26.10.2020

Der Spatenstich muss warten

Auf den Saisonstart 2021 hätte das neue Betriebsgebäude eingeweiht werden sollen. Daraus wird nichts. (Visualisierung zvg.)

Auf den Saisonstart 2021 hätte das neue Betriebsgebäude eingeweiht werden sollen. Daraus wird nichts. (Visualisierung zvg.)

Im Februar 2020 haben die Hausemerinnen und Hausemer einen Kredit über 2,3 Millionen für ein neues Betriebsgebäude am Türlersee bewilligt. Anfang Oktober hätten die Bauarbeiten starten sollen. Nun kann das Projekt nicht termingerecht realisiert werden. Im Haustechnikbereich ist es offenbar zu Fehlplanungen gekommen.

Von: Livia Häberling

Man habe sich schon gewundert, ist aus Kreisen von Türlersee-Liebhabern zu vernehmen: Warum reinigt das Pächter-Paar des Camping-Restaurants nach Saisonende die Imbiss-Küche, wenn diese ein paar Tage später abgerissen wird?

Gewissheit brachte der Verhandlungsbericht des Gemeinderats Hausen («Anzeiger» vom 9. Oktober). Dort war zu lesen, dass der Baustart des Projekts um ein Jahr verschoben wird – auf Herbst 2021. Damit bleibt das bestehende Gebäude eine weitere Saison in Betrieb, und der Neubau wird nicht wie geplant zum Saisonstart 2021 eingeweiht, sondern ein Jahr später.

Als Grund für die Verzögerung schrieb der Gemeinderat, eine «falsche Kapazitätsberechnung im Haustechnikbereich» durch ein externes Planungsbüro habe «mehrere Folgeanpassungen» nach sich gezogen und habe «grundlegende Aspekte der Gesamtplanung nochmals infrage gestellt.»

Lüftungsaggregat und Abwasser-Pumpschacht falsch berechnet 
Auf Nachfrage führt Gemeindeschreiber Christoph Rohner die Gründe für die Verzögerungen näher aus: «Im Bereich der Haustechnik ist es vonseiten des beauftragen Fachplaners zu falschen Berechnungen gekommen.» Das Büro sei im November 2019 verpflichtet worden und habe im Winter erste grobe Planungsarbeiten ausgeführt. Im Frühjahr, nach der Gutheissung des Kredits, hätte es das Detailprojekt ausarbeiten sollen. Das Gesamtvolumen des Auftrags habe 42500 Franken betragen. Die Unterlagen zum Ausführungsprojekt seien jedoch nicht termingerecht und mit Mängeln abgeliefert worden, sagt Rohner. Nach erfolgter Vergabe der entsprechenden Arbeiten hätten die ausführenden Unternehmen zurückgemeldet, dass die Arbeiten gemäss Ausschreibung nicht umsetzbar seien. So sei beispielsweise das Lüftungsaggregat für die Küche zu klein berechnet worden. Mit der Folge, dass es nicht in den Technikraum passt und nun an einem anderen Ort platziert werden muss. Weiter sei auch der Pumpschacht für das Abwasser zu knapp berechnet worden, genauso wie 
die Wärmepumpenanlage und die Speicher der Warmwasseraufbereitung, so Christoph Rohner.

Besonders unglücklich sei, dass die Planungsfehler erst kurz vor Baustart entdeckt worden seien. Roos Architekten habe den Gemeinderat am 17. September informiert, dass der planmässige Baustart in Gefahr sei. Weil das Zeitfenster für die Bauphase – Anfang Oktober bis Ende März – sowieso schon knapp bemessen gewesen sei, habe man sich entschieden, das Projekt um ein Jahr zu verschieben. Damit habe man das «mildere Übel» gewählt, sagt ­Christoph Rohner: «Wir wollten nicht riskieren, dass die Pächter zum Saisonstart hin kein fertiges Gebäude haben.» 

«Anschuldigungen, die nicht den Tatsachen entsprechen» 
Der Inhaber des Planungsbüros weist die Vorwürfe von sich. Er sieht sich mit Anschuldigungen konfrontiert, die «nicht den Tatsachen entsprechen». Tatsächlich habe man sich über Monate mit dem Team von Roos Architekten –  über die laufende Planung ausgetauscht. Die Pläne habe man noch vor den Sommerferien abgeliefert. Seither habe man von Roos Architekten nichts mehr gehört. 

Thorsten Arzet, Projektleiter bei Roos Architekten, bestätigt, dass man mit dem Fachplaner im Frühjahr und Sommer in intensivem Kontakt gestanden habe. Diese enge Begleitung habe sich aus Qualitätsgründen als notwendig erwiesen: Zum einen hätten die Pläne zunächst am ursprünglich vereinbarten Ausschreibungstermin im April nicht vorgelegen, zum anderen seien die gesamten Ausschreibungsgrundlagen dann offenbar derart mangelhaft gewesen, dass mehrere zur Offertstellung eingeladene Unternehmen darauf verzichtet hätten, überhaupt eine Offerte für die Ausführung der Arbeiten einzureichen. Die Folgekosten, die die Projektanpassungen und die Bauverzögerung nach sich ziehen, seien noch nicht bezifferbar, erklärt Christoph Rohner.

Man werde nun versuchen, die zusätzlich entstehenden Kosten durch anderweitige Einsparungen zu kompensieren, um den Kreditrahmen von 2,3 Millionen einhalten zu können. Sollte das nicht gelingen, müsse beim Hausemer Stimmvolk notfalls ein Nachtragskredit beantragt werden. Ein finanzieller  Schaden dürfte ausserdem den gebuchten und wiederum nicht benötigten Handwerkern entstanden sein. Genauso wie den Pächtern, die ihr altes Betriebsgebäude eine Woche früher geräumt haben. Diese konkreten finanziellen Auswirkungen seien zwar noch nicht beziffert, und grundsätzlich habe die Gemeinde eine Schadenminderungspflicht. Sollten jedoch Schäden entstanden sein, werde die Gemeinde versuchen, diese auf den Fachplaner abzuwälzen, sagt Christoph Rohner. So werde daraus wohl ein Fall für die Versicherung.