Bezirk Affoltern
11.06.2019

Ganz Friedli mit Presley

«Bye Ottenbach!» nachdem Bänz Friedli – mit seinem «Fixstern» - die Bühne verlassen hat, bleiben zwei Fläschli zurück: Der King trinkt nur Pepsi. (Bild dbo)

«Bye Ottenbach!» nachdem Bänz Friedli – mit seinem «Fixstern» - die Bühne verlassen hat, bleiben zwei Fläschli zurück: Der King trinkt nur Pepsi. (Bild dbo)

Der Kabarettist, Kolumnist und Autor Bänz Friedli packte Parodien, Witz und Scharfsinn in einen Non-Stop-Comedy-Abend, der einige geistige Wachheit vom Publikum erforderte. Unterstützt wurde er dabei vom King of Rock’n’Roll himself.

Von Denise Bohnert

Elvis war zuerst da, auf der Welt und auf der Bühne im Gemeindesaal Ottenbach. Jung und buschper, mit aufmerksamem, fast erstauntem Blick – ganz in Karton. «In the Ghettooo…» klingt schon mal leise und etwas subversiv durch den Raum, wo sich das Publikum, 150 Personen waren es wohl, noch angeregt gesprächelnd, installiert. Und dann kommt Bänz.

Im Thurgauer Dialekt legt er gleich los, bedauert die Ostschweizer etwas, denn: «Kennt ihr einen Thurgauer Kabarettisten?» «Eben.» Und schwupps wechselt er auf Berndeutsch; was sind die beliebtesten Dialekte? Bääärn, dann Wollisser und auch Bündnerisch. (Obwohl in den frühen Schweizer Filmen die Schurken jeweils Bündnerisch sprachen!) « Ich bin sympathisch geboren, als Berner.» Und lebt heute in Zürich, wo Elvis und er am Theater am Hechtplatz mit «Was würde Elvis sagen?» eine fulminante Premiere hatten. «Ein unverschämt wortgewaltiger und lustiger Abend!», so äusserte sich Frölein Da Capo auf Instagram. «Der Bund» schrieb: «…die Schweiz ist der eigentliche Echoraum für das Kabarett von Bänz Friedli, der über seine Pendlerkolumnen zur Bühne kam.»

Dialektphilosophie und Sprachwitz

Und woher kommt die Sympathie für die Sprache der Bundeshauptstadt? ( – und Umland natürlich!) Liegt es etwa an der ihr innewohnenden Verhaltenheit? Soog, siech, seigti – sogar die obligate Frage der Schnorrer am Bahnhof steht praktisch «unger Dänkmaauschutz». Bern habe den Konjunktiv erfunden, meint Friedli und holt dazu weit aus. Was in Zürich kurz und prägnant «Schafseckel» heisst, wird auf Bernerisch sprachlich umschifft mit: «De lieb Gott het aller Gattig Choschtgänger.» Elvis würde da sagen: «You ain’t nothing but a hound dog.»

Wegen des unübertroffen zärtlichen – wenn gehaucht – Kosenamens Siidebolle kann er sogar für Baselditsch Sympathie aufbringen; Schnüfeli, Häxli, Fäderli können da nicht mithalten, min Lappi (von LAP Lebensabschnittpartner), min Göga (Göttergatte) oder gar mein Feuchtgebietchen schon gar nicht. Miine oder d’Regierig findet er ganz schlimm, da ist ganz einfach Schatz, wie jemand aus dem Publikum preisgibt, schon eher alltagstauglich. «Love me tender…»

Auch das Publikum ist gefordert

Besucht man einen Abend mit Bänz Friedli muss man ganz schön wach sein – und generell auf dem Laufenden. Behende springt er von Federer zur Fifa, von Ueli zu Donald, von Waffenexport – nur zu Trainingszwecken, klar – zu digital Farming und künstlicher Intelligenz, von der schlimmsten Unterführung in Schlieren zu Dolly Parton, über Matullo-Blocher, Amherd, LGBT*fluid und Fitness zu Religion als Sinnstiftungsmarkt: «Elvis ist mein Fixstern.» Und auch dieser outet sich: «You saw me crying in the Cha-apel». Auf Bänzens T-Shirt prangt der King gleich im Doppel, Klon, Spiegelbild, Zwilling – der Unvergleichliche, oft kopiert. Sogar in Graceland selber soll Elvis mal aus einem Diner geflogen sein, als er einen Burger mit etlichen Specials bestellte; der Wirt meinte, er habe die Nase voll von den ewigen Elvis-Doubles. Ein wunderbares Zitat von John Lennon: «Before anybody did anything, Elvis did everything.» Der gewisse Hüftschwung – und die Welt war nicht mehr dieselbe. Oder die Frise natürlich. Über Coiffeure hat Friedli einiges zu sagen – bis hin zum neuzeitlichen Jugendjargon mit Migrationshintergrund: «Oh mein Gott, mini Haare!» Da hätte Elvis sicher auch noch einige Tipps parat.

Der überaus vife Kabarettist bot dem Ottenbacher Publikum – ein paar bekennende Aargauer waren auch dabei – nebst einem kompakten Programm in rasantem Tempo auch einige lokale Anspielungen – zum Stau, kaum komme man auf der grossen Kreuzung nach Ottenbach rein und zu den Bemühungen um deren Umgestaltung zu einem Dorfplatz; auch die Gemeindepräsidentin wurde nicht ausgeschlossen: Normalerweise deuteten Doppelnamen auf SP hin, aber diese sei parteilos, das sei gäbig. Und zum Schluss gabs noch eine Bewertung: «Das isch mal e Gmeindsversammlig gsi! Sächs Stärne für ds Publikum!» Tourdaten liegen bis 2020 schon vor.