Bezirk Affoltern
25.03.2021

«Die Arbeit hier war meine Lebensaufgabe»

Gemeindeschreiber Bruno Hänni blickt mit Freude auf die vielen schönen Jahre in Rifferswil zurück. (Bild Marianne Voss)

Gemeindeschreiber Bruno Hänni blickt mit Freude auf die vielen schönen Jahre in Rifferswil zurück. (Bild Marianne Voss)

Nach fast 33 Jahren im Gemeindehaus Rifferswil ist heute der letzte Arbeitstag von Gemeindeschreiber Bruno Hänni. Im Interview berichtet er, was ihm besonders wichtig war, was sich im Dorf und in der Verwaltung verändert hat und wie er nun die freie Zeit gestalten möchte.

Von: Interview: Marianne Voss

Er war der letzte Gemeindeschreiber «der alten Schule» im Bezirk Affoltern. Während fast 33 Jahren wirkte Bruno Hänni im Rifferswiler Gemeindehaus. Heute ist sein letzter Arbeitstag, dann geht er in Pension. Er blickt mit Freude auf diese lange Zeit mit unzähligen schönen und bereichernden Kontakten zurück.

«Anzeiger»: Bruno Hänni, das letzte Jahr als Gemeindeschreiber von Rifferswil fiel in die Coronakrise. Wie haben Sie das ­erlebt?

Bruno Hänni: Um die Kontakte in der Verwaltung zu reduzieren, war auch ich ab und zu im Homeoffice. Corona ist zum Glück aber mehrheitlich an Riffers­wil vorbeigegangen.

Ein Abschiedsfest ist jetzt nicht möglich.

Nein, der Abschied wird im Moment im kleinen Rahmen stattfinden müssen.

Wie kam es vor fast 33 Jahren dazu, dass Sie in Rifferswil Gemeindeschreiber wurden?

Ich hatte eine Banklehre absolviert, bei der Polizei gearbeitet und schliesslich Interesse, im Verwaltungsbereich Erfahrungen zu sammeln. Das Inserat der Gemeinde Rifferswil machte mich neugierig. Ich bewarb mich um die Stelle und trat sie am 1. September 1988 an.

Was für eine Ausbildung brauchten Sie für den Job?

Ich besuchte einige Weiterbildungen, eignete mir aber viel Wissen selber an, im Sinne von learning by doing und anfänglich nicht selten im Austausch mit benachbarten Gemeindeschreiberkollegen.

Warum sind Sie fast 33 Jahre geblieben?

Ich war von Beginn an fasziniert von den vielfältigen Aufgaben, der grossen Selbstständigkeit und den Kontakten zur Bevölkerung. Die Zusammenarbeit mit den Gemeinderäten und den langjährigen Mitarbeiterinnen war bestimmt mit ein Grund.

Und jetzt lassen Sie sich ein wenig ­vorzeitig pensionieren.

Ja, auf meinen 64. Geburtstag hin höre ich nun auf.

Wer waren die Gemeindepräsidenten, mit denen Sie zusammenarbeiteten?

Das waren Armin Meier, Edi Hess, Köbi Geissbühler, Marcel Fuchs und jetzt Christoph Lüthi.

Sie erwähnten die Kontakte zur Bevölkerung. Was war Ihnen wichtig dabei?

Ich versuchte die Menschen und ihre Anliegen immer ins Zentrum meines Handelns zu stellen, ihnen zuzuhören. Neben den gesetzlichen Normen gibt es ja auch noch den gesunden Menschenverstand und das Dienstleistungsbewusstsein. Früher kamen die Leute vom Dorf öfter ins Gemeindehaus, wenn sie eine Auskunft brauchten. Ich war der, welcher die Begehren und Fragen entgegennahm. Dabei war es mir stets wichtig, möglichst einfache und direkte Wege einzuschlagen und zu verfolgen, um Lösungen zu finden oder darauf zu antworten. Es war für mich dann eine gewisse Genugtuung, wenn ich die Kundschaft so bedienen konnte, dass sie sich mit dem Resultat einverstanden erklären konnten und dafür bedankten.

Was hat sich verändert während dieser langen Zeit?

Das unbürokratische Vorgehen ist heute leider viel weniger einfach möglich als früher. Die Vorschriften sind zahlreicher und komplexer geworden. Trotz der Einführung von Computer und Software-Programmen ist der ­Administrativaufwand grösser und der Papierberg nicht kleiner geworden. Die Bedeutung der Gemeindeverwaltung hat sich verändert. Durch das Internet ist diese Anlaufstelle für die Dorfbevölkerung nicht mehr die einzige Möglichkeit, um sich zu informieren.

Welche Aufgaben lagen früher noch bei Ihnen, die inzwischen zentralisiert ­wurden?

Anfänglich war ich noch mehr der Generalist als heute. Aber genau das war – und ist – ja so spannend. Früher war ich auch Zivilstandsbeamter und habe Trauungen durchgeführt. Zudem war ich zuständig, wenn es um das Thema Vormundschaft oder Sozialfälle ging.

Wie hat sich das Dorf verändert?

Es ist von 650 auf 1150 Einwohnende angewachsen. Das aufgrund eines zwischenzeitlich gewaltigen Baubooms, der folglich in der Verwaltung ein Aufstocken des Personals nötig machte. Auch Rifferswil bekommt die Probleme manch einer Agglomerationsgemeinde zu spüren, wie beispielsweise den zunehmenden Motorfahrzeugverkehr.

Heute ist Ihr letzter Arbeitstag. Wie gehen Sie? Was nehmen Sie mit?

Ich nehme viele schöne und sehr persönliche Reaktionen zu meinem Abschied mit. Besser geht nicht. Das freut mich natürlich sehr. Das sind die wahren Geschenke. Ich habe ein gutes ­Gefühl bezüglich dem, was ich zurücklasse, und nehme im Rückblick auf die Zeit in Rifferswil farbenfrohe Bilder mit in den beruflichen Ruhestand. Ganz wichtig ist für mich: Ich bin überzeugt, dass meine Nachfolgerin mit dem ihr zur Seite stehenden Team ihre Arbeit gut machen wird – vielleicht da und dort anders; warum auch nicht.

Und wie geht es Ihnen persönlich?

In ein Loch werde ich sicher nicht fallen, falls Sie das meinen. Langeweile? Ich bin jetzt schon viel in der Natur unterwegs, treibe Sport und habe Enkel. Ich freue mich, mehr Zeit zu haben, um mit meiner Frau gemeinsamen Hobbys nachgehen zu können und mit ihr Reisen zu unternehmen; auf «sun and fun».