Ab 2020 keine Knie- und Hüftprothese-Operationen mehr

Zu tiefe Fallzahlen: Das Spital Affoltern verliert Leistungsaufträge. Mit dem Wegfall der stationären Orthopädie hat das Spital bereits geplant. Mehr Schmerzen dürfte das Nein der Gesundheitsdirektion zur Umwandlung der bestehenden Geburtsabteilung in ein Geburtshaus bereiten - zumindest zum aktuellen Zeitpunkt.

Im Spital Affoltern werden kommendes Jahr keine Knie- und Hüftprothesen mehr eingesetzt. Überraschend kam der Entscheid der Gesundheitsdirektion nicht: Mit 43 respektive 34 Fällen hat das Spital 2018 die geforderten Mindestfallzahlen von 50 Eingriffen in der Orthopädie verpasst – und entsprechend kein Gesuch um eine Verlängerung des bis Ende 2019 laufenden Leistungsauftrags gestellt. In der Medizinstrategie spielen diese Angebote keine Rolle mehr, so Spitaldirektor Michael Buik. Der entsprechende Spezialist sei bereits im Triemli akkreditiert, wo die Stadtspitäler Waid und Triemli diese Eingriffe künftig konzentrieren.

Und auch der finanzielle Verlust werde nicht sehr gross sein, meint Buik, zumal mit der Wirbelsäulenchirurgie bereits ein interessantes neues Gebiet im Gespräch sei. «Das Interesse bei Belegärzten am Spital Affoltern ist seit dem 19. Mai markant gestiegen», so der Spitaldirektor weiter. Wir erinnern uns: Am 19. Mai haben sich die Stimmbürger der Ämtler Gemeinden deutlich zu ihrem Spital bekannt.

Geburtshaus: ausserhalb der Spitalplanung nur bei Unterversorgung

Ein schwererer Rückschlag war das Nein zur Umwandlung der aktuellen Geburtsabteilung in ein Geburtshaus. Darauf muss das Spital Affoltern vorerst verzichten. Die Gesundheitsdirektion begründete die Absage damit, dass ausserhalb der umfassenden Spitalplanung nur bei nachgewiesenem Bedarf, also bei einer Unterversorgung, neue Leistungsaufträge erteilt würden. Im Bereich Geburtshäuse besteht aktuell allerdings keine solche Unterversorgung. Das könnte sich allerdings bald ändern: Einerseits weil im Kantonsrat demnächst über die Förderung von Hebammenunterstützten Geburten debattiert wird, andererseits, weil beim bestehenden Geburtshaus Zürcher Oberland Mängel bei der Erfüllung des Leistungsauftrags festgestellt wurden. Insbesondere in der Kommunikation mit dem Verlegungsspital müsse nachgebessert werden. Die Gesundheitsdirektion hat dem Geburtshaus deshalb den Leistungsauftrag bis Ende 2020 befristet.

Kein kategorisches Nein

Beim Spital Affoltern sieht man den Wechsel zum Geburtshaus weniger als neues Angebot, sondern als Wandlung eines bestehenden. Vorerst wolle man nun prüfen, wie man auf den Entscheid reagieren will. Dazu sucht das Spital Affoltern auch den Austausch mit den Partnerspitälern, dem Stadtspital Waid und Triemli in Zürich und dem Zuger Kantonsspital in Baar.

Gemäss ihrer Begründung ist das Nein der Gesundheitsdirektion kein kategorisches Nein, sondern ein Nein zum aktuellen Zeitpunkt. Die grosse Frage sei nun, was in einer allfälligen Übergangsphase passiere, so Buik. Also ob man die defizitäre Geburtsabteilung weiterführt und falls ja, in welcher Form.

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