Serie
13.07.2020

Geheimtipps für idyllische und romantische Ausflüge

Zwei rüstige Rentner schätzen die Ruhe: Fritz Armbruster (links) und Erich Häfliger (Bild Martin Mullis)

Zwei rüstige Rentner schätzen die Ruhe: Fritz Armbruster (links) und Erich Häfliger (Bild Martin Mullis)

Weniger bedeutet gerade in diesen Zeiten öfters mehr. Anstatt viele Stunden an entlegene Feriendestinationen zu fliegen, kann Entschleunigung und Einfachheit Balsam für die Seele bedeuten. Im Säuliamt finden sich dutzende Orte, um die Seele baumeln zu lassen.

Von: Martin Mullis

Meine Tipps für einige entspannte Stunden in der näheren Umgebung sollen keine Wander- oder Ausflugsvorschläge mit genauen Wegstunden, Verpflegungsorten und zu überwindenden Höhenmetern sein. Sie sollen vielmehr anregen, einige wenig oder gar nicht bekannte, dafür aber lauschige und romantische Orte im Bezirk Affoltern aufzusuchen und kennenzulernen. Dabei habe ich mich auf zwei der zahlreichen grösseren und kleinen Weiher und Tümpel im Säuliamt beschränkt. Das geografische Informationssystem des Kantons Zürich (GIS) führt mehr als ein Dutzend Kleinseen, Weiher, Teiche und Tümpel im Knonauer Amt auf. In diesem Bericht sind nur jene zwei Plätze an Gewässern beschrieben, die mich persönlich immer wieder faszinieren und die ich auch öfters und zu verschiedenen Zeiten besuche. Zu den flächenmässig grösseren Kleinseen gehören sicher die Ziegelweiher in Wettswil. Es sind dies der Fischbachweiher, der Fridgrabenweiher und der Sorweiher. Um die drei dicht mit Seerosen bedeckten Weiher mit einem eher gemütlichen Spaziergang zu umrunden, benötigt man knapp zwei Stunden. Beim Bahnhof Bonstetten/Wettswil Richtung Wettswil führt ein Kiesweg links auf den Fridgrabenweg. Bereits nach wenigen Metern ist die mit Efeu überwachsene ehemalige Seilbahn­station zu bestaunen.

Zwei ältere Herren auf einem schmalen Steg

Neben dem Kiesweg entlang dem schmalen Kanal Fridgraben, sitzen auf einer Bank zwei rüstige Rentner. Erich ­Häfliger (72) und Fritz Armbruster (77), beide von Wettswil, sind eigentliche Fans der Ziegelweiher und behaupten hier mindestens dreimal in der Woche ausgiebige Spaziergänge zu unternehmen. Zum Entsetzen der Begleiterin des Fotografen steigen sie gerne auf den schmalen Steg, um auch wirklich im besten Bild in der Zeitung zu erscheinen. Ein weiterer Fan der Ziegelweiher schiebt einen Kinderwagen vor sich her. Der 72-jährige Dozent Jürg Hedinger aus Bonstetten benützt die flachen Wege regelmässig für Ausflüge mit seiner noch sehr jungen Enkelin. Links und rechts der breiten Talebene sind die Moränenhügel stumme Zeugen des früheren eiszeitlichen Gletschersees, welcher im Laufe der Zeit zu einem Moor verlandete. Wenn auch der zweistündige Rundgang nicht unbedingt müde Beine verursacht, so dürften die Sinne auf angenehme Art beansprucht werden. Riesige Seerosenteppiche, die Beobachtung der Enten, Fische und seltenen Pflanzen sowie die vielfachen Vogelstimmen lassen die Tatsache vergessen, dass wir uns keineswegs in irgendeinem weit entfernten Naturpark befinden, die S-Bahn fährt immerhin im Viertelstundentakt vor unseren Augen zwischen den beiden grossen Weihern durch.

Wildromantische und mystische Stimmung

Ein weiteres Juwel bietet in Hedingen ruhesuchenden, verliebten und verträumten Personen einen idealen Platz. Am Ende der Maienbrunnenstrasse, zwischen dem Hofibach und der Andresenweiherstrasse, liegt das kleine Naturschutzgebiet Höfimoos. Sträucher, Bäume und Gebüsche bilden einen natürlichen Torbogen zur gemütlichen Bank vor dem Wasser. Am späteren Sommerabend verursacht die sinkende Sonne mit ihren Strahlen durch das lockere Baumdach ein mystisches Blitzgewitter. Die Szenerie bietet eine wildromantische Stimmung und wer sich das erste Mal an diesem Ort befindet, glaubt nicht, sich nur einen Katzensprung neben einer Industriezone zu befinden. Mit wenig Fantasie wähnt man sich in einem tropischen Urwald. Die unbeschreibliche und fast sakrale Stimmung wird durch Vogelgezwitscher und das gelegentliche Blubbern des Wassers verstärkt. Rund um das pittoreske Gewässer führt ein schmaler und fast überwachsener Trampelpfad und bietet Erstaunliches. Im mit einem Algenteppich belegten Brackwasser bewegen sich knapp unter der Wasseroberfläche ruhig schwimmend mehrere bis zu einem Meter grosse Karpfen. Ein junges, verliebtes Paar, das weder ihren Namen noch ihr Bild in der Zeitung sehen möchte, stimmt der Auffassung vollumfänglich zu: Der Andresenweiher ist eine Quelle der Inspiration und Genügsamkeit.