Bezirk Affoltern
26.09.2022

Als ein Amokläufer in Obfelden 14 Menschen verletzte

In seinem Betrieb vor 20 Jahren mit schrecklichen Bildern ­konfrontiert: Nik Vogel, bis Ende 2020 «Pöschtli-Beck». (Bild Werner Schneiter)

Die Frontseite des «Anzeigers» nach dem Amoklauf in Obfelden 2002. (Archiv)

In seinem Betrieb vor 20 Jahren mit schrecklichen Bildern ­konfrontiert: Nik Vogel, bis Ende 2020 «Pöschtli-Beck». (Bild Werner Schneiter)

In seinem Betrieb vor 20 Jahren mit schrecklichen Bildern ­konfrontiert: Nik Vogel, bis Ende 2020 «Pöschtli-Beck». (Bild Werner Schneiter)

Die Frontseite des «Anzeigers» nach dem Amoklauf in Obfelden 2002. (Archiv)

Vor genau 20 Jahren verletzte ein Amokläufer in Obfelden 14 Personen zum Teil schwer. Der psychisch kranke Täter, aus den Philippinen stammend, wurde zu zehn Jahren Gefängnis mit anschliessender Verwahrung verurteilt.

Von: Werner Schneiter

Es war ein herrlicher Spätsommertag. Strahlend blauer Himmel und entsprechende Temperatur lockten an diesem Freitag im September 2002 kurz vor Saisonschluss nochmals viele in die Badi. Um 14.30 Uhr endete die Idylle abrupt, als ein in Zürich wohnhafter Filipino mit dem Auto nach Obfelden fuhr. Er erkundigte sich nach seiner Schwester. Als ihm an deren Wohn­adresse beschieden wurde, man wisse nicht, wo sie sich aufhalte, drehte der 32-Jährige durch, schlug der Frau ins Gesicht – und startete einen Amoklauf, in dem er sich ein 50 cm langes Metallrohr beschaffte und anschliessend eine 57-jährige Frau und deren Enkel niederschlug. Ein Landwirt, der zu Hilfe eilte, wurde ebenfalls niedergeschlagen und schwer verletzt. Dann fuhr der Mann mit dem Auto eine Radfahrerin an und stürmte bei der Postautohaltestelle ins Café Pöschtli. Dort schlug er auf eine ältere Frau ein und hernach im Freien wahllos auf Passanten. Insgesamt wurden neun Frauen im Alter von 25 bis 83 Jahren verletzt, ein 24- und 69-jähriger Mann sowie drei Kinder im Alter von drei, fünf und elf Jahren.

Religiöse Wahnvorstellungen

Zwei Männer konnten den Amokläufer schliesslich überwältigen. Er wurde in einem auf dem Parkplatz beim «Pöschtli-Beck» abgestellten und in einem von zahlreichen Schaulustigen umringten PTT-Bus von der Polizei arretiert. Erste Befragungen offenbarten damals religiöse Wahnvorstellungen. «Schon vor der Tat hat er sich bei einer Passantin nach ihrem Glauben befragt und eine Serviceangestellte aufgefordert, dreimal täglich während 10 Minuten zu beten», hielt die Kantonspolizei damals fest.

«Ich wollte zu Hause den Rasen ­mähen. Da rief mich meine Frau an und sagte: Bei uns dreht einer durch», erinnert sich Nik Vogel, bis Ende 2020 «Pöschtli-Beck». Vogel traf auf ein Chaos in seinem Café – mit schrecklichen ­Bildern und viel Blut. Im ersten Moment sei er schockiert gewesen, dann aber habe er «funktioniert» und einen Arzt alarmiert. Die Polizei, so erinnert er sich, wollte zuerst einen Krisenstab in seiner Backstube installieren. Sie sei dann aber mit einem dafür vorgesehenen Fahrzeug aufgefahren. Als «nicht einfach» bezeichnet Nik Vogel auch ­seine Erfahrungen mit den Medien, vor allem mit den elektronischen. «Da hält dir einer plötzlich das Mikrofon unter die Nase. Einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen habe ich nach der schlechten Erfahrung mit TeleZüri nach langem Überlegen zugestimmt.» Als Nik Vogel am nächsten Tag, am Samstag, in der Backstube stand, hat er unter dem Eindruck der Ereignisse Türen verriegelt, die er sonst nie geschlossen hat.

Erst sukzessive ergab sich ein Gesamtbild

Wach geblieben sind diese garstigen ­Erinnerungen auch bei Sämi Schnee­beli, damals Zugchef-Offizier und später Kommandant der Feuerwehr Obfelden. «Ich bin wohl noch nie so schnell von Brüttisellen nach Obfelden gefahren», erinnert er sich heute. Als er eingetroffen sei, habe man die Lage noch nicht vollständig überblicken können. Erst sukzessive habe sich an diesem Freitagnachmittag ein Gesamtbild mit dem vollständigen Ausmass der Katastrophe ergeben», hält er fest. «Es ging in erster Linie darum, die Verletzten so schnell als möglich ins Spital zu überführen – auch mit einem Bus der Feuerwehr», erinnert sich Schneebeli. Ausserdem standen das Sanitätspersonal der Spitäler Affoltern, Zug und Muri sowie die Rega im Einsatz. Insgesamt wurden 14 Personen verletzt. Glücklicherweise geriet keine in Lebensgefahr.

Der Schock in der Bevölkerung war gross, denn Amokläufe kannte man im Säuliamt bisher nur aus den Medien. Der damalige Gemeindepräsident Peter Sandhofer drückte Anteilnahme und Zuspruch aus. «Für Obfelden wünsche ich mir, dass es dieses Trauma möglichst schnell verarbeiten kann», schrieb er in einem «Anzeiger»-Beitrag.

Nach dem Einsatz der Rettungs­kräfte kam es im Mehrzweckgebäude Brunnmatt zu einem Debriefing für ­Einsatzkräfte, einhergehend mit psychologischer Betreuung für alle Beteiligten. «Ich bin erstaunt, welche Leistungen Feuerwehrleute erbringen. Wir wurden vom Care-Team Mehrzweckgebäude Brunnmatt hervorragend betreut. Und die Hilfe der Fachleute war professionell», gab Nik Vogel dem «Anzeiger» damals zu Protokoll. Der Filipino wurde später zu zehn Jahren Gefängnis und Verwahrung verurteilt.

In loser Folge beleuchtet der «Anzeiger» Ereignisse, die 10, 20, 25 oder 30 Jahre zurückliegen. Bisher erschienen: Schneckentempo und Spurt – die Erneuerung des Bahnhofplatzes in Affoltern 2002 (19. Juli). Als das Säuliamt in Kimme und Korn der Zürcher Schützen lag – das Kantonalschützenfest 1997 (29. Juli). Als Obfelden zu einem Bahnhof kam: Loki-Züglete zum 150-Jahre-Jubiläum 1997 (16. August).

 

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