Bezirk Affoltern
04.01.2021

Wegwerfgesellschaft oder Kreislaufwirtschaft

Entsorgen befreit: Hochbetrieb auf dem Öki-Hof der Firma Schmid AG in Affoltern. (Bild Martin Mullis)

Entsorgen befreit: Hochbetrieb auf dem Öki-Hof der Firma Schmid AG in Affoltern. (Bild Martin Mullis)

Nach den Weihnachts- und Silvesterfeiertagen wird entsorgt. Neben Verpackungspapier und Füllmaterial herrscht vor allem beim Karton grosser Überfluss. Die Entsorgung des Altglases schliesslich erreicht nach ­Silvester einen Jahreshöhepunkt.

Von: Martin Mullis

Das liebevoll ausgewählte weihnächtliche Papier und die sorgfältig ausgesuchte Verpackung, geniessen bei den Weihnachtsgeschenken meistens nur sehr kurze Zeit die gebührende Aufmerksamkeit. Auf dem Öki-Hof der Schmid AG herrschte bereits am letzten Mittwoch Hochbetrieb. Das Personal empfängt die Autos mit den vollgestopften Kofferräumen und beladenen Hintersitze freundlich und versucht, ein bisschen Ordnung in das herrschende Gewirr zu bringen.

Wer sein Fahrzeug abgestellt hat, beginnt unverzüglich seine ungeliebte Fracht in die entsprechenden Container zu stopfen. In die Behälter für Verpackungspapier und Karton, werden das ausgediente Verpackungsmaterial sowie die unzähligen Kilometer Gold- und Silberbänder gestopft. Weder die aufgemalten Goldengel noch die Tannzapfen und schon gar nicht die gedruckten Christbaumkugeln werden beachtet.

Brauchbar ist das edle Packpapier ohnehin nicht mehr. Personen, welche ihre Weihnachtsgeschenke sorgfältig auspacken, um das Weihnachtspapier später wieder verwenden zu können, dürften zu einer beinahe ausgestorbenen Spezies gehören. Auf dem nassen Fussboden liegt ein A4-Blatt mit einer Farbzeichnung, welche gemäss den krakeligen Buchstaben als ein herzlicher Gruss an die Oma ­gedacht war. Wer die nach der Entsorgung wegfahrenden Personen beobachtet, stellt – wenig überraschend – eindeutig zufriedene Gesichter fest.

Loslassen ist aus psychologischer Sicht Befreiung

Überflüssiges und Unbrauchbares loszulassen gilt aus psychologischer Sicht als Befreiung. Nach dem letzten Tag des Jahres werden die Altglassammelstellen in den Gemeinden ebenfalls sehr gut besucht. Ein jüngerer Mann, der von einem Kollegen begleitet wird, hievt drei prallvolle Körbe mit leeren Flaschen aus dem Kofferraum. Der neben der Sammelstelle stehende «Anzeiger-Smart» und mein Fotoapparat animieren ihn zu einer Erklärung. Lachend hält er fest, dass mindestens die Hälfte der leeren Flaschen vom Silvester 2019 stammen. Sein Kumpel grinst ebenfalls, greift in den Korb und zeigt eine leere Rotweinflasche, in der einst eine ziemlich lange Zeit ein edler Tropfen gereift war. «Das war für uns auch so etwas wie eine ­Corona-Medizin», erklärt er und fügt noch dazu: «Auf Empfehlung des BAG haben wir uns stets mit ausgestreckten Armen zugeprostet und damit den empfohlenen Abstand eingehalten.»

Immer öfter ist im Säuliamt auch noch eine weitere Methode der Entsorgung von Gegenständen, welche nicht mehr gebraucht werden, zu beobachten. Vor Haustüren, oder auf Vorplätzen sind meistens noch guterhaltene Objekte, zum «gratis Mitnehmen» ausgestellt. Skischuhe, Vasen, ein Teeservice, Nippes und Bücher sowie viele andere Dinge werden so angepriesen. Es gibt sogar eigentliche Jäger und Sammler, welche diese kleinen Selbstbedienungsläden aktiv suchen. Sie kurven durch die ­Dörfer immer auf der Jagd nach Kostbarkeiten.