Bezirk Affoltern
09.01.2020

Ein Bilderbuch gegen die Meeresverschmutzung

Naturschützerin Katharina Heyer freut sich über das Bilderbuch. <em>(Archivbild rz)</em>Ford, die Socke, hilft einem Wal, dessen Bauch voller Plastikabfälle ist, und bringt den für Tiere tödlichen Müll auf das Boot von firmm. <em>(Illustration Jorge Voss)</em>

Naturschützerin Katharina Heyer freut sich über das Bilderbuch. (Archivbild rz)

Ford, die Socke, hilft einem Wal, dessen Bauch voller Plastikabfälle ist, und bringt den für Tiere tödlichen Müll auf das Boot von firmm. (Illustration Jorge Voss)

«Die Traurigkeit eines Wales ist tiefer als das Meer» heisst das kleine Kinderbüchlein. Es erzählt von der Socke Ford, die einen Wal von Plastikmüll befreit und diesen Abfall auf das Boot von firmm.org bringt, der Organisation der Affoltemerin Katharina Heyer, die sich dem Schutz von Meeressäugern verschrieben hat.

von regula zellweger

«Schätzungsweise 86 Millionen Tonnen Plastik schwimmen in unseren Ozeanen. Jedes Jahr gelangen geschätzte 4,8 bis 12,7 Mio. Tonnen Plastikmüll in die Meere. Plastik ist ein Material, das biologisch nicht abbaubar ist und immer wieder in die Mägen von Walen, Möwen, Meeresschildkröten und anderen Tieren gelangt. Plastikteile können im Hals stecken bleiben oder den Verdauungstrakt verstopfen – und so die Atemwege und die Nahrungsaufnahme der Tiere blockieren», teilt der WWF mit.

Dieses Thema nahm der spanische Illustrator Jorge Voss auf und setzte sich mit firmm.org, der Organisation von Katharina Heyer zum Schutz von Meeressäugern, in Verbindung. Entstanden ist ein Bilderbuch für Kinder von 5 bis 10 Jahren, das motiviert, sich mit Meeresmüll und Mikroplastik als eine besondere Bedrohung für Wale und Delfine zu befassen.

Eine Socke als Hauptdarsteller

Wer kennt nicht das Phänomen des Sockenfressers in der Waschmaschine. Aus unersichtlichen Gründen bleibt von einem Paar eine einzelne Socke übrig. Lilian Stross, Schweizer Partnerin von Jorge Voss, erzählt: «Bereits zu Beginn unserer Beziehung entstanden die Geschichten von ‹Ford – Niemand mag eine alleinstehende Socke› für Erwachsene und ‹Ford – Abenteuer einer alleinstehenden Socke› für Kinder. Eine Idee jagte die andere, gemeinsam wuchs die Geschichte.» Ford ist eine sympathische Persönlichkeit: «An der Persönlichkeit der Socke gefällt mir, dass sie etwas Neues ist. Jeder kennt diese einzelnen Socken, die ‹alleinstehend› eigentlich keinen grossen Wert mehr haben… oder eben doch», erklärt Lilian Stross. «Mir gefällt, dass Ford mutig, aber auch scheu ist, einfühlsam und manchmal vorwitzig. Ford macht es leicht, mit Kindern über Emotionen und über schwierige Themen zu sprechen. Zudem hat man mit Ford und seinen Freunden die Möglichkeit, hunderte von Geschichten zu erzählen und Reisen in alle Ecken der Welt zu machen. Ford will Positives, Motivierendes vermitteln. Auch, dass Träume wahr werden können.»

Zusammenarbeit

«Die Traurigkeit eines Wales ist tiefer als das Meer» ist in enger Zusammenarbeit mit Katharina Heyer entstanden. Gemeinsames Ziel ist die Botschaft: «Die Lage betreffend Meeresverschmutzung ist sehr ernst. Aber gemeinsam haben wir die Kraft, Gutes zu tun und Grosses zu bewirken – seien wir oder fühlen uns auch manchmal noch so klein. Und natürlich, dass wir uns für die Natur und all ihre Geschöpfe einsetzen sollen, mit unserem ganzen Herzen.»

Katharina Heyer freut sich sehr über die Zusammenarbeit: «Jorges Art zu zeichnen gefiel mir sehr gut und dass er als Hauptthema die Meeresverschmutzung mit Plastik gewählt hat, passt bestens. Er hat einen Pottwal miteinbezogen. Da dieser anfänglich namenlos war, habe ich ihm den Namen Observador gegeben. Wir haben schon seit Langem einen Pottwal als Paten-Tier mit diesem Namen.»

Projekt firmm in Tarifa

Das Ende der Geschichte spielt auf einem der firmm-Boote. Ford bekommt Hilfe von der Crew des firmm-Bootes. Katharina Heyer gibt Erwachsenen und Kindern die Möglichkeit, mit ihr bei Tarifa in der Nähe von Gibraltar aufs Meer hinauszufahren, um Meerestiere zu beobachten. Für Kinder ist es ein unvergessliches Erlebnis, in den Ferien Delfine und Wale zu beobachten. Mit etwas Glück sehen sie auch Observador. Kinder werden so für das Problem der Meeresverschmutzung sensibilisiert. «Das Meer lieben. Das Meer lieben heisst uns selbst lieben», heisst es im Bilderbuch.

Katharina Heyer hat mit 55 Jahren ihren Beruf aufgegeben und in Tarifa das Projekt firmm aufgebaut. Sie und ihr Team fahren seit über 20 Jahren nicht nur mit Touristen aufs Meer, sie forschen auch im Auftrag der Universität Basel. Vor einem Jahr bekam Katharina Heyer dafür den Ehrendoktortitel. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Kommunikation zum Schutz dieser Tiere. Dafür können Schulen eine Referentin von firmm einladen und im Frühling wird das Büchlein in der Lehrer-Fachpublikation «Bildung Schweiz» als empfohlenes Bilderbuch vorgestellt.

Infos und Bezug von «Die Traurigkeit eines Wales ist tiefer als das Meer»: www.ford-die-socke.ch. Das Büchlein kann auch zu 9 Franken in der Buchhandlung Scheidegger in Affoltern gekauft werden. Für Schulen ab 20 Exemplare 6 Franken. Erhältlich ist auch die Biografie von Katharina Heyer: «Herzenssache - Mein Leben mit den Walen und Delfinen in der Strasse von Gibraltar. Informationen zu firmm: www.firmm.org. Öffentliche Jahresversammlung mit einem Vortrag zur Meeresverschmutzung am 22. Februar in Aarau.