10.09.2012

«Mein Herzblut liegt in der Velobilität»

Vor dem Festzelt an der Reuss bei Ottenbach: Referent Philip Douglas mit Lebenspartnerin Monika Gillmann, flankiert von Barbara Roth, Geschäftsführerin der Weiss Medien AG und «Anzeiger»-Chefredaktor Werner Schneiter. (Bild Thomas Stöckli)

Vor dem Festzelt an der Reuss bei Ottenbach: Referent Philip Douglas mit Lebenspartnerin Monika Gillmann, flankiert von Barbara Roth, Geschäftsführerin der Weiss Medien AG und «Anzeiger»-Chefredaktor Werner Schneiter. (Bild Thomas Stöckli)

Er ist Pionier im Bereich Leih-Velos und darf das künftige Swiss-Army-Bike liefern – Gastredner Philip Douglas, Gründer und Mitinhaber der Simpel GmbH in Maschwanden, thematisierte am «Rüüss-Abig» des «Anzeigers» Velobilität und seinen Werdegang.

Von Thomas Stöckli

1000 gelbe Velos aus dem Säuliamt verkehren bereits in Mainz. Ende Jahr erhält die Schweizer Armee eine neue Velo-Flotte – Wartungsvertrag über 10 Jahre inklusive. Philip Douglas hat es geschafft: Die Simpel GmbH aus Maschwanden sorgt national und international für Aufsehen. Eine «wahre Märchengeschichte» nannte «Anzeiger»-Chefredaktor Werner Schneiter die Entwicklung des Ämtler Unternehmens.

Mit Velos gegen Stau

«Velos waren immer eine Leidenschaft», verrät Philip Douglas und berichtet, wie er erst nur damit fuhr, dann begann, sie zu reparieren und sich schliesslich zum Velo-Mechaniker ausbilden liess. Seine Mutter habe ihm zwar davon abgeraten, er selber habe den Entscheid allerdings nie bereut, so der Maschwander. Sein zweites Steckenpferd war das Internet, was also lag näher, als diese beiden Gebiete zu kombinieren? Die Idee: Wartungsarme Velos im Direktvertrieb. So gründete er im September 2000 gemeinsam mit Joachim Schneebeli die Simpel GmbH. «Wir hatten nie vor, eine grosse Firma zu gründen», so Douglas. Doch aus der Idee wurde bald ein Fulltime-Job und schliesslich begannen die beiden, Leute einzustellen.
«Die Leute sollten mehr Velo fahren, dann gibt es keinen Stau mehr», schlägt der Redner pragmatisch vor. Für verschiedene Städte und Unternehmen konnte Simpel bereits massgeschneiderte Lösungen liefern. «Spannende Projekte, die etwas bewegen», so Philip Douglas. Mit viel Leidenschaft hat sich das Simpel-Team etwa in Mainz gegen die internationale Konkurrenz behauptet. Rund 1000 Velos durften die Maschwander für das Verleihsystem «Mein Rad» herstellen und liefern. «Leute an die frische Luft zu bringen, das ist genial», so Douglas euphorisch.

«Das Militärvelo ist ein Stück Schweizer Geschichte»

Schweizweit für Furore gesorgt hat der Auftrag für die Schweizer Armee. «Das Militärvelo ist ein Stück Schweizer Geschichte», sagt Philip Douglas. Sehr viel Zeit hat er deshalb in die Bewerbung investiert, ohne zu wissen, ob überhaupt eine Chance bestand, den Zuschlag zu erhalten. Das Velo selber war weitgehend vorgegeben, doch beim Wartungskonzept, wie sich die Fahrräder zehn Jahre lang in Schuss halten lassen, konnte der Maschwander seine ganze Erfahrung einbringen.
Drei Monate nach der Bewerbung folgte die Zusage in einem schlichten Brief. Die Tragweite sei ihm allerdings erst bewusst geworden, als die Medien auf ihn einstürmten. Schmerzhaft sei es gewesen, wie seine Velos mit der Gripen-Diskussion verflochten wurden, gesteht Douglas rückblickend.
Nun startet Simpel den Versuch, öffentliche Velo-Mobilität – kurz Velobilität – aufs Land zu bringen. Zwischen Maschwanden und Mettmen-
stetten sollen seine E-Bikes vorerst verkehren – vielleicht wird daraus ja irgendwann ein flächendeckendes Angebot im Säuliamt ...?