07.01.2021

Das «Seewadel» ist bald Geschichte

Von links: «Seewadel»-Geschäftsleiterin Verena Feller, die Stadträtinnen Eliane Studer Kilchenmann und Claudia Ledermann sowie Stadtpräsident Clemens Grötsch vor dem Grundstein des «Seewadel»-Gebäudes. (Bild Livia Häberling)

Von links: «Seewadel»-Geschäftsleiterin Verena Feller, die Stadträtinnen Eliane Studer Kilchenmann und Claudia Ledermann sowie Stadtpräsident Clemens Grötsch vor dem Grundstein des «Seewadel»-Gebäudes. (Bild Livia Häberling)

Während 46 Jahren bot das Altersheim Seewadel zahlreichen Bewohnerinnen und Bewohnern ein Zuhause. Seit Mitte Dezember steht es leer. Nun wird der einstige Vorzeige-Bau für den Abriss vorbereitet.

Von: Livia Häberling

Am 14. Dezember löschte Verena Feller abends das Licht. Die Bewohnerinnen und Bewohner waren in die neuen Zimmer auf dem Giessenareal eingezogen, alles, was man im Provisorium brauchte, hatte man eingepackt, transportiert und dort wieder ausgepackt. Tische und Stühle zum Beispiel, persönliche Habseligkeiten oder einen Teil der Küchengeräte. Nun war es das. Im «Seewadel» schloss sich an diesem Abend das letzte Kapitel einer 46-jährigen Geschichte.

Begonnen hatte diese offiziell am Samstag, 24. August 1974. «Jetzt erhebt sich in Affoltern a.A. der stolze Bau, der auch seine Bewohnerinnen und Bewohner mit Stolz erfüllt», heisst es im ­«Anzeiger» vom Vortag, in dem die bevorstehende Eröffnung auf fünf Seiten zelebriert wurde. «Irgendwie spüren sie, dass sie nicht lange Jahre gelebt haben, um dann mehr oder weniger sanft beiseitegeschoben zu werden.»

Um ihnen, also den künftigen Bewohnerinnen und Bewohnern, ein Leben in einer altersgerechten Umgebung zu ermöglichen, bewilligte die Gemeindeversammlung zunächst einen Kredit für das Vorprojekt über 202000 Franken, Projektverfasser war der Architekt Karl Fleig. Erfreulicherweise, so liest man, seien die Stimmberechtigten «bei der Stange geblieben», sodass sie im Dezember 1971 einen Kredit von 8005000 Franken bewilligten. Am 12. Juni 1972 begannen die Bauarbeiten, Mitte September legte man den Grundstein, und bereits im Mai 1974 konnten im neuen gemeindeeigenen Alterswohnheim die ersten «Pensionäre» aufgenommen werden.

Karl Fleig, dem Architekten des Baus, war es damals wichtig, «dass das Individuelle für jeden der Pensionäre nach den gegebenen Möglichkeiten noch zur Geltung kommen soll». In seinem Bericht, den er zur Einweihung verfasst hatte, hob er die Einzelzimmer hervor, die «jeder Pensionär mit seinen eigenen Möbeln gestalten kann», sowie die «Minigärten» vor jeder Fenstertüre, also die Blumenkistchen, die es ermöglichten, «seine eigene Privatsphäre auch nach aussen hin zu zeigen». 

Das Café Seewadel, das seinen Namen aus einem Wettbewerb unter den Bewohnerinnen und Bewohnern erhalten hat, wird im Eröffnungsartikel ebenfalls erwähnt. Ihm komme «eine über die Befriedigung kleiner Gelüste hinausgehende Bedeutung» zu. Das Café war zunächst nur für die Hausbewohner und deren Gäste geöffnet, auf vielfachen Wunsch wurde es dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Den Anstoss dazu gab «das Interesse aus dem Kreis berufstätiger Frauen», die sich «einen ruhigen und gemütlichen Erfrischungsraum zur Verbringung der Mittags­pause» wünschten. Bis heute ist das Café des  «Seewadel» auch für externe Gäste geöffnet. Unterdessen heisst es «Bistro» und befindet sich an der Giessenstrasse. Coronabedingt wird derzeit nur ein 
Take-Away-Service angeboten.

Die Zeitkapsel macht sich rar
Auf dem «Seewadel»-Areal sind am Dienstagmorgen des 15. Dezember die Bauarbeiter vorgefahren. Derzeit wird das Gebäude entkernt, also für den Abriss vorbereitet. Dabei werden alle Materialien und Installationen bis auf die Grundmauern entfernt. Weil der «Seewadel»-Bau mit Schadstoffen belastet ist, muss das vor dem Abriss gemacht werden. Sobald diese Arbeiten erledigt sind, wird das Gebäude abgerissen. Bis Mitte März sollte dann die Baugrube für den Neubau «Papillon» stehen.
«Das erklärte Ziel ist es, dass die Bewohnerinnen und Bewohner 2022 im neuen Haus Weihnachten feiern können», sagt Eliane Studer Kilchenmann, Vorsteherin des Ressorts Immobilien.  Dazu sei geplant, dass der Rohbau bis in einem Jahr stehe, damit für den Innenausbau genug Zeit bleibe.

Grundsätzlich, sagt sie, laufe auf der Baustelle alles rund ... doch da ist diese eine Sache. Vom damaligen Gemeindepräsidenten hat die Stadt erfahren, dass bei der Grundsteinlegung eine Zeitkapsel hinterlegt wurde. Diese zu finden, erwies sich bisher als kniffliges Unterfangen. Dort wo man sie vermutete, war sie jedenfalls nicht.