro Liter Wasser registriert. «Mit der Zirkula­tionsunterstützung hatten wir nach ­einem guten Winter jeweils bis ganz unten 10 bis gegen 12 Milligramm», so Pius Niederhauser von der Abteilung Gewässerschutz beim Awel.

Ungünstige und günstige Phasen

Gut war der Winter 2020/21 für die ­Wasserumwälzung in hiesigen Seen ­allerdings nicht, Niederhauser bezeichnet ihn stattdessen als «vielfältig», mit einigen ungünstigen Phasen für die ­Zirkulation: Bis im Januar waren die Temperaturen zu hoch. Wenn das Wasser an der Oberfläche wärmer ist als in der Tiefe, bleibt eine natürliche Umwälzung nämlich aus. Ab Mitte Januar verhinderte dann Eisbildung die Sauerstoffaufnahme über die Seeoberfläche. Im Februar und März wurde es dann wieder sehr warm. Immerhin folgte dann ab Mitte März nochmals eine kalte und windige Phase. «Sonst wäre es ein sehr schlechter Winter geworden», sagt ­Niederhauser. Die Westwind- und die Bisenlage konnten sich allerdings nicht mehr so stark auswirken wie erhofft. «Ab Tiefen von 15 Metern und mehr braucht es viel, dass das Wasser in Bewegung kommt», so Niederhauser, zumal der Türlersee relativ windgeschützt liege und im Verhältnis zu seiner Tiefe nur eine geringe Fläche einnehme.

Bei der zweiten Messung vom 19. April nahm dann der Sauerstoff in der Tiefe als Folge der Zehrung bereits teilweise ab. Rund 8 mg/l wurden in 12 Metern Tiefe gemessen, rund 2,3 mg/l am Seegrund. Das war allerdings auch in anderen Jahren der Fall, wenn auch mit höherem Ausgangswert. So geht Nieder­hauser davon aus, dass der Sauerstoff in den tiefsten Lagen dieses Jahr rund zwei bis drei Wochen früher aufgebraucht sein wird. Spannend sei allerdings vielmehr, was im Verlauf des Sommers mit dem Sauerstoffgehalt in fünf bis zehn Metern Wassertiefe passiere: «Dort ­erwarte ich keinen anderen Verlauf als in den letzten Jahren», so Niederhauser.

Türlersee in sehr gutem Zustand

Auf die Dauer der Versuchsphase hat das Resultat nach dem ersten Winter ohne Zirkulationsunterstützung keine Auswirkung. «Wir sind völlig im Rahmen der Erwartungen», betont Pius Nieder­hauser, «der Türlersee ist in einem sehr guten Zustand.» Die Sichttiefe ab Oberfläche beträgt 7,3 Meter, bei den Nährstoffen zeigen sich keine signifikanten Unterschiede. Frühestens im Frühling 2022 wird entschieden, ob dauerhaft auf die Zirkulationsunterstützung verzichtet werden kann. So lange bleibt die ­Umwälzanlage eingelagert.

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