Bezirk Affoltern
07.06.2021

Die Gemeindeversammlung als Gesprächsplattform

Ruhige und sichere Gesprächsführung: An der Gemeindeversammlung Kappel wird viel gefragt und diskutiert, aber nicht gestritten. (Bild Bernhard Schneider)

Ruhige und sichere Gesprächsführung: An der Gemeindeversammlung Kappel wird viel gefragt und diskutiert, aber nicht gestritten. (Bild Bernhard Schneider)

Auf der Traktandenliste befanden sich drei unbestrittene Geschäfte. Dass die Kappeler Gemeinde­versammlung dennoch mehr als zwei Stunden dauerte, lag daran, dass der Gemeinderat ausführlich informierte und zur Diskussion einlud. So entstand auch zu kontroversen Themen ein ­sachlicher Austausch.

Von: Bernhard Schneider

2020 war ein besonderes Jahr, erläuterte Finanzvorstand Martin Hunkeler, nicht nur wegen Corona. Der Aufwand lag rund 400000 Franken über dem ­Budget, der Ertrag 300000 darunter, was zu einem um 100000 verminderten ­Gewinn führte. Bei den Ausgaben schlugen die Neustrukturierung der Gemeindeverwaltung und Mehrausgaben bei der Bildung zu Buche. Bei den Einnahmen lagen die Gemeindesteuererträge über 600000 Franken über dem Budget, während die Grundstückgewinnsteuer 400000 geringer als angenommen ­ausfiel. Das Finanzvermögen stieg auf stattliche 13,4 Millionen Franken, das ­Verwaltungsvermögen blieb bei 2,2 ­Millionen.

Auf die Frage nach der Budgetüberschreitung bei den Bildungsausgaben antwortete Schulpräsidentin Marion Ackermann, die Ursachen seien vielfältig. So seien die Aufwände für Logopädie, Aufgabenhilfe, Begabtenförderung und weitere Sonderschulungsmassnahmen schwierig vorherzusehen: «Eine zeitgemässe Schule wird komplizierter durch die vielfältigen Fördermass­nahmen.»

Ein weiterer Kostenfaktor sei die ­Anpassung der Informatik-Ausrüstung an den heutigen Stand. Alles in allem seien die Personalkosten der entscheidende Faktor für die Höhe der Aus­gaben. «Wir streben keinen Luxus an, aber wir wollen eine moderne Schule sein.»

Martin Hunkeler ergänzte, Kappel habe pro Kind lange Zeit unterdurchschnittliche Ausgaben ausgewiesen. Der Nachholbedarf habe dazu geführt, dass Kappel nun leicht über dem Mittel der Gemeinden liege. «Es liegt nicht in unserer Hand, die Zahl der Kinder Zuziehender zu beeinflussen. Wir sind eine attraktive Gemeinde für Familien.» Eine Tatsache, die sich auch im Anstieg der Steuereinnahmen spiegelt. Für die kommenden Jahre erwartet Martin Hunkeler keine markanten direkten Auswirkungen der Corona-Pandemie, doch könne die vergleichsweise günstige Situation künftig zu einer Mehrbelastung beim Finanzausgleich führen.

RPK-Präsident Sacha Marienberg wies darauf hin, dass zur Zeit der Budgetierung 2020 der Begriff Corona noch nicht einmal bekannt war. Die Rechnungsprüfungskommission habe zwar auch keine Freude am Ausgabenwachstum der Schule, aber sie habe die Zahlen exakt studiert und sei auf keine Unstimmigkeiten gestossen. Im Einklang mit Gemeinderat und RPK genehmigten die Stimmberechtigten die Rechnung 2020 ohne Gegenstimme.

Naturnaher Friedhof

Gemeinderätin Carolina Hauser stellte den Kreditantrag von 110000 Franken für die Ergänzungsgestaltung des Friedhofs Kappel vor. Die Bepflanzung solle Schutz bieten, Ruhe ausstrahlen und naturnah die Biodiversität fördern. ­Umgesetzt werden soll das Projekt vom Uerzliker Unternehmen natUrban. ­Dessen ­Geschäftsleiter Pirmin Rohrer erläuterte das Konzept, das die bestehende Vegetation mit einheimischen Pflanzen sanft ergänzt und weiterentwickelt, im Detail. Aus der Versammlung erhielt der Gemeinderat Lob sowohl für den respektvollen Umgang mit dem Thema Tod als auch für das naturnahe Gestaltungskonzept. Mit einer Gegenstimme wurde der Kredit gutgeheissen.

«Das Beste ist, weniger Güsel zu produzieren»

Im Informationsteil informierte ­Gemeindepräsident Jakob Müller unter anderem über geplante Änderungen in der Abfallverordnung, über die an der Urne abgestimmt werden muss. Ziel ist, den Kehricht in Unterflurcontainern und Kunststoff separat zu sammeln. Der Gehweg zu den Unterflurcontainern soll maximal 250 Meter betragen. Sie werden beispielsweise bei den Läden platziert sein, damit sich der Weg zum Container mit dem Einkauf kombinieren lässt.

Aufgrund eines gesetzlichen Auftrags wird künftig auch die Grüngutabfuhr gebührenpflichtig, mit dem Ziel, die Lastwagenfahrten zu reduzieren. Ein weiterer kantonaler Auftrag betrifft den Kunststoff, der bisher nicht gesammelt wurde. Bisher wird Kunststoff-Sammelgut ins Ausland transportiert. Nun wollen Bund und Kanton Lösungen suchen, um Kunststoff sauber in der Schweiz zu verwerten, wozu aber Mindestmengen erforderlich sind. Aus der Information entwickelte sich eine rege Diskussion über verschiedene Aspekte der Abfallentsorgung. Jakob Müller bilanzierte: «Das Beste ist, wenn wir nicht zu viel Güsel produzieren.»

Die Gemeinde Kappel hat bei der Bevölkerung eine Umfrage zum Dorfladen Uerzlikon durchgeführt. Dieser wird nun am 20. August von der Landi Albis wiedereröffnet. «Wir sind sehr froh, dass der Laden dank dieser Lösung weiterbestehen kann. Nun sind wir alle aufgerufen, auch einkaufen zu gehen», stellte Gemeindepräsident Müller fest. Aus der Bevölkerung wurde die Frage aufgeworfen, was man gegen Drohnen unternehmen könne. Jakob Müller ­erläuterte, dass nicht alle Drohnenflüge sinnlos seien. So liessen sich mit einer Wärmebildkamera Rehe im hohen Gras orten, damit sie vor den Mähmaschinen gerettet werden können.

Mehr- und Minderausgaben halten sich bei der Sek die Waage

Vor der Versammlung der politischen Gemeinde wurden die Jahresrechnungen der Sekundarschule Hausen-Kappel-Rifferswil und der Kirchgemeinde ­Kappel genehmigt. Die Sekundarschule schliesst bei einem Aufwand von gut 5,3 Millionen Franken und einem Ertrag von knapp 5,6 mit einem Ertragsüberschuss von 274000 Franken. Finanzvorsteherin Eva Huwiler erläuterte: «Natürlich brachte die Corona-Krise auch für die Sek Hausen einige Turbulenzen in die Jahresrechnung. Einerseits konnten Lager, Exkursionen oder klassenübergreifende Projekte und Anlässe nicht stattfinden. Andererseits ergaben sich unvorhergesehene Aufwände zur Umsetzung der Hygiene- und Schutzmassnahmen. Die Mehraufwände bei ­Medizin und Bildung konnten durch Einsparungen in anderen Bereichen, beispiels­weise durch tiefere Zinsauslagen, abge­federt werden.»

Der Aufwand der reformierten Kirchgemeinde unterschritt das Budget von 230000 Franken um satte 50000, während die Ertragsseite mit 228000 eine Punktlandung darstellte. Kirchenpflege-Präsidentin Elisabeth Ender orientierte sodann über das Projekt «Lebendige Kirchgemeinde»: Mit einem Fragebogen sollen einerseits die Bedürfnisse, anderseits die Bereitschaft der Reformierten zur Mitgestaltung der Kirche abgeholt werden.