Von Facebook in die Flasche

Seit März 2018 existiert auf Facebook «Säuliamt Bier» – eine Fanseite, die anonym betrieben wird und in den letzten Monaten an Zulauf gewonnen hat. Nun ist die Bierproduktion angelaufen. Wer steckt hinter dem Projekt?

Sind gespannt, wie ihr «Säuliamt Bier» ankommt: Initiator Christian Bachmann (links) und Gregor Völkening. <em>(Bild zvg.)</em>
Sind gespannt, wie ihr «Säuliamt Bier» ankommt: Initiator Christian Bachmann (links) und Gregor Völkening. <em>(Bild zvg.)</em>

«Was hältst du von einem Säuliamt-eigenen Bier – nur eine blöde Idee, oder könnte das allenfalls einschlagen?» Es war am 16. März 2018, als diese Frage erstmals im Sozialen Netzwerk Facebook auftauchte. Nun, anderthalb Jahre später, gärt in diesen Tagen nahe der Bezirksgrenze die erste Produktionscharge des «Säuliamt Bier».

Angerissen hat das Bier-Projekt nicht etwa ein alteingesessener Säuliämtler, sondern ein Berner. Seit zweieinhalb Jahren wohnt Christian Bachmann in Stallikon. In dieser Zeit fiel dem 37-Jährigen – der im Berner Oberland ebenfalls auf Facebook bereits das «Haslital-Bier» lanciert hat – auf, wie sehr sich die lokale Bevölkerung mit ihrer Region identifiziert. «Manche Einwohner sagen von sich, sie seien keine Zürcher, sondern Säuliämtler. Andere bekannten sich auf Autoklebern zu ihrem Bezirk.» Eine stolze Region, habe er sich gedacht – und fragte sich dann: Warum hat das Säuliamt kein eigenes Bier?

Der Nati-Biersommelier ist dabei

So geschah es, dass er auf Facebook eine eigene Fanseite erstellte, dort die genannte Einstiegsfrage postete – und wartete, was passiert. Schnell häuften sich die Kommentare. «Grossartige Idee!!!», schrieben die einen, andere wiesen darauf hin, dass es mit dem «Mättmi-Bräu», dem «Stiere-Bier» oder dem «Malzheimer Bier» bereits lokale Produkte gebe. Christian Bachmann machte trotzdem weiter. Ein paar Tage später kündigte er in einem anderen Beitrag an, ab 1000 Likes auf seiner Facebook-Fanseite werde das Bier zum konkreten Projekt. Und dann hiess es warten. Auf die Likes.

Die Community wuchs langsam, aber stetig – und durfte bei den meisten Entscheidungen ein Wörtchen mitreden. Die Art des Biers, der Name, die Etikette. Über all das stimmten die Facebook-Fans ab. Parallel war Bachmann auf der Suche nach Leuten, die seine Idee gemeinsam mit ihm umsetzen, und fand schliesslich Gregor Völkening.

Der 39-jährige Affoltemer ist nicht nur begeisterter Bierliebhaber, er ist auch Mitglied der Schweizer Bier-Sommelier-Nationalmannschaft. Völkening entwickelte eine neue Rezeptur, testete sie zu Hause in seiner Anlage und tüftelte an den Feinheiten, bis das «Säuliamt Bier» seinen Ansprüchen standhielt. Gemeinsam besichtigten die beiden Brauereien, konkretisierten die Absatzstrategie. Bis zu fünf Stunden investieren sie wöchentlich in ihr Bier-Projekt.

Als man Ende Juni gegen die 1000-Likes-Marke zusteuerte, konnten die Fans ab Juli ihre Vorbestellungen aufgeben. Die Versprechung: Ab 5000 Bestellungen wird gebraut. Auch diese Marke wurde inzwischen geknackt. «Mit der Produktion haben wir früher begonnen, weil der Brauprozess einige Wochen dauert und wir möglichst bald eine Kostprobe des neuen Biers geben möchten», so Christian Bachmann. Hergestellt wird es in der Brauanlage der «Einhornbräu» in Hünenberg – «Nur wenige hundert Meter ennet der Grenze zum Säuliamt», wie er betont. Auch Hopfen und Malz im «Säuliamt Bier» sind nicht lokal produziert, sondern aus dem Ausland importiert. «Der Import der Rohstoffe ist in der Branche üblich, weil diese in den gewünschten Mengen in der Schweiz oftmals nicht erhältlich sind», erklärt er. «Dennoch nehmen wir die Bezeichnung ‹Säuliamt Bier› sehr ernst und sind bemüht, das Amt in unserem Bier bestmöglich wiederzugeben.» Wird das Bier ein Erfolg, möchten die beiden künftig auch Spezialbier anbieten: «Dort haben wir die Möglichkeit, mit Honig, Sanddorn oder Früchten auch lokale Produkte zu verwerten.»

Ab Mitte September ist das Bier fertig, dann soll es in jeder der 14 Gemeinden anlässlich einer Biertaufe probiert werden können. «Die Veranstaltungstermine sind noch nicht fix, aber Infos folgen bald auf Facebook», verspricht Christian Bachmann.

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