Bezirk Affoltern
25.03.2021

Zunahme der Straftaten im Bezirk Affoltern

Die Spurensicherung ist bei grösseren Verbrechensfällen ein wichtiger Teil der Ermittlungsarbeit der Kriminal­polizei. (Bild Kriminalpolizei Zürich)

Die Spurensicherung ist bei grösseren Verbrechensfällen ein wichtiger Teil der Ermittlungsarbeit der Kriminal­polizei. (Bild Kriminalpolizei Zürich)

Die Corona-Pandemie zeigt auch Auswirkungen auf die Kriminalität im Kanton. Die Zahl der Diebstähle ist 2020 stark ­zurückgegangen, häusliche Gewalt, Raubstraftaten und Betrugsdelikte haben hingegen markant zugenommen. Und viele Delikte haben sich von der Stadt Zürich in den Bezirk Affoltern verlagert.

Von: Stefan Schneiter

Corona hat die Kriminalität von der Stadt Zürich hinaus in die Bezirke verlagert. Das spürt auch der Bezirk Affoltern. 105881 Straftaten wurden 2020 im ganzen Kanton Zürich begangen (+1,7 % gegenüber 2019). Die Zahl der Straftaten ging dabei in der Stadt Zürich um 5,5 % auf 46842 zurück. Im Bezirk Affoltern ist hingegen ein bedenklich stimmender Anstieg um ganze 16,7 % auf 2371 strafrechtlich verfolgte Delikte zu verzeichnen. Prozentual wird dieser Anstieg nur noch durch die beiden Bezirke Meilen (+24,5 %) und Horgen (+22 %) über­troffen.

«Die starke Beschränkung der Mobilität in der Bevölkerung und viele Veränderungen in den Lebensbedingungen führten zu einer örtlichen Umverteilung der Straftaten», konstatierte Christine Lentjes Meili, Chefin Kriminalpolizei bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2020 vor den Medien. In einzelnen ­Bezirken sei es zu eigentlichen Szenebildungen von kriminellen Tatpersonen gekommen. Deutlich mehr Delikte wurden in deren Wohngebieten statt an den Arbeits- und Ausgehorten – der Stadt Zürich – begangen, fügte Lentjes Meili an. So verzeichnet die polizeiliche Statistik für den Bezirk Affoltern für 2020 gegenüber 2019 einen Anstieg der Einbruch- und Einschleichdiebstähle von 2,7 auf 3,6 pro 1000 Einwohner (insgesamt 198 Fälle), derweil diese Zahl in der Stadt Zürich von 8,3 auf 7,1 zurückging.

Mehr häusliche Gewalt

Generell hat diese Kategorie von Straftaten gegen das Vermögen (Diebstahl aller Art, Raub, Veruntreuungen, Sachbeschädigungen, Betrug usw. ) um 191 Fälle (von 1111 auf 1302) oder 17,2 % zugenommen. In der Deliktskategorie «gegen die Freiheit» (Drohung, Nötigung, Freiheitsberaubung, Haus­friedensbruch) beträgt der Anstieg bei insgesamt 341 Delikten 21 %, die Vergehen gegen die sexuelle Integrität ­(sexuelle Nötigung, Handlungen mit Kindern, Vergewaltigung, Pornografie) stiegen von 45 auf 52. Die Zahl der Tötungsdelikte ging im vergangenen Jahr gegenüber 2019 von drei auf null zurück. Ganz generell sind die «Delikte gegen Leib und Leben» rückläufig, so etwa Tätlichkeiten (von 102 auf 91) oder Beteiligung an Schlägereien und körperliche Angriffe auf andere Menschen (von 32 auf 7).

Hingegen verzeichnete die Kantonspolizei im vergangenen Jahr kantonsweit mehr Einsätze wegen häuslicher Gewalt (+6 %) und Familienstreitigkeiten (+29 %). Das hat seinen Grund darin, dass als Folge der Pandemie gezwungenermassen viele Menschen mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbrachten. Die Polizei musste deswegen 2020 pro Tag 18-mal ausrücken, 2019 waren es «nur» rund 15-mal gewesen. Bei den Raubstraftaten war 2020 ein Plus von 16 % gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen, wobei in diesem Bereich der markante Anstieg an jugendlichen Beschuldigten (+74 %) auffällt. «Die Jugendlichen langweilen sich, kommen auf dumme Gedanken und verüben Delikte», meinte dazu Sicherheitsdirektor Mario Fehr vor den Medien.

«Ein sicherer Kanton»

Auch die Zahl der Betrugsdelikte nahm zu. Corona liefert auch hier wieder die Erklärung dazu. Der digitale Einkauf nahm stark zu und viele Betrugsfälle passierten durch fiktive Online-Platt­formen. Dafür sank die Zahl der Diebstähle um 13 %. Taschen- und Trickdiebstähle gingen gar um 37 % zurück. Auch diese Zahlen lassen sich mit Corona ­erklären, die 2020 zu einem laut Kripo-Chefin Lentjes Meili «untypischen Jahr» in Sachen Kriminalität machen. Social Distancing, geringere Mobilität und der Ausfall von Veranstaltungen hielten auch Diebe fern. Mit hineinspielen ­dürfte auch, dass professionelle Täterschaften aus dem Ausland weniger die Schweiz aufsuchen konnten.

Die Zahl aller Delikte (nach Straf­gesetzbuch, Betäubungsmittelgesetz und Ausländer- und Integrationgesetz AIG) ist 2020 leicht gesunken, um 0,9 %. Und trotz stetig steigender Bevölkerungszahl im Kanton Zürich ist die Zahl der Delikte (ohne AIG) seit sieben Jahren konstant unter 100000 geblieben. Somit konnte Mario Fehr konstatieren: «Zürich ist und bleibt ein sicherer Kanton.»