19.03.2020

Auf Lanzarote blockiert

Erika Schmid und Bernhard Schneider am Samstag auf dem Mirador de Haria, als man sich auf Lanzarote noch frei bewegen durfte. Seit Sonntag darf das Haus oder Hotel nur noch in Ausnahmefällen verlassen werden. (Bild Erika Schmid)

Erika Schmid und Bernhard Schneider am Samstag auf dem Mirador de Haria, als man sich auf Lanzarote noch frei bewegen durfte. Seit Sonntag darf das Haus oder Hotel nur noch in Ausnahmefällen verlassen werden. (Bild Erika Schmid)

Als Kommunikationsspezialist verfolgte Bernhard Schneider die Entwicklungen mit dem Corona-Virus intensiv und ­entschied sich, die Reise nach Lanzarote anzutreten. Eine intensive ­Trainingszeit auf den Kanaren gehört zu seinem ­jährlichen Trainingsplan als erfolgreicher Ironman. Nun sitzen der Journalist, der regelmässig für den «Anzeiger» schreibt, und seine Frau Erika Schmid fest.

Von: Regula Zellweger

Bernhard Schneider und Erika Schmid planten, für zwölf Tage nach Lanzarote ins Trainingslager zu reisen. «Die ­Hotelquarantäne mit 1000 Leuten in Teneriffa hat uns zwar verunsichert, doch hat die kanarische Provinzregierung vor unserem Abflug bekannt gegeben, dass aufgrund dieser Erfahrungen keine Hotels mehr geschlossen werden und gesunde Touristen insbesondere auf der von Corona nicht betroffenen Insel Lanzarote höchst willkommen seien. Nach unserem zweiten Trainingstag auf der Insel verfolgten wir die Orientierung des Bundesrats am Freitag und waren damals noch immer der Ansicht, für uns und unser Umfeld das Ansteckungsrisiko in ­Lanzarote eher zu vermindern.»

Enttäuschende Fluggesellschaften

Bernhard Schneider bietet in seiner Agentur auch Krisenkommunikation an. «Wir haben uns für unsere Kunden seit Beginn der Corona-Krise laufend und intensiv informiert. Nachdem am Samstag die spanische Regierung ein sofortiges Ausgehverbot für alle Gebiete – unabhängig von der regionalen Gefährdungslage – verfügte, versuchten wir, möglichst rasch zurückzufliegen. Unsere Flex-Tickets erlauben das Umbuchen explizit.» Der Flug konnte aber auf der Swiss-Plattform nicht verschoben werden. Auf die Verschiebungsanfrage per E-Mail blieb die Antwort aus.

Die Medienorientierung des Bundesrats vom Montag haben Bernhard Schneider und seine Partnerin online mitverfolgt und vertrauten darauf, dass Swiss und Edelweiss sich bemühen würden, Schweizer nach Hause zu bringen. «Diesen Eindruck können wir bisher nicht bestätigen.»

Lage laufend beurteilen

Grundsätzlich findet Bernhard Schneider die Massnahmen des Bundesrates sinnvoll. «Es ist wichtig, sie zu befolgen, damit sie nicht weiter verschärft werden müssen. Es sind vor allem uneinsichtige Leute, die immer weitergehende Einschränkungen provozieren.»

Der Ottenbacher Kommunikationsberater stellt dem Bundesrat ein gutes Zeugnis aus: «Er nimmt seine Führungsfunktion wahr, versucht, eine möglichst grosse Wirkung ohne unnötige Einschränkungen zu erzielen, erklärt die Situation immer wieder aufgrund der stets aktualisierten Faktenlage und hört sowohl den Fachleuten als auch den Kantonen zu. Im Nachhinein wird es einfach sein, zu kritisieren, was man hätte tun sollen und was nicht.»

Bernhard Schneider macht sich im «unfreiwilligen Arrest» im Hotel intensiv Gedanken zur Situation: «Ich glaube, in derart komplexen Fragen soll man nur das beurteilen, wozu man kompetent ist. Zudem ist es wichtig, dass eine Strategie durchgezogen wird. Das hat der Bundesrat getan. Ich bin kein Virologe und kann mich nur auf Informationen von Fachleuten stützen. Ich stelle dabei fest, dass die Bedrohungslage täglich weltweit als steigend beurteilt wird. Sowohl der Bundesrat als auch die spanische Regierung reagieren laufend auf neue Erkenntnisse, was in einer solchen Situation grundsätzlich richtig ist.» Und mit einem Seitenhieb auf Nationalrat Köppel und
den Präsidenten der USA ergänzt er: «Ich halte es nicht mit Leuten, die lieber über Twitter ihre Frustrationen kundtun, statt sich zuvor seriös zu ­informieren.»

Hat der Bundesrat zu spät reagiert? «Es entspricht unserem föderalistischen Staatsaufbau, dass die Kantone in Eigenverantwortung weitergehende Beschränkungen verfügen können. Dies kann man dem Bundesrat nicht anlasten. In Spanien wird eher gegenteilig kritisiert, der Zentralstaat gehe nicht auf die Besonderheiten externer Territorien wie der Kanaren ein, denn trotz geringerer Bedrohungslage sind die Regeln hier viel strikter als in der Schweiz.»

Rückreise als Hürdenlauf

Bis jetzt war für die beiden Sportler bei Swiss und Edelweiss kein Durchkommen – und wenn, verwies man auf die jeweils andere Fluggesellschaft. Sehr zufrieden sind sie aber mit dem Versicherungsbroker bei Intus und der ­Reiseversicherung der Zürich Versicherung. Diese versucht nun, einen Rückflug zu organisieren. «Die heutige Erfahrung mit der Zürich Versicherung zeigt, wie die Mitarbeiterin, mit der wir in Kontakt stehen, sich ernsthaft, kompetent und empathisch darum bemüht, eine Lösung für uns zu finden.»

Angst hat Bernhard Schneider nicht, und fügt mit einem Schmunzeln hinzu, das Hotel sei bestens bewacht – die Polizei überprüfe sogar innerhalb des Areals, dass niemand versucht, zu joggen. «Wenn sich eine Situation in eine unerwünschte Richtung verändert, bin ich natürlich zuerst gestresst, bis ich mich damit abgefunden habe. Wir wissen nicht, ob dies noch Tage oder Wochen anhält, aber wir sind gleichzeitig nur einem beschränkten Risiko ausgesetzt, auch, weil wir uns sehr bemühen, die Präventionsempfehlungen einzuhalten.»

Wann die Rückreise erfolgen wird, steht in den Sternen. «Einerseits wollen alle, wie wir, so rasch wie möglich nach Hause fliegen. Anderseits bestehen in Spanien enorme Einschränkungen betreffend Flüge. Die Flugzeuge dürfen nur noch schwach besetzt sein. Sie müssen leer herfliegen, was die Airlines wirtschaftlich zusätzlich zu den Umsatzeinbrüchen belastet.»

Schlechte Noten für Swiss

Bernhard Schneider stellt persönlich bei Swiss und Edelweiss erhebliche Kommunikationsdefizite fest: «Die Hotlines der beiden Airlines wären viel weniger überlastet, wenn sie ihre Fluggäste aus eigener Initiative orientieren würden, wenn sie einen Flug streichen. Wir wurden heute von der einen Hotline zur anderen verwiesen, wobei dies jedes Mal eine lange Wartezeit von bis zu einer Stunde bedeutete. Mit dem Resultat, dass wir infolge einer anfänglichen Falschauskunft der Swiss die letzten Plätze auf einem Flug verpassten.» Am Abend konnte Bernhard Schneider über die Swiss Plattform erfahren, dass der Rückflug in der Buchung fehlte: «Ihre Flugbuchung lässt sich nicht vollständig darstellen. Wenden Sie sich direkt an Ihre Verkaufsstelle!» So bewirkt die Swiss viel Verärgerung und Überlastung der Hotline. Auf die Frage, wann sie zurückkommen, erfolgte die Antwort: «Ehrlich gesagt, es wäre mir ganz angenehm, wenn ich diese Frage beantworten könnte.»

Der «Anzeiger» hat sich bei der Medienstelle der Swiss per Mail erkundigt. 24 Stunden nach der Frage keine Antwort! Fortsetzung folgt.