Bezirk Affoltern
25.02.2021

Ämtler Museen vor der Wiedereröffnung

Im Ortsmuseum in Maschwanden kann man den Alltag im Dorf im letzten und vorletzten Jahrhundert nachvollziehen.
Im Ortsmuseum Affoltern in Zwillikon bereitet Ursula Grob die Ausstellung zu den Zena-Sparschälern vor und inventarisiert die Sammlung der OVA. (Bilder Regula Zellweger)

Im Ortsmuseum in Maschwanden kann man den Alltag im Dorf im letzten und vorletzten Jahrhundert nachvollziehen.

Im Ortsmuseum in Maschwanden kann man den Alltag im Dorf im letzten und vorletzten Jahrhundert nachvollziehen.
Im Ortsmuseum Affoltern in Zwillikon bereitet Ursula Grob die Ausstellung zu den Zena-Sparschälern vor und inventarisiert die Sammlung der OVA. (Bilder Regula Zellweger)

Im Ortsmuseum Affoltern in Zwillikon bereitet Ursula Grob die Ausstellung zu den Zena-Sparschälern vor und inventarisiert die Sammlung der OVA. (Bilder Regula Zellweger)

Seit dem 22. Dezember 2020 sind die Museen geschlossen, am 13. Januar 2021 verlängerte der Bundesrat diese Regelung. Ab dem 1. März sollen Läden, Museen und Lesesäle von Bibliotheken wieder öffnen können. Wie reagieren die Ämtler Museen?

Von: Regula Zellweger

Ein geschlossenes Museum bedeutet nicht, dass es für die Verantwortlichen weniger zu tun gibt. Im Ortsmuseum Affoltern am Albis/Zwillikon wurde die Zeit rege genutzt, um mit einer neuen Ausstellung die Besucher wieder begrüssen zu können. Museumsarbeit bedeutet bei Weitem nicht nur das Kuratieren von Ausstellungen und das Organisieren von Führungen. Ursula Grob, Leiterin des Ortsmuseums in Zwillikon, braucht ­einen grossen Teil ihrer Arbeitszeit für Recherchen aufgrund von Anfragen, das Inventarisieren und das Aufarbeiten der Archive. Als langjährige Bibliothekarin will sie die Sammlung so organisiert haben, dass die Sammelobjekte sofort ­gefunden und Fragen umgehend beantwortet werden können. Dies bedingt, dass die Objekte fotografiert, beschrieben und nach einer bestimmten, praktisch anwendbaren Systematik gelagert werden.

Ortsmuseum Affoltern in Zwillikon

Die rund zehn Wochen, in denen das Museum geschlossen war, wurde der Aufenthaltsraum renoviert, konkret heisst das, Museumsmitarbeiter Hansruedi Huber griff zu Farbe und Pinsel und Ursula Grob nähte Vorhänge. Die Ausstellung zum Samariterverein wurde weggeräumt und mit Begeisterung kuratiert nun Ursula Grob die Ausstellung zur Firma Zena, bekannt durch die jahrzehntelang in Affoltern hergestellten Sparschäler. Das Unternehmen wurde an Victorinox verkauft – und damit ist Affoltern um die Produktion eines bekannten Schweizer Produktes ärmer.

Viel Freude bereitet auch die Aufarbeitung der Schenkung einer umfassenden Sammlung durch die OVA. So besitzt das Museum nun von beinahe allen je verkauften Produkten eine Etikette – es sind Hunderte!

Freundlicherweise bringen Leute auch immer wieder Objekte aus dem Privatbesitz ins Museum. Diese Neuzugänge werden inventarisiert. Wenn möglich werden die Objekte in die ­Dauerausstellung integriert. Eben befasst sich Ursula Grob mit drei Waagen, bei denen unterschiedliche Techniken zum Wägen zu erkennen sind.

Am 6. und 7. März 2021 können ­Interessierte neben der permanenten Ausstellung auch die drei Monate dauernde Ausstellung zu den Sparschälern – mit einem Film – besuchen. Die ­Öffnungszeiten des Museums sind zwar beschränkt, es besteht aber immer die Möglichkeit für individuelle Besuche auf Voranmeldung. Ursula Grob freut sich auf den wieder vermehrten direkten Kontakt mit Besuchern: «Vielleicht ist das Museum von aussen betrachtet nicht sehr attraktiv, aber im Inneren birgt es viele interessante Exponate und erstaunliche Geschichten, die wir je nach Interessen der Besucher auch gern erzählen.»

Dorfmuseum Maschwanden

Die Museumskommission hatte ­bereits vor der zweiten Museumsschliessung entschieden, das Museum neben den bekannten Öffnungszeiten zusätzlich jeweils einmal monatlich am Donnerstagmorgen für zwei Stunden zu öffnen. Lucia Zurbrügg und ihr Team freuen sich, am Donnerstag, 11. März, von 9 bis 11 Uhr erstmals in diesem Jahr die ­Türen zu öffnen. Die Museumsleiterin erklärt: «Wir möchten an diesen Vormittagen beispielsweise Eltern die Möglichkeit geben, einmal ohne Kinder das Museum zu erkunden. Die ältere Bevölkerung kann sich so regelmässig im Museum treffen und sich über frühere Zeiten austauschen.»

Gründe, dieses kleine, aber feine Museum zu besuchen, gibt es viele. Zu entdecken sind Werkzeuge, haus- und landwirtschaftliche Geräte, Fotos, Pläne und Zeichnungen der ehemaligen Burg, der Mühle/Säge und der Gerberei sowie Keramik und Ofenkacheln. Interessant sind Informationen zur mittelalterlichen Burg und dem Städtchen, zu den Reussverbauungen und dem Kiesabbau. Noch immer sehenswert ist die Wechselausstellung «Licht – einst und heute.»

Lucia Zurbrügg hofft, dass das Corona-Schutzkonzept im Museum bald ge­lockert werden kann: «So können ­beispielsweise die zahlreichen Dokumentationsordner wieder angeschaut werden. Erst dann macht es auch Sinn, wieder Anlässe und Aktivitäten im ­Museum zu planen.»

Sie weist bereits heute auf die nächste Wechselausstellung zum Thema Karten hin: Postkarten von Maschwanden, alte Glückwunschkarten und Landkarten – und ergänzt: «Wir freuen uns, wenn wir mit Material – als Schenkung ans Dorfmuseum oder als Leihgabe für die Wechselausstellung – unterstützt werden.»

Aumüli und Bergwerkmuseum Riedhof

In der Aumüli in Stallikon ist es im Winter klirrend kalt, deshalb ist das Museum generell von November bis März geschlossen. Müller Toni Amrein ist aber oft vor Ort und mahlt Getreide. Beliebt sind Dinkel und Emmer. Das Bio-Getreide wird möglichst aus der Region bezogen. Auf Anfrage kann Mehl vor Ort gekauft werden. Vereinspräsidentin Renate Wassmer kann sich vorstellen, dass in Zukunft das Mehlsortiment wie in einem Hofladen oder jeweils an einem Samstag im Monat direkt bezogen werden kann. Bisher sind noch keine Anlässe geplant, individuelle Führungen sind aber Corona-konform auf Anfrage möglich. Renate Wassmer freut sich ganz besonders, wenn Schulklassen die Aumüli wieder besuchen werden.

Noch abwarten mit Anlässen will man auch im Bergwerkmuseum Riedhof. Präsident Rainer Kündig schätzt die Bedingungen vor Ort als zu riskant ein: Es ist einerseits eng im Museum und in den Stollen, anderseits interessieren sich besonders ältere Menschen für die Geschichte des Bergwerks, in dem zuletzt von 1942 bis 1947 noch 31400 Tonnen Kohle abgebaut wurde.

Es gilt, betreffend Aktivitäten von Ämtler Museen einerseits Geduld zu üben, anderseits Augen und Ohren offen zu halten, damit man nichts verpasst und die Museen – sowie die Menschen, die sich dafür engagieren – die verdiente Wertschätzung erhalten.