Bezirk Affoltern
23.09.2021

Mit der Dampfbahn durch den Wilden Westen

Per Computer steuert Markus Hintermann die Modellbahnen.
Bis ins kleinste Detail sieht alles echt aus, doch es ist eine Eisenbahnwelt im Massstab 1:22,5.
Einen Hauch vom Wilden Westen zaubert die Gartenmodellanlage nach Stallikon. (Bilder Stefan Schneiter)

Per Computer steuert Markus Hintermann die Modellbahnen.

Per Computer steuert Markus Hintermann die Modellbahnen.
Bis ins kleinste Detail sieht alles echt aus, doch es ist eine Eisenbahnwelt im Massstab 1:22,5.
Einen Hauch vom Wilden Westen zaubert die Gartenmodellanlage nach Stallikon. (Bilder Stefan Schneiter)

Bis ins kleinste Detail sieht alles echt aus, doch es ist eine Eisenbahnwelt im Massstab 1:22,5.

Per Computer steuert Markus Hintermann die Modellbahnen.
Bis ins kleinste Detail sieht alles echt aus, doch es ist eine Eisenbahnwelt im Massstab 1:22,5.
Einen Hauch vom Wilden Westen zaubert die Gartenmodellanlage nach Stallikon. (Bilder Stefan Schneiter)

Einen Hauch vom Wilden Westen zaubert die Gartenmodellanlage nach Stallikon. (Bilder Stefan Schneiter)

Waldbahnen aus den USA haben ihn schon seit jeher fasziniert. In seinem Garten am Waldrand von Stallikon hat sich Markus Hintermann eine Modellbahnanlage aufgebaut, in der Züge wie im Wilden Westen durch die Gegend dampfen.

Von: Stefan Schneiter

Es ist eine Zeitreise zurück in die Weiten der USA vor hundert Jahren. Züge wie in Wildwestfilmen rattern durch die Gegend, es zischt und dampft, wenn sie über imposante Holzgitterbrücken fahren, an Planwagen eines Siedlertrecks, an berittenen Cowboys und weidenden Rindern vorbei oder an einer Bergmine. In den Kurven quietschen die Räder des Zugs, beim Einfahren in eine Haltestelle ertönt Glockengeläut.

Es ist eine perfekte Modellbahnanlage, die sich Markus Hintermann in seinem Garten seit sechs Jahren aufgebaut hat. Der 66-jährige Rentner wohnt an der Bucheneggstrasse in Stallikon. Vor dem Haus fahren die Autos auf ihrem Weg zur Buchenegg vorbei, hinter dem Haus dominiert seine Welt der Eisenbahnen im Format 1:22,5.

«Die Bahnanlage zeigt Amerika etwa um 1910 bis 1920», erläutert Markus Hintermann. Amerika deshalb, weil Hintermann eine enge Beziehung zu diesem Kontinent hat. Der frühere Elektroingenieur lebte 1982 bis 1986 zusammen mit seiner Frau in den USA und hatte auch danach immer wieder beruflich in den Vereinigten Staaten zu tun. Vielfach besichtigte er Museumsbahnen, fotografierte sie in allen Details. Und er hat sich eingehendst ins Thema eingelesen. «In meiner Bibliothek stehen über hundert Bücher über amerikanische Bahnen», erklärt er stolz, um zu demonstrieren, woher er die Vorlagen für den Bau seiner Modelle bezieht. Und ganz besonders faszinieren ihn Waldbahnen: Bahnen, welche in Amerika riesige Mengen Holz aus den Wäldern heraustransportiert haben, zu einer Zeit, als Holz einer der wichtigsten Baustoffe Amerikas war und die Holzindustrie boomte.

Insofern steht die von Markus Hintermann in liebevollster Kleinarbeit gefertigte Bahnanlage am Waldrand in Stallikon goldrichtig, ist ins richtige Ambiente eingebettet. Und das Transportholz auf seinen Bahnwagen im Miniformat kann er direkt vor Ort aus kleinen Ästen herstellen.

Wetterresistente Schienen aus Chromstahl

Rund 100 Meter Gleise führen durch die 30 x 4 Meter grosse Anlage. Technisch gesprochen ist es eine LGB-Anlage, eine Lehmann-Grossbahn mit Spurgrösse G. Die 45 mm-Originalgleise mit Spurgrösse G dieser Nürnberger Firma sind aus Messing. Diese aber oxidieren an der freien Luft. Deshalb verwendet Hintermann diese Gleise nur im Innenraum – die Gleise führen direkt von der Werkstatt in den Garten – und im überdachten Werkschuppen draussen. Für die Aussengleise, die das ganze Jahr hindurch Wind und Wetter ausgesetzt sind, hat er rostfreie Chromstahl-Schienen eingesetzt, welche in der Behindertenwerkstatt St. Jakob in Zürich hergestellt werden.

Vier- statt sechseckige Muttern

Vor zwanzig Jahren begann Hintermann mit dem Bau der ersten Lokomotiven und Eisenbahnwagen. In seiner mit Drehbank, Fräsmaschine und einer Unzahl an Werkzeugen ausgestatteten Werkstatt baut er die Eisenbahnen aus Metall, Holz und Kunststoff. Zuweilen kauft er auch mal Bahnwagen im Handel, die er, wo sie historisch nicht korrekt sind, passend umbaut oder sie mit einer Innenbeleuchtung versieht.

Jedes Detail muss stimmen oder funktionieren. Die Remise etwa, erklärt Martin Hintermann, sei noch nicht ganz fertig. Noch fehle die Installation, damit sich die Eingangstore automatisch öffnen, wenn ein Zug vorfährt. Die enorme Detailtreue des Modellbauers zeigt sich auch an der Holzgitterbrücke. «Um die Jahrhundertwende gab es noch keine sechseckigen Muttern. Ich fand einen Décolleteur in der Uhrenbranche, der für mich 8000 viereckige Muttern mit 2 mm-Gewinde herstellte, welche ich für diese Brücke verwenden konnte.»

Auch akustisch stimmt alles. In Aufstiegen ist das Schnauben der Zug-loks intensiver, führen die Gleise abwärts, erfolgt das Zischen der Dampflok in leiserer Kadenz. In den Kurven quietscht es so, als ob sich die Räder am eisernen Schienenstrang rieben. Das Bahnhorn ertönt zur Warnung bei möglichen Gefahren auf der Strecke, hält der Zug an, ertönt Glockengebimmel. «All diese Töne sind original aufgenommen in den USA bei Museumsbahnen, die heute noch für Touristen fahren», erklärt Markus Hintermann. Seine Lokomotiven sind mit kleinen Lautsprechern versehen, welche die Töne authentisch wiedergeben. Und das nicht willkürlich, sondern – elektronisch gesteuert durch einen Digital-Decoder – am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt.

Bergimitat aus Affoltern

Das Mauerfundament für seine Anlage mauerte er aus Recyclingkies selbst zusammen. «Ich bin ja nicht mehr der Jüngste, so muss ich mich nicht zu tief bücken», sagt der Modellbahnbauer mit scherzhaftem Unterton. Ein Matterhorn-ähnlicher Berg steht mitten in der Bahnanlage. Den Stein dazu hat Hintermann in Affoltern entdeckt. «Ich hatte das Gefühl, es braucht einen richtigen Berg hier. Als ich den Stein sah, dachte ich: Den muss ich haben.» Mit Hilfe des Baggers eines benachbarten Bauern transportierte er den 825 kg schweren Steinbrocken in seinen Garten.

Sein Hobby betreibt Markus Hintermann nicht alleine. Er ist Mitglied des Vereins «US G-Scale Friends Switzerland» mit derzeit rund 20 Aktivmitgliedern. Die Freunde amerikanischer Bahnen treffen sich von Zeit zu Zeit abwechslungsweise bei einem der Vereinsmitglieder. Dort können sie dann jeweils ihre eigenen Modellzüge mal in einer anderen Umgebung als der gewohnten eigenen Anlage herumfahren lassen und fotografieren. Und für 2022 planen sie in Schinznach-Dorf (AG) ein Grossbahnfest für die Öffentlichkeit. Die Bauarbeiten für die Eisenbahnanlage, die dann präsentiert wird, sind im vollen Gange.