Bezirk Affoltern
02.12.2019

Augen zu – Film ab!

Rund 30 Filmbegeisterte engagieren sich ehrenamtlich im Verein Kinofoyer Lux.<em> (Bild Livia Häberling)</em>

Rund 30 Filmbegeisterte engagieren sich ehrenamtlich im Verein Kinofoyer Lux. (Bild Livia Häberling)

Am Freitag und Samstag feierte der Verein Kinofoyer Lux sein Jubiläum. Das Geburtstagskind wünscht sich einen gemeinsamen Ort für Kultur – und jungen, frischen Wind im Team.

Von Livia Häberling

Wer nur das sah, was war, sah diesmal nichts.

Nichts, ausser drei Herren auf einer Bühne. Nichts, ausser Lampenschirmen, Tischen, Notenständern oder Mikrofonen. Nichts, ausser Saiten oder Tasten, Klappen oder Tonlöchern.

Wer aber die Augen schloss, sah plötzlich all das, was nicht war.

Friedrich Glausers Wachtmeister Studer, der mit seiner Frau Hedwig die Koffer in eine neue Wohnung schleppt, der ins Bett fällt, schweissgebadet, fiebrig, wahnsinnig. Da war Gekeuche und Gehuste, Gefluche und Gejammer. Bohrende Nägel, rasende Züge, dröhnender Kopfschmerz, knarrende Schuhe.

Mit Klavier und Kontrabass, Gitarre oder Klarinette, Maultrommel oder indischem Harmonium intonierte das Glauser Quintett in seinem literarischen Konzert grosse Sorgen in leisen Tönen. Ihre Darbietung war nicht nur das Mittelstück dieses Krimifestivals, sondern auch das Herzstück. Weil es bot, was das «Lux» seit dreissig Jahren bietet: Kino für den Kopf.

«Kulturelles Leben gehört zu einer Stadt»

Mit dem Film «A bout de souffle» startete das Kinofoyer Lux im Jahr 1989 sein Programm. Zwei Jahre, nachdem das Kino beim Bahnhof Affoltern seine Türen schloss. Fördern wollte der neugegründete Verein damals Filme, «die aufgrund ihrer künstlerischen Gestaltung, ihres historischen Interesses, ihres Zeugnischarakters oder ihrer formalen Neuigkeit sehenswert sind.»

Das Konzept: Ein übergeordnetes Thema als roter Faden, eine handverlesene Filmauswahl, die das repräsentiert. Im Frühjahr 2017, da ging man «Eigene Wege» – mit «The Danish Girl» oder «Vergine giurata». Dann kam der Herbst, zum Beispiel jener im Jahr 2018, da hiess das Programm dann: «S Läbe isch nöd eifach», und zu sehen gab es unter anderem «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri» oder «Dene wos guet geit».

Ab und zu schafften es auch sogenannte Mainstream-Filme in die Auswahl, vorwiegend aber seien es solche mit Arthouse-Charakter, sagt Kathrin Mühlemann. Sie ist seit 20 Jahren dabei und beim halbjährlichen Treffen meistens in die Filmauswahl involviert. Mit der Zeit entwickle man eine gewisse «Nähe zum Publikum» könne besser erahnen, was gefalle, sagt sie. Doch so ganz herausgefunden habe man es dennoch bis heute nicht, sagt Marina Gantert. Auch sie gehört seit vielen Jahren zum «Lux»-Team – genauer gesagt: seit Beginn. Manchmal sei der Saal voll, und dann, an anderen Tagen, seien es ein paar wenige Gäste. Zum heutigen Jubiläumsanlass sind zirka fünfzig Personen gekommen, und natürlich hätten es aus ihrer Sicht ein paar mehr sein dürfen. Der Reiz, sagt Gantert, liege für sie darin, einen Treffpunkt zu schaffen, um gemeinsam mit anderen etwas zu erleben. Und: etwas zur Kultur beizutragen. Für sie ist klar: «Ein kulturelles Leben gehört zu einer Stadt.»

Ein gemeinsames Zentrum statt Kulturanlässe im Schulhaus

«Nach Studer ist vor Studer», heisst die heutige Devise. Nach dem Auftakt des Glauser Quintetts wartet «Studers erster Fall» auf das Publikum, doch zuerst wird gemeinsam gegessen. Nicht immer seien die Stühle und Tischbänke im Schulhaus Ennetgraben so voll wie heute, sagt Marina Gantert. Sie ist dankbar, dass der Verein die Räume nützen darf, würde sich jedoch wünschen, dass es in Affoltern einen Ort gäbe, an dem Kultur stattfinden könnte. Zwar installiert das Lux-Team rund um die Bar jeweils eine eigene Beleuchtung, dennoch sei es schwer, in einem Schulhaus eine stimmige Atmosphäre zu schaffen. Die Räumlichkeiten würden kaum zum Verweilen einladen. Anders wäre das mit einem gemeinsamen Kulturzentrum, ist sie überzeugt: «Damit würde sich auch das Publikum verändern.»

Gerade jüngere Leute wollten nicht an einem Ort in den Ausgang, an dem sie vor Kurzem noch zur Schule gingen, glaubt sie. Ein jüngeres Publikum würde der Verein jedoch gerne vermehrt ansprechen. «Wir würden uns über neue Mitglieder mit frischen Ideen freuen», sagt Marina Gantert.