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15.10.2020

Beim Ämtler Baugewerbe herrscht (noch) Zuversicht

Um- und Anbauten, wie hier in Obfelden, gehören auch zum Geschäft 
der Freimann Bau AG. (Bild Werner Schneiter)

Um- und Anbauten, wie hier in Obfelden, gehören auch zum Geschäft

Dass insbesondere der Hochbau im dritten Quartal 2020 an Schwung verloren hat, trifft das Bau­gewerbe im Säuliamt weniger: Im Bereich Umbau/Renovationen ist die Auftragslage weiterhin gut.

Von: Werner Schneiter

Gemäss dem Bauindex für das dritte Quartal zeichnet sich ab, dass beim Bauhauptgewerbe in der Schweiz die 20-Milliarden-Schwelle nicht erreicht wird – erstmals seit 2016. Als Gründe werden der konjunkturelle Einbruch, die damit verbundene Unsicherheit sowie durch Corona verschärfte Regeln genannt. Eine Korrektur sei aber überfällig. Bereits hätten Wirtschafts- und Mietwohnungsbau Niveaus erreicht, die gemessen an der Nutzernachfrage auf Immobilienmärkten nicht mehr nachhaltig gewesen seien, heisst es in einer Medienmitteilung. Drohe aber kein weiterer Shutdown und setze sich die graduelle wirtschaftliche Erholung fort, dürfe in den kommenden Quartalen mit einer «Bodenbildung» gerechnet werden – insbesondere dank des Tiefbaus. Auch der Hochbau scheine sich nach dem Rückschlag im Frühjahr wieder zu erholen, heisst es weiter.

Zentralschweizer Unternehmen drängen ins Säuliamt

Die langfristige Planung sei jedoch schwierig, sagt Dieter Greber, CEO der Leuthard AG, Bau- und Immobiliendienstleister. Nach seinen Worten befindet sich der öffentliche Bau noch «auf Kurs», aber später, wenn Steuereinnahmen zurückgehen, sieht das anders aus. Beim privaten Wohnungsbau in der ­Agglomeration sieht Greber im Moment nicht schwarz. «Man zieht eine Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung in Affoltern eher einer solchen in der Stadt Zürich vor», hält er auch mit Blick auf Covid-19 fest. Allerdings stellt er fest, dass vermehrt Firmen aus der Zentralschweiz auf Säuliämtler Boden drängen und den Preiskampf anheizen. «In Luzern beispielsweise sind Hunderte von Neuwohnungen entstanden. Dort dürfte der Markt gesättigt sein.»

Insgesamt gehe das Bauvolumen in der Schweiz zurück; langfristige ­Planung sei schwierig, und es gebe Firmen, die Kapazitäten reduzierten, sagt Dieter Greber. Bei Leuthard, wo knapp 300 Mitarbeitende beschäftigt werden, sei Personalabbau indessen kein Thema – auch dank breitem Angebot des 100-jährigen Unternehmens. Es reicht vom Hoch-, Strassen- und Tiefbau über Beton­instandsetzung, Modernisierung, Fassaden, Baumanagement bis zur ­Immobilienbewirtschaftung.

Kaum Neubauten

Die vom «Anzeiger» befragten Bauunternehmungen im Bezirk Affoltern sind mit der gegenwärtigen Auftragslage grossmehrheitlich zufrieden. Sie konzentrieren sich in aller Regel auf Umbau und Renovationen. So auch die Freimann Bau AG, die seit 2013 auch in Mettmenstetten domiziliert ist. Neubauten bilden hier den kleineren Bereich, Umbauten stehen an erster Stelle. Die Firma setzt hier auch als Generalunternehmerin kleinere Projekte um – ausschliesslich im Privatkundenbereich. «Da sind solche Gesamtdienstleistungen stärker gefragt. Für uns ist das hohe Wertschöpfung, und der Kunde erhält ein gutes Produkt mit klarem Preis», sagt Roman Freimann, der die Firma in zweiter Generation mit seinem Bruder Philipp führt. Auch für 2021 sind die Aussichten für Freimann nicht schlecht.

«Wir können uns nicht beklagen. Wir haben viele kleinere Arbeiten – Kundenbüez», sagt Andri Oertli, Geschäftsführer und Inhaber der Halbeis AG in Hedingen, die im Schnitt vier Mitarbeitende beschäftigt. Vorwiegend sind es Umbauten, etwa Badezimmer oder Küchen, aber auch Aufstockungen – Neubauten sind schon lange kein Thema mehr.

Auch David Häberling, Inhaber der gleichnamigen Obfelder Baufirma hat keinen Grund zu klagen. Im Bereich Umbauten/Renovationen verzeichnet die Firma gegenüber anderen Jahren sogar ein Plus. «Offenbar sind die Leute mehr zu Hause und machen sich stärker Gedanken über eine Renovation oder einen Umbau», vermutet Häberling, der hauptsächlich im Bezirk tätig ist.

Kleinaufträge bilden auch bei ­Werner Imhof in Affoltern das Gros. Sein Angebot reicht vom Betonrückbau, Kernbohrungen, Sprengungen bis zum Betonbohren und -schneiden sowie Baumeisterarbeiten beim Liftumbau. Auch kleine Neubauten gehören zum Angebot. Vieles sei heute kurzfristig, will heissen: Auftrag – und sofort beginnen, so Werner Imhof, der mit der Auftragslage zufrieden ist.

Für 2021 herrscht auch bei Mario De Luigi Zuversicht – dank zahlreicher Offerten, aber auch Aufträgen. Er hat die Affoltemer Bauunternehmung 2017 übernommen und bietet eine recht breite Palette, darunter Kundenmaurer- und Plattenleger-Arbeiten. Auch wenn immer wieder einmal ein Neubau Tatsache wird, ist De Luigi vorwiegend im Umbau- und Renovationssektor tätig.

Im Moment sieht es auch bei René Ammann, Inhaber des Malergeschäfts Theo Fischer GmbH in Affoltern, gut aus – zumindest bis Ende Jahr ist die Firma ausgelastet. Für die Zukunft setzt er indessen ein Fragezeichen. Er betreibt auch in Aegeri und Sarnen Geschäfte und sieht dort, wo sich Renovationen und Neubauten etwa die Waage halten, weniger Probleme als im Amt. ­«Konjunkturschwankungen sind im Kanton Zürich schneller spürbar», sagt ­Ammann, der insgesamt 20 Mitarbeitende beschäftigt und Präsident des Gewerbevereins Affoltern ist.