Bezirk Affoltern
06.08.2020

Affoltern - die Apfelgemeinden

Affoltern am Albis.

Affoltern am Albis.

Die Wappen der drei Gemeinden Affoltern am Albis, Zürich Affoltern sowie Affoltern im Emmental haben eine lange Vorgeschichte. Ihr heutiges Aussehen wurde im 20. Jahr­hundert festgelegt.

Von: Stefan Schneiter

Der Name Affoltern leitet sich vom althochdeutschen Gattungswort apholtra, affaltra (= «Apfelbaum») her. Afoltrun bedeutet «bei den Apfelbäumen». Das Dorf Affoltern am Albis wird 1190 unter dem Namen «Afiltre» erstmals urkundlich erwähnt in einem Verzeichnis von Besitzrechten des Klosters Engelberg.

Die Ursprünge des Wappens gehen auf das ritterliche Geschlecht «von Affoltern» zurück, eine im 13./14. Jahrhundert dem niederen Adel angehörende Familie. Erwähnt wird das Wappen erstmals im 15. Jahrhundert, von Gerold Edlibach, einem Ratsherrn der Stadt ­Zürich und Chronisten. Dieser stellte 1493 ein Wappenbuch zusammen und gibt darin einen Baum an als Abzeichen des niederen Freiamtes, zu dem Affoltern am Albis gehörte. Auf der Karte «Von dem Zürichgau» von Jos Murer aus dem Jahre 1566 ist das Wappen mit ­einem Baum und einem Mauermuster zu finden. Doch der Baum trägt darauf noch keine Früchte. Um 1837, als Affoltern Bezirkshauptort wurde, führte man als Gemeindezeichen einen auf grünem Grund stehenden ganzen Apfelbaum mit zwei Äpfeln ein.

Zwischen 1926 und 1936 legte im Kanton Zürich eine Gemeindewappenkommission der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich die Wappen der 179 Zürcher Gemeinden fest. Für Affoltern am Albis schlug sie das Wappen der Adelsfamilie von Affoltern als Gemeindewappen vor. Dieses führte einen Zweig ohne Früchte, doch aufgrund historischer Quellen deutete die Kommission diesen als Apfelzweig. Und da der Apfelbaum schon das Zeichen der in Emmental ansässigen Herren von Affoltern war, entschied sich die Wappenkommission gegen eine solche Variante.

So kam Affoltern am Albis zu seinem heutigen Stadtwappen mit einem in der Mitte gespaltenen Schild. Die linke Hälfte zeigt einen grünen Apfelzweig mit drei roten Äpfeln, die rechte Hälfte bildet ein Mauermuster in weiss und schwarz. Affoltern trägt bis heute die Äpfel zu Recht in seinem Gemeindewappen. Stehen doch auf seinem Gemeindegebiet nach wie vor rund 600 Apfelbäume – in früheren Zeiten waren es gar zehnmal mehr.

Identische Wappenhälfte

Auffallend ist die grosse Ähnlichkeit – zumindest zur Hälfte – des Wappens von Zürich-Affoltern mit demjenigen von Affoltern am Albis. Die linke Wappenhälfte mit dem grünen Apfelzweig und drei roten Früchten ist identisch. Der Apfelzweig deutet wie im Fall von Affoltern am Albis auf den Ortsnamen hin. Die erste Erwähnung von Zürich Affoltern stammt aus dem 9. Jahrhundert. Ein Zinsrodel des Klosters St. Gallen, vermerkt den Besitz der Höfe Affaltrahe, Affaltra, Affoltera und Affaltron.

Die rechte Hälfte mit dem goldenen Stern bezieht sich auf das Kloster Wettingen, das in der Gemeinde Grundbesitz und Zehntenrechte hatte. Das Wappen in der heutigen Form wurde 1931 von der Gemeindewappenkommission neu geschaffen. 1934 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Affoltern der Stadt Zürich eingemeindet. Heute bildet sie mit Oerlikon und Seebach zusammen den Stadtkreis 11.

Apfelbaum ohne Grund

Beim dritten Affoltern in der Schweiz, dem im bernischen Emmental, tritt der Name 1146 erstmals in Erscheinung, ebenfalls abgeleitet von den althochdeutschen apholtra oder affaltra. 1244 ist der Name als Herkunftsangabe eines Edelmanns bezeugt: Wernherus nobilis de Affoltrei. Dieser Ritter Werner von Affoltern bei Trachselwald, das im Emmental zwischen Burgdorf und Langnau liegt, führte in seinem Siegel einen Apfelbaum, der indes aus heutiger Sicht eher wie eine Palme mit Apfelfrüchten anmutet. In einer modernisierten Form ist das Wappen seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert bekannt. Als Gemeindewappen von Affoltern im Emmental wurde es 1945 festgelegt. Im Gegensatz zu den beiden zürcherischen Affoltern zeigt es nicht nur Apfelbaumzweige, sondern einen grünen Apfelbaum mit roten Früchten, der allerdings nicht auf festem Grund, sondern ungeerdet dasteht.