25.06.2020

Corona-Zeit für Projektarbeiten genutzt

Im Massstab 1:87: Michael Kunz und sein 1,26 m hohes ­Saturn-V-Modell, der Rakete, welche mit Apollo 11 die ersten Menschen auf den Mond brachte. (Bild Stefan Schneiter)

Im Massstab 1:87: Michael Kunz und sein 1,26 m hohes ­Saturn-V-Modell, der Rakete, welche mit Apollo 11 die ersten Menschen auf den Mond brachte. (Bild Stefan Schneiter)

Auch – oder vielleicht gerade? –während der Corona-Zeit lassen sich tolle Projektarbeiten ­erstellen. Sekschülerinnen und -schüler von Mettmenstetten liefern den Tatbeweis und ­brillieren mit einem Nachbau der ersten Mondlanderakete, einer Biografie über den eigenen Urgrossvater sowie einem Video und Dossier über den Werdegang des Bruders zum Rennvelofahrer.

Von: Stefan Schneiter

Der Film «Aufbruch zum Mond» mit ­Hollywoodstar Ryan Gosling erzählt die Geschichte von der ersten Mondlandung im Jahr 1969, zeigt, wie die Amerikaner vor 50 Jahren mit der Apollo-11-Rakete zum Mond flogen und wie der 39-jährige Neil ­Armstrong als erster Mensch den Erdtrabanten betrat. «Dieser Film hat mich enorm beeindruckt. Ich war fasziniert von der 110 Meter hohen ­Rakete und den Bedingungen, die die Astronauten in der Rakete hatten», erzählt Michael Kunz. Diese Faszination hat den 17-jährigen Sekschüler aus Ross­au dazu bewogen, für seine Abschlussarbeit, welche alle Schülerinnen und Schüler der 3. Klasse der Sekundarschule alljährlich ablegen, diese Rakete nachzubauen.

Der Bau des Apollo-11-Modells war eine sehr aufwändige Arbeit. 150 Stunden stecken darin. Mit einer unglaublichen Präzision und Detailtreue hat ­Michael die Rakete inklusive dazuhöriger Startrampe im Massstab 1:87 nachgebaut. Die Baupläne hat er sich im Internet zusammengesucht, als Material verwendete er Balsaholz, Pavatex und Styropor – und Büroklammern, aus denen er die Raketenspitze gebaut hat. In der Schreinerei Marcel Müller AG in Rossau brachte er das Holz in die gewünschte runde Form. «Mühsam» war das Schnitzen der einzelnen Rillen in der Raketenaussenhaut. Fünfmal hat er die Rakete mit weisser Farbe bemalt, damit die Holzstruktur kaum mehr zu erkennen ist, danach folgten die schwarzen Partien. Auch den Startturm mit 17 Plattformen aus Pavatex hat er minutiös dem Original nachgebildet. Einzig fehlen einige der Verbindungsbrücken vom Turm zur Rakete. Dazu fehlte ihm letztlich die Zeit. Fünf Monate hat er daran gearbeitet, zwei Monate davon während der Coronakrise zu Hause. «Ich investierte sehr viel Zeit. Aber ich bereue keine Stunde, die ich in dieses Projekt gesteckt habe», schreibt Michael in dem Projektjournal, das die Schüler zu ihrer Arbeit zu erstellen haben. Nun, zum Schluss der Arbeit kann er zu Recht ­sagen: «Ich bin stolz auf die Rakete. Ich hätte nie gedacht, dass es am Ende so gut herauskommt.»

Mit seiner Projektarbeit hat Michael nicht zuletzt auch eine erste Basis gelegt für seine Berufsausrichtung. Er will im Tiefbau arbeiten. Seine Lehrstelle dazu hat er bereits in der Tasche. Im August beginnt er seine Lehre bei Wälter Willa in Affoltern.

Biografie über ein spannendes Leben

6620 Minuten, 110 Stunden plus drei Tage in Wien bei der Grossmutter – so viel Zeit hat Vincent Graef für seine Projektarbeit aufgewendet. Von Januar bis Juni hat er eine Biografie von 150 Seiten geschrieben: «Das Leben von Alois ­Jalkotzky (1892–1987)». «Mein Urgrossvater war eine sehr spezielle Person», erzählt der Sekschüler aus Rifferswil. «Er hat ein unglaublich spannendes ­Leben geführt. Unter anderem war er in beiden Weltkriegen und hat diese auch überlebt. Auf diese Erlebnisse in den beiden Kriegen habe ich den Fokus in der Biografie gelegt.» Darin schildert Vincent, wie sein Urgrossvater im Ersten Weltkrieg in der österreich-ungarischen Armee kämpfte, wie er 1916 in russische Kriegsgefangenschaft geriet, von wo er sich 1918 aus der hintersten Ecke der Sowjetunion quer durch ganz Asien über 10500 Kilometer zurück nach Wien kämpfte. Unter den Nazis verlor er, der der SPD angehörte, aus politischen Gründen seine Stelle als Lehrer und musste sich als Versicherungsmann durchschlagen. Gegen Schluss des Zweiten Weltkriegs wurde er als 53-Jähriger in den Volkssturm eingezogen, wo er auf dem Weg zur Ostfront erneut in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Aus dem Gefangenenlager kämpfte er sich, von Typhus befallen und auf 45 Kilo abgemagert, erneut bis nach Wien durch.

All dies hat die Grossmutter in Wien, die Tochter von Alois Jalkotzky, ihrem Enkel Vincent Graef erzählt und ihm die vielen Aufzeichnungen, die ihr Vater von seinem Leben hinterlassen hat, mitgegeben. Danach hat Vincent die Biografie geschrieben. «Den ganzen Mai hindurch bin ich jeden Morgen um 5 Uhr aufgestanden und habe am Buch geschrieben», erzählt der Sekschüler aus Rifferswil. «Am Anfang hatte ich Mühe mit Schreiben, doch danach bin ich in einen Flow geraten.» Die Biografie, mit vielen Fotos und Karten angereichert und perfekt aufgemacht, hat er in 20-facher Ausführung drucken lassen. «Ich bin unglaublich zufrieden mit dem End­produkt. Die investierte Zeit hat sich allemal gelohnt», ist ­Vincent überzeugt. Die Projektarbeit ist auch für ihn schon eine Art Vorbereitung auf seine künftige Laufbahn. Denn nach dem Gymnasium möchte er ­Geschichte studieren.

Bewertung statt Noten

Der Geschichte des Velos ab dem ersten Modell von 1817 bis heute sowie dem Werdegang ihres Bruders Timo auf ­seinem Weg zur professionellen Rennsportkarriere hat Leonie Müller ihre Projektarbeit gewidmet. Unter dem Titel «Vom Dreirad zum Spitzensport» hat die Mettmenstetterin ein 25-seitiges ­Dossier verfasst sowie ein Video gedreht. Sie fotografiert sehr gerne und konnte diese Leidenschaft einsetzen, als sie ihren Bruder in seinem Alltag, bei seinen ­Trainings und in den Rennen fotografierte und filmte.

Entstanden ist ein virtuoser Videoclip. Bei der Projektarbeit machte ihr Corona einen Strich durch die Rechnung, da sie geplante Filmarbeiten in der Toskana nicht realisieren konnte. Zwischendurch ging Leonie die Motivation etwas verloren, da sie in der Coronakrise immer zu Hause arbeiten ­musste. «Aber ich habe es durchgezogen», wie sie festhält. Sie ist zufrieden mit ihrer Arbeit und hat beim Schneiden des ­Videos und beim Schreiben viel gelernt, etwa auch, dass sie bei einem nächsten Mal eine ausführlichere Planung machen würde.

Wegen der Coronakrise konnten eine Reihe von Abschlussarbeiten in diesem Jahr nicht realisiert werden, da das dafür notwendige Material wegen der Schliessung aller Geschäft nicht erhältlich war. Auch werden in diesem Jahr keine Noten verteilt, doch erhalten die Sekschülerinnen und -schüler von ihren Lehrkräften mündliche Rückmeldungen. Und es wird in diesem Jahr auch keine Ausstellung der Arbeiten stattfinden, an denen die Eltern die Werke ihrer Kinder ansehen und bestaunen können.