26.04.2021

Knonau verliert seine Dorfbäckerei

Andreas und Jutta Iten auf der Ruhestandbank vor der Bäckerei. (Bild Bruno Grob)

Andreas und Jutta Iten auf der Ruhestandbank vor der Bäckerei. (Bild Bruno Grob)

Während 67 Jahren hat Familie Iten die Bäckerei in Knonau betrieben. Am 30. April ist nun Schluss. Damit gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren, Auch ein Dorftreffpunkt verschwindet.

Von: Bruno Grob

Seit über 120 Jahren steht an der Oberdorfstrasse in Knonau eine Bäckerei. In vielen Schritten entstand damals aus dem ehemaligen Kuhstall nach und nach eine zeitgemässe Bäckerei, die 1954 vom Ehepaar Adolf und Berti Iten übernommen wurde. Alte Knonauer ­erinnern sich, wie Adolf Iten mit der Hutte am Rücken und dem Velo Vierpfünderbrote in die Aussenweiler ­Baaregg und Uttenberg brachte. Er ersetzte den Holzofen durch einen Elektro-Ofen, was im Sommer die obenliegenden Wohnungen bedeutend weniger aufheizte. Sie erweiterten ausserdem den Verkaufsladen in den Nordteil des Hauses, was die Auslage und den Raum für Kunden verbesserte. Im Jahre 1985 übernahm Sohn Andreas das Geschäft, das damals sechs Angestellte hatte. Vom Vater konnte er eine treue Knonauer Kundschaft und viele Rezepte übernehmen, zum Beispiel die unvergleichliche Schwarzwälder Torte, die zum Markenzeichen des Betriebes gehörte.

Andreas Iten, inzwischen Bäckermeister, glänzte mit neuen Ideen und vergrösserte den Betrieb und die Kundschaft. In zwei Schritten liess er den Verkaufsraum und die Backstube vergrössern, so dass Platz war für mehr Angestellte. Zeitweise arbeiteten bis zu 30 Mitarbeitende im Betrieb. Er erweiterte sein Verkaufsnetz mit den Filialen Mettmenstetten und Affoltern, konnte Restaurants und Wiederverkäufer beliefern und baute einen Znüniservice in die umliegenden Industriegebiete auf. Er pflegte stets zu sagen: «Qualität muss sein. Nur mit besseren, frischeren Produkten können wir überleben. Und wir müssen innovativ sein.» Das gelang zum Beispiel mit Steinofenbrot oder Urdinkelbrot aus Baaregger Dinkel. Dieses Motto gaben Vater und Sohn Iten auch an ihre Lernenden weiter. Insgesamt 25  wurden in den vergangenen 60 Jahren ausgebildet. Zudem war Andreas Iten während Jahrzehnten Experte bei den Lehrabschlussprüfungen im Kanton ­Zürich.

Keine Nachfolge gefunden
Mit grosser Wehmut und einem feuchten Auge redet Andreas Iten über das Ende des Familienbetriebs: «Ich hatte immer treue, gute Angestellte, ohne die ich nicht so weit gekommen wäre.» ­Besonderer Dank für die grosse Unterstützung gebühre seiner Ehefrau Jutta, die vor zwei Monaten das 25-Jahre-Dienstjubiläum feiern konnte, so Iten. Seit seinem 60. Geburtstag vor drei Jahren – nach nunmehr 36 Jahren Geschäftsführung – habe er nach einer Nachfolge gesucht: «Aber leider sind alle Bemühungen gescheitert.» Sein Betrieb lebe von Innovation, aber auch von der Nähe zur Kundschaft und vom Beziehungsnetz, sagt Andreas Iten: «Für ­Massenproduktion sind wir nicht eingerichtet. Dies hat vermutlich viele ­Interessenten abgehalten.»

Das Schlimmste am Ganzen, sagt Iten, seien für ihn die Kündigungen der Mitarbeitenden gewesen – mitten in der Corona-Zeit. Und natürlich bedauert der Geschäftsführer auch, dass seine treue Kundschaft künftig auf andere Angebote ausweichen muss. Knonau verliert mit der Schliessung seine einzige Bäckerei. In früheren Jahren haben bereits die Metzgerei, die Restaurants Uttenberg, Adler und ­Hörnli sowie das Postbüro geschlossen. Jetzt ist auch die beliebte Dorfbäckerei bald Geschichte.