Bezirk Affoltern
23.06.2022

Freiherr, Burg und erste Erwähnung des Ortsnamens Bonstetten

Die Burg Bonstetten stand zwischen der heutigen Dorf- und der Aumülistrasse. Die Ruine wurde vor dem Bau der Siedlung im Vordergrund rechts 1989 ausgegraben und archäologisch ausgewertet. Dahinter steht gut sichtbar die Kirche Bonstetten. (Bilder Bernhard Schneider)
Der Granitblock als Zeichen einer Freundschaft über Landesgrenzen: Die beiden Wappen mit dem Jahr der ersten überlieferten Nennungen des Dorfnamens.

Die Burg Bonstetten stand zwischen der heutigen Dorf- und der Aumülistrasse. Die Ruine wurde vor dem Bau der Siedlung im Vordergrund rechts 1989 ausgegraben und archäologisch ausgewertet. Dahinter steht gut sichtbar die Kirche Bonstetten. (Bilder Bernhard Schneider)

Die Burg Bonstetten stand zwischen der heutigen Dorf- und der Aumülistrasse. Die Ruine wurde vor dem Bau der Siedlung im Vordergrund rechts 1989 ausgegraben und archäologisch ausgewertet. Dahinter steht gut sichtbar die Kirche Bonstetten. (Bilder Bernhard Schneider)
Der Granitblock als Zeichen einer Freundschaft über Landesgrenzen: Die beiden Wappen mit dem Jahr der ersten überlieferten Nennungen des Dorfnamens.

Der Granitblock als Zeichen einer Freundschaft über Landesgrenzen: Die beiden Wappen mit dem Jahr der ersten überlieferten Nennungen des Dorfnamens.

Der erste bekannte Bonstetter ist Freiherr Heinrich von Bonstetten. Er war der ältere Bruder oder der Vater Konrads von Sellenbüren, der mit der Vergabung seiner Güter, zu welchen auch Besitz in Bonstetten gehörte, die Gründung des Klosters Engelberg um 1120 ermöglicht hatte. Die Verbindung Heinrichs zu den späteren ­Freiherren von Bonstetten lässt sich nicht rekonstruieren.

Von: Bernhard Schneider

Die Aufzeichnung des Klosters Engelberg zu seiner Gründung ist datiert vom 22. November 1122, wobei es sich um eine später verfasste Kopie handelt, die sich auf die Privilegien zugunsten des Klosters von 1124 des Papstes und des Kaisers abstützt. Die unbestrittenen ­Teile der Dokumente sind im damaligen Latein des Vatikans formuliert und ­deshalb zweifellos echt. Andere Teile wurden Urkunden des Klosters Muri ­entlehnt, wieder andere waren in einer wesentlich einfacheren Sprache formuliert, weshalb es sich dabei offensichtlich um Nachbesserungen des Klosters handelt. Sicher ist, dass Konrad von ­Sellenbüren der Stifter des Klosters war. Heinrich von Bonstetten und Eglof von Gamlikon waren bei der Vergabung mit von der Partie.

In der ersten Hälfte des 12. Jahr­hunderts trugen selbst Hochadlige noch keine dynastischen Familiennamen, sondern wurden mit ihrem Vornamen und der Burg, auf der sie lebten, bezeichnet. Da der Raum Sellenbüren – Bonstetten – Gamlikon zu klein war für mehr als einen hochadligen Freiherrenclan, muss es sich um enge Verwandte ­gehandelt haben.

Eglof von Gamlikon lässt sich nicht weiter einordnen, er erscheint in keinen anderen Urkunden und die Reste seiner mutmasslichen Burg, die vermutlich auf der Burgstelle Baldern stand, ruhen ­unberührt unter der Erde.

Auch Heinrich von Bonstetten wird nicht weiter erwähnt, aber seine Burg wurde ­aus­gegraben und archäologisch ­ausgewertet. Um ihn einzuordnen, ist im ersten Schritt ein Blick zu Konrad von Sellenbüren erforderlich.

Vater oder Bruder?

Die Burg Sellenbüren wurde vermutlich um 1075 im Auftrag Heinrichs von ­Sellenbüren – der in Urkunden von 1080 und 1092 genannt wird – weitgehend aus Holz errichtet. Der erstgeborene Sohn wurde meist auf den Namen seines ­Vaters getauft. Der älteste Sohn Heinrichs von Sellenbüren dürfte um 1080 geboren worden sein, der älteste Enkel um 1100. Dies ist die Ausgangslage für die Beantwortung der Frage, wer die Burg Bonstetten bewohnt haben könnte.

Die Burg Bonstetten verfügte im Gegensatz zum «Ofengüpf» in Sellen­büren über Turm und Mauer aus Stein, wurde 30 bis 40 Jahre nach der Burg Sellenbüren errichtet. Konrad war wohl ein Enkel des erwähnten Heinrich von Sellenbüren. Heinrich von Bonstetten könnte sein älterer Bruder oder sein ­Vater gewesen sein: Entweder wollte der Sellenbürer Burgherr nicht umziehen und liess für seinen erstgeborenen Sohn eine neue, wesentlich komfortablere Burg errichten. Oder aber er liess eine neue Burg in Bonstetten für sich bauen und überliess seine alte Sohn Konrad.

In den beiden Dokumenten von 1124 erscheint Heinrich von Bonstetten nicht mehr, wohl, weil er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr lebte. Vielleicht hatte er aber die Gründung des Klosters gar nicht miterlebt, sondern sein Name wurde später ins angebliche Dokument von 1122 eingefügt. Dies würde für die ­Variante sprechen, dass Heinrich von Bonstetten der Vater Konrads von ­Sellenbüren war. Konrad als möglicherweise kinderloser Erbe verschenkte daraufhin seine Güter dem Kloster.

Die Freiherren von Bonstetten

Das 1124 erwähnte Gut in «Bounstetin» wurde dem Kloster 1184 als «Bowen­steden» vom Papst bestätigt. Ein Freiherr von Bonstetten taucht erst 1217 wieder auf. Die Burg war noch dieselbe, die ­Familie verfügte nun aber über einen dynastischen Namen, der nicht mehr direkt an die Burg gebunden war. ­Zwischen dem Verschwinden des hochadligen Clans um Konrad von Sellen­büren nach dessen Tod 1126 und dem Auftauchen Walters von Eschenbach in einer Urkunde von 1172 besteht in den Quellen eine Lücke, die es verhindert, verwandtschaftliche Beziehungen zu rekonstruieren.

Der erste Angehörige der Freiherren­dynastie von Bonstetten, der in den Quellen greifbar ist, war Hermann von Bonstetten senior (1255–1312), der in Bonstetten, Uster und Zürich residierte. Er war Stellvertreter König Rudolfs von Habsburg im Gebiet vom Aargau bis zum Thurgau. Von 1277 bis 1304 war er Reichsvogt von Zürich, der den König in der Reichsstadt Zürich vertrat. Sein Sohn, Hermann junior, folgte ihm in praktisch allen Funktionen.

Die Freiherren von Bonstetten ­verliessen die für einen Reichsvogt nicht mehr standesgemässe Burg Bonstetten. Die Ruine wurde 1371 vom Kloster ­Kappel erworben. Während der Zürcher Zweig der Familie von Bonstetten 1606 ausstarb, stieg der Berner Zweig zum ratsfähigen Stadtadel auf. Nachfahren leben bis heute im Kanton Bern.