Bezirk Affoltern
12.07.2021

Der Zaun macht den Park

Idealer Rückzugsort bei Hitze: Oskar Hedinger erklärt, 
wie er diese Weide aus einem kleinen Ast gezogen hat.
Diese Schnecken können lebendige Artgenossen nicht davon abhalten, liebevoll Geflanztes aufzufressen.
Der alte Zaun macht aus dem Garten einen Park. Oskar Hedinger schätzt die Kunstschmiede-Arbeiten vergangener Zeiten genau so wie moderne Kunstobjekte aus Metall. (Bilder Regula Zellweger)

Idealer Rückzugsort bei Hitze: Oskar Hedinger erklärt,

Idealer Rückzugsort bei Hitze: Oskar Hedinger erklärt, 
wie er diese Weide aus einem kleinen Ast gezogen hat.
Diese Schnecken können lebendige Artgenossen nicht davon abhalten, liebevoll Geflanztes aufzufressen.
Der alte Zaun macht aus dem Garten einen Park. Oskar Hedinger schätzt die Kunstschmiede-Arbeiten vergangener Zeiten genau so wie moderne Kunstobjekte aus Metall. (Bilder Regula Zellweger)

wie er diese Weide aus einem kleinen Ast gezogen hat.

Idealer Rückzugsort bei Hitze: Oskar Hedinger erklärt, 
wie er diese Weide aus einem kleinen Ast gezogen hat.
Diese Schnecken können lebendige Artgenossen nicht davon abhalten, liebevoll Geflanztes aufzufressen.
Der alte Zaun macht aus dem Garten einen Park. Oskar Hedinger schätzt die Kunstschmiede-Arbeiten vergangener Zeiten genau so wie moderne Kunstobjekte aus Metall. (Bilder Regula Zellweger)

Diese Schnecken können lebendige Artgenossen nicht davon abhalten, liebevoll Geflanztes aufzufressen.

Um das grosse Grundstück der Familie Hedinger in Bonstetten zieht sich über zwei Seiten ein kunstvoller, alter Eisenzaun. Dieser, die Eisenskulpturen und die riesige Trauerweide geben dem Garten das Aussehen eines Parks.

Von: Regula Zellweger

Für Oskar Hedinger ist das Kunstschmieden nicht nur sein Beruf, sondern seine Leidenschaft. Sein Sohn Daniel trat in seine Fussstapfen und auf der Webseite der Kunstschmiede ist zu lesen: «Mit viel Hingabe an das Handwerk lieben wir die Herausforderung, aus glühendem Eisen Schönheit und Eleganz zu erschaffen.»

Während das Metall mit Feuer und Hammer millimetergenau geformt wird, darf im Garten von Oskar ­Hedinger die Natur mitreden. Flecken von ­Blumenwiesen mitten im Rasen bieten Nahrung für die Bienen. Unkraut, Wildkräuter, werden nicht ausgemerzt, sondern in Schach gehalten. Er entscheidet laufend, wo er gärtnernd eingreifen will und wo nicht. Schön und elegant soll der Garten aber auch sein. Und irgendwie auch fröhlich, mit Kinderspielgeräten, metallenen Schnecken und einem geschmiedeten Raben mitten in der Blumenwiese, bei dem man zweimal hinschauen muss, um sicher zu sein, dass er sich nicht bewegt.

Trauerweide als Rückzugsort

Die riesige Trauerweide überschattet mit ihrer Baumkrone rund 100 Quadratmeter Wiese und bietet bei Hitze einen romantischen Unterschlupf mit Tisch, Stühlen und Hängematte. Der Baum ist 26 Jahre alt und drei Mal umgezogen. Das heisst, Oskar Hedinger hat aus Ästen neue Bäume gezogen. Der Baum kann sich ungehindert breitmachen, die kleinen Obstbäume können nicht mit ihm konkurrieren. Sie werden aber aufgewertet, weil sie mit mehreren farbigen Kunstobjekten und dem neuen Herzbrunnen den Skulpturengarten bilden. «Kunst darf auffallen», erklärt Oskar Hedinger. «Sie darf ein Wow auslösen, Blickfang sein. Ich freue mich, wenn Leute vom öffentlichen Parkplatz aus über den Zaun schauen und die Skulpturen und den Herzbrunnen ­betrachten.»

Der Unterschied zwischen Kunsthandwerk und Kunst ist fliessend, dies beweisen die Arbeiten von Oskar ­Hedinger, der gern mit dem Werkstoff Metall und mit starken, reinen Farben experimentiert. Ursprünglich war hier eine Wagnerei – geblieben ist die Scheune mit Kamin, in der heute eine Esse steht. Der Kunstschmied hat sie zu einer Schmiede-Werkstatt umgestaltet, mit viel Freude eingerichtet und mit Werkzeug bestückt, um auch im Pensions­alter seiner Leidenschaft weiter frönen zu können.

Als Hedingers das 1932 gebaute Haus kauften, gab es ein Gemüsebeet, das mit einer niederen Steinmauer umrandet war. Zuerst versuchte die Familie, dort Gemüse zu ziehen. Später brachte Oskar Hedinger Steine hierher und gestaltete eine Landschaft, wo das Wasser vom Berg in den See fliessen sollte. Irgendwie funktionierte es nicht mit dem fliessenden Wasser. Geblieben sind die Steinlandschaft und der kleine Teich. Hier wachsen zu allen Jahreszeiten Blumen. «Jede Pflanze hat ihre Schönheit, einen interessanten Aufbau, faszinierende ­Details.»

Der Kunstschmied lässt sich gern von Pflanzen inspirieren. Er liebt Blumen – am liebsten im Freien und weniger in Blumensträussen. Unkraut wird erst vor dem Versamen gejätet, damit es nicht überhandnimmt. «Disteln sind schön.» Schneckenplage? In Ordnung, es werden einfach Pflanzen gesetzt, welche die Schnecken nicht mögen. In diesem Beet sind auch grosse, geschmiedete Schnecken auf Halmen aus Eisen anzutreffen, was ihre natürlichen Kollegen aber nicht davon abhält, sich in diesem Garten wohlzufühlen.

Eine Ecke des Gartenteils wurde als Pergola mit Reben gestaltet. Daneben blühen vor allem unkomplizierte Stauden, die jedes Jahr von selbst wieder wachsen, und Rosen. In der Streuobstwiese neben dem Blumenbeet steht eine Bank unter einem Kirschbaum. «Der Garten dient vor allem der Erholung.» Kirschen, Äpfel, Birnen, Pflaumen, allerlei Beeren – und sogar Kiwis und Maulbeeren können in diesem Garten geerntet werden.

Dritte Generation

Ein grosses Gerüst mit vielen Spielmöglichkeiten steht auf der Wiese – ein Überbleibsel von der «Müsliburg». Ans Haus wurde eine Doppelgarage angebaut und ein Wintergarten aufgesetzt. Von dort können Hedingers ihren Enkelkindern beim Spielen zuschauen. Diese kommen sehr gern in den grossen Garten ihrer Grosseltern.

Neben der Scheune ist ein zwei­stöckiges Holzhaus im Bau, das sogar mit einem Balkon bestückt werden soll. Es ist ein gemeinsames Projekt des Grossvaters und des 10-jährigen Enkels. Die nächste Generation von handwerklich Begabten wächst bereits heran und wird spielerisch gefördert. Auch dem Grossvater macht der Bau sichtlich Spass.

«Es gibt immer zu tun im Garten», erzählt Oskar Hedinger, der sich am liebsten im Freien oder in seiner Werkstatt aufhält. «Ich nehme die Natur intensiv mit allen Sinnen wahr. Die Natur mit ihrem ewigen Kreislauf lehrt auch das Loslassenkönnen, wenn beispielsweise ein Baum stirbt. Das Leben geht weiter.»