28.10.2011

Künstler Jörg Rohner: Heimische Insekten für Saudi-Arabien

Das «Vorbild» krabbelt zwischen Ernesto Süsstrunk, Hanspeter Baumgartner und Jörg Rohner (v.l.) bereits die Fassade von Jörg Rohners Atelier und Werkstatt hoch. Schliesslich sollen die Riesenameisen in der saudi-arabischen 3-Millionen-Stadt Jeddah einen Wolkenkratzer-Turm zieren. (Bild zvg.)

Das «Vorbild» krabbelt zwischen Ernesto Süsstrunk, Hanspeter Baumgartner und Jörg Rohner (v.l.) bereits die Fassade von Jörg Rohners Atelier und Werkstatt hoch. Schliesslich sollen die Riesenameisen in der saudi-arabischen 3-Millionen-Stadt Jeddah einen Wolkenkratzer-Turm zieren. (Bild zvg.)

Jörg Rohner, Goldschmied mit über lange Jahre eigenem Atelier auf dem Schlossareal in Knonau, hat sich Verstärkung geholt. Gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern Monika Kühn, Denise Oelscher, Hanspeter Baumgartner und Ernesto Süsstrunk bereitet er in Sins AG eine grosse Ausstellung vor, in Jeddah, der wichtigsten Hafenstadt Saudi-Arabiens am Roten Meer.

Von Urs E. Kneubühl

Er ist fasziniert von der Krabbelwelt, und so wie der langjährige Knonauer Goldschmied, der heute sein Atelier mit Werkstatt in der Industrie Nord im (fast) benachbarten Sins AG betreibt, Ameisen, Heu- und andere -schrecken, Libellen oder Spinnen etc. mutieren lässt, faszinieren diese wiederum die Menschen. Jörg Rohners zu 100 Prozent identischen, der Natur abgeschauten und studierten Spezies der oft geächteten Krabbelwelt, die er im Übergrossformat künstlerisch nachbildet, sind bestens bekannt. Spätestens seit einige seiner Rieseninsekten vor Jahren in Obfelden zum Blickpunkt wurden oder seine über fünf Meter lange Heuschrecke über die Stadt Zug «hergefallen» ist, ist Rohners Insekten-Ruf weit herum bekannt. Jetzt ist dieser selbst in der saudi-arabischen Drei-Millionen-Stadt Jeddah gehört worden.


Arbeiten im Kollektiv
Der Auftrag, in der Stadt am Roten Meer für Februar 2012 eine Ausstellung mit Insekten-Grossobjekten vorzubereiten, würde das Schaffenspotential eines Einzelnen allerdings sprengen. Deshalb hat sich Jörg Rohner entsprechende Verstärkung in Atelier und Werkstatt geholt. Seit einem Dreivierteljahr arbeitet der Knonauer Goldschmied und Künstler deshalb mit den Kunstschaffenden Monika Kühn, Denise Oelscher, Hanspeter Baumgartner und Ernesto Süsstrunk im Kollektiv zusammen an den Objekten. Die ersten zwanzig Gross-Insekten – alle rund 80 cm bis einen Meter gross, in Silber oder auch vergoldet – sind bereits nach Saudi-Arabien ausgeliefert. Sie werden dann während rund einem Monat in Jeddah zu sehen sein.


Ein Workshop und mehr
Die Faszination der Saudis für die Krabbeltiere von Jörg Rohner und seinem Künstlerkollektiv beschränkt sich mittlerweile aber nicht mehr auf die Ausstellung allein. Gemeinsam mit seinen Schweizer Mitkünstlern wird Rohner nächstes Jahr in Jeddah auch einen Workshop für Kunststudenten und Künstler des Königreichs durchführen. In diesem werden mehrere Riesenameisen von 5 bis 6 Metern Länge gestaltet und gefertigt, die schliesslich – so ist die Absicht – von der Stadt übernommen werden, die das Tor nach Mekka, dem religiösen Zentrum des Islam bildet, welches etwa 72 km östlich im Landesinneren gelegen ist. In Jeddah sollen dann die Riesenameisen einen Turm zieren. «Es muss ja nicht gerade der Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt sein. Bei seinen 828 Metern Höhe hätten die Riesenameisen vom Boden her gesehen ja direkt wieder Normalgrösse», sagt Jörg Rohner lachend dazu.


Reger Austausch angedacht
Als «hoch spannendes und faszinierendes Abenteuer» bezeichnet Rohner das Saudi-Arabien-Projekt und zeigt sich begeistert vom ganzen, mit dem Projekt verbundenen Umfeld. «Wir waren im vergangenen Sommer in Jeddah, wo wir sehr herzlich und grosszügig empfangen wurden. Aus dieser ersten Begegnung haben sich höchst interessante Kontakte und genauso viele spannende Ideen für weitere Projekte ergeben», erzählt der Knonauer Goldschmied. Die Saudis sind von den Objekten des Schweizer Kunstkollektivs geradezu gefesselt, was das Projekt über die Ausstellung hinaus längerfristig erweitern könnte. Jörg Rohner: «Wir sind bereits bezüglich der Gestaltung und Lieferung von weiteren Objekten angefragt worden, aber konkrete Gespräche für deren Verwirklichung haben wir ins nächste Frühjahr verschieben müssen. Angedacht ist auch ein zukünftiger Austausch zwischen Künstlern aus Saudi-Arabien und uns Schweizern.» Vorerst allerdings sind Jörg Rohner, Monika Kühn, Denise Oelscher, Hanspeter Baumgartner und Ernesto Süsstrunk in Atelier und Werkstatt in Sins nach wie vor eifrig an den Vorbereitungen zur Ausstellung im Februar in Jeddah und gleichzeitig auch am Bereitstellen der traditionellen Weihnachts-Atelierausstellung.
Bei deren Eröffnung mit Vernissage am 26. November 2011, ab 15 Uhr, wird mit Sicherheit das Saudi-Arabien-Projekt des Künstlerkollektivs auch ein ganz grosses Gesprächsthema sein.