Bezirk Affoltern
09.01.2020

Der Biber kehrt zurück

Der Biber von Zwillikon hinterlässt charakteristische Spuren seines Nagetriebs. <em>(Bild Stefan Schneiter)</em>
Biber kriegt man selten zu Gesicht. <em>(Bild Christof Angst/Biberfachstelle Schweiz)</em>

Der Biber von Zwillikon hinterlässt charakteristische Spuren seines Nagetriebs. (Bild Stefan Schneiter)

Der Biber von Zwillikon hinterlässt charakteristische Spuren seines Nagetriebs. <em>(Bild Stefan Schneiter)</em>
Biber kriegt man selten zu Gesicht. <em>(Bild Christof Angst/Biberfachstelle Schweiz)</em>

Biber kriegt man selten zu Gesicht. (Bild Christof Angst/Biberfachstelle Schweiz)

In Zwillikon hat sich ein Biber eingelebt. Das Tier selber ist zwar kaum zu sehen. Doch Frassspuren beim Zwillikerweiher/ Jonenbach zeigen eindeutig, dass es dem Nager hier gefällt.

Von: von stefan schneiter

Anwohner Martin Stutz ist begeistert: «Toll, dass es hier Biber gibt. Ich bin in Zwillikon aufgewachsen und lebe seit über 25 Jahren wieder hier. Aber ich kann mich nicht erinnern, je einen Biber gesehen zu haben.» Vor drei Tagen hat er zwar nicht den Biber, aber die unübersehbaren Frasspuren gesehen, beim Zwillikerweiher/Jonenbach, unmittelbar neben der Brücke der Zwillikerstrasse. «Der Biber ist etwas Spezielles. Dass er hier auftaucht, ist auch ein Zeichen, dass die Natur wieder zurückkommt», fügt Martin Stutz hinzu.

Die Spuren sind in der Tat eindeutig. Mehrere Bäume sind durchgenagt, knapp über dem Boden. Rund um den Baumstumpf liegen feine Holzspäne. Im Wasser liegen die geknickten Stämme. Am meisten «gewütet» hat der Biber unmittelbar beim Jonenbach neben dem Übergang der Zwilliker-strasse. An diversen weiteren Stellen entlang dem Bach sind eine Reihe abgenagter Bäumchen zu sehen..

Seit wann der Biber sich in Zwillikon eingelebt hat ist, nicht klar. Urs Wegmann vermutet, dass das Tier im Sommer 2019 hierhergekommen ist. Der Leiter der Biberfachstelle Kanton Zürich kam kürzlich in Zwillikon für eine Bestandesaufnahme vorbei. Aufgrund der Frassspuren geht Wegmann davon aus, dass es sich um einen einzelnen Biber und nicht um mehrere Tiere handelt. Der Biber ist ein Vegetarier, er frisst aber nicht eigentlich das Holz der Bäume, sondern die Rinde und die Knospen. Die Frassspuren sind jetzt am besten zu erkennen, darum ist nun die beste Jahreszeit für eine Bestandesaufnahme. Rund 70 Freiwillige sind derzeit im ganzen Kanton Zürich daran, die Bestände aufzunehmen. Sie durchstreifen die Gebiete entlang den verschiedenen Gewässern und erfassen die Populationen.

Alle drei Jahre lässt die kantonale Fischerei- und Jagdverwaltung erheben, wo und in welcher Zahl sich Biber angesiedelt haben. Das Bibermonitoring 2017 ergab, dass damals knapp 400 Biber auf Kantonsgebiet in 106 Revieren leben. Der Bestand nimmt stetig zu, jährlich um rund 8 Prozent. In den letzten Jahren vor allem entlang der Reuss, Limmat, Töss und Glatt. Mit einer Zunahme der Population ist laut Monitoring 2017 im Einzugsgebiet von Reuss und Lorze zu rechnen.

«Billigster Naturschützer»

Konkret hat, neben Zwillikon, kürzlich auch ein Biber an der Reppisch ein Revier eingenommen, bei Dietikon, wie die «Limmattaler Zeitung» im Dezember 2019 vermeldet hat. Ob diese zwei Fälle schon einen Trend für ein weiteres Anwachsen der Biberbestände belegen, ist schwer zu sagen. Bestätigen will dies Jürg Zinggeler von der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung vor dem Vorliegen aktueller Zahlen noch nicht. «Doch es gibt durchaus noch Gebiete im Kanton, die der Biber besiedeln kann.» Er vermutet daher, dass der Bestand weiter steigen wird. Denn der Biber sei eine sehr anpassungsfähige Art. «Es braucht wenig, dass es dem Biber an einem Ort gefällt. Es muss Nahrung da sein sowie ein Gewässer, stehend oder fliessend.» Für Zinggeler ist der Biber der «billigste Naturschützer, den wir haben». Überall, wo er auftauche und tätig sei, werde der Lebensraum wesentlich aufgewertet und dynamischer. «Durch seine Fällaktionen bringt er Licht an den Waldboden und in Gewässer. Wo er staut, kommen neue Arten dazu. Das bringt neue Strukturen und Lebensräume für andere Arten.»

Auch Urs Wegmann will noch keine Prognosen wagen, bevor in diesem Sommer neue Zahlen vorliegen. «Was man aber sicher sagen kann: Es gibt noch einige Gewässer im Kanton Zürich, die potenzielle Lebensräume für Biber bieten.» Das gelte insbesondere für den südlichen Kantonsteil. Während im Norden des Kantons Zürich der Biber schon vielerorts verbreitet ist, gibt es rund um den Zürichsee und im Bezirk Affoltern noch «Biberpotenzial».

Für eine weitere Ausbreitung des Bibers spricht auch – sofern die natürlichen Gegebenheiten das zulassen – das natürliche Verhalten der Nagetiere. Jungtiere haben normalerweise im zweiten Lebensjahr jeweils im Frühling oder Frühsommer das Revier ihrer Eltern zu verlassen und müssen sich einen neuen Lebensraum suchen. Gefällt es ihnen dort, so ist es möglich, dass sie sich ein Leben lang einrichten. Darum sagt Wegmann: «Es ist davon auszugehen, dass der Biber in Zwillikon bleiben wird.»