Happy End für Familie in Rossau

Jetzt ist es offiziell: Die langjährige Mieterfamilie Chiesa/Weber darf bleiben und hat das Haus Hägi in Rossau gekauft. Möglich gemacht hat es vor gut zwei Jahren eine Welle der Solidarität im Säuliamt.

Von Mietern zu Eigentümern: Peter Chiesa und Elvira Weber feiern mit Karin Schärer (rechts), die mit ihrem Einsatz bei der Stadt Zürich ein Umdenken ermöglicht hat. (Bild Thomas Stöckli)
Von Mietern zu Eigentümern: Peter Chiesa und Elvira Weber feiern mit Karin Schärer (rechts), die mit ihrem Einsatz bei der Stadt Zürich ein Umdenken ermöglicht hat. (Bild Thomas Stöckli)

Nicht immer gewinnt die Seite mit mehr Geld und besseren Beziehungen. Das ist die erfreuliche Erkenntnis für Karin Schärer. Sie war es, die sich vor zweieinhalb Jahren daran gestört hatte, dass die Stadt Zürich den Hof Hägi in Rossau an den meistbietenden verkaufen wollte, und die Interessen der langjährigen Mieterfamilie dabei auf der Strecke bleiben sollten. Weil die Zeit zu knapp schien für eine Unterschriftensammlung, ­mobilisierte die Mettmenstetterin die Bevölkerung, den Stadtzürcher Gemeinderat mit Protestbriefen einzudecken. Und dies, obwohl sie zu der Zeit auch ihr eigenes Haus am Sanieren war. Unter Stress habe sie schon immer am besten gearbeitet, so Karin Schärer. Als Beispiel nennt sie ihre Zeit als Barfrau im «Break», Affoltern: «Wenn die Gäste in dritter Reihe an der Bar anstanden, habe ich nie eine Bestellung vergessen.»

In ihrem Musterschreiben hat Karin Schärer etwa darauf hingewiesen, wie die Familie Chiesa/Weber als Mieterin die über 175-jährige Liegenschaft in Schuss gehalten und Reparaturen weitgehend selber ausgeführt, sich vorbildlich um die Hoftiere gekümmert und Kutschenfahrten angeboten hatte.

Die Aktion zeigte Wirkung. Das Geschäft, das sonst wohl einfach durchgewunken worden wäre, wurde nun genauer unter die Lupe genommen, Karin Schärer nutzte die Zeit, eine Webseite zu erstellen und eine Petition zu lancieren. 858 Unterschriften kamen zusammen. Und tatsächlich kippte der Zürcher Gemeinderat den Stadtrats-Entscheid im September 2018 noch mit 66:52 Stimmen. Möglich machte es eine ungewöhnliche Allianz zwischen FDP, SP und EVP – und in erster Linie natürlich die grosse Unterstützung aus dem Knonauer Amt.

Bis zum tatsächlichen Verkauf sollte es allerdings noch über zwei nervenaufreibende Jahre dauern: Nach einer Einsprache nahm das Geschäft noch einen Umweg über den Bezirksrat, die Familie Chiesa/Weber musste weiterbangen. Letzten Donnerstag wurde der Kauf nun mit dem Termin beim Notar amtlich – und am Sonntag hat die neue ­Eigentümerfamilie mit ihrer grössten Unterstützerin auf das Happy End ­angestossen.

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