14.05.2020

Ämtler Gesundheitswesen geht gestärkt aus der Coronakrise

Noch bis am Sonntag: Triagestelle des Zivilschutzes vor dem Spital Affoltern. (Bild Thomas Stöckli)

Noch bis am Sonntag: Triagestelle des Zivilschutzes vor dem Spital Affoltern. (Bild Thomas Stöckli)

Mit vereinten Kräften haben die Gesundheits- und Pflege­einrichtungen im Knonauer Amt die Auswirkungen der Corona-­Pandemie bisher unter Kontrolle halten können. Eine wichtige Koordinationsrolle fiel dabei dem Zivilschutz zu. Doch ihm droht 2021 ein happiger personeller Verlust.

Von: Thomas Stöckli

Seit Mitte März triagiert der Zivilschutz vor dem Spital Affoltern Patienten und Besucher und achtet auf die Einhaltung der Einschränkungen und der Hygienemassnahmen. Am Sonntag endet nun dieser Pandemie-Einsatz. An der 33. ­Delegiertenversammlung des Ämtler Sicherheitszweckverbands spendeten die Vertreter der Ämtler Gemeinden spontan Applaus, welchen Kommandant Fredi Haab, dessen Vize Richard Kägi und ­Gabriela Bolleter, Leiterin Bezirkszivilschutzstelle stellvertretend für die ganze Truppe entgegennahmen.

Vor dem Spital-Einsatz hatten rund 40 Ämtler Zivilschützer schon an der «Corona-Hotline» Fragen beantwortet. Und nicht zu vergessen: Zwischen Weihnachten und Neujahr half die ZSO Albis, als im Haus zum Seewadel das Norovirus ausbrach. Insgesamt 41 Zivilschützer unterstützten dort in Gruppen von bis zu sechs Mann in Schichten à 10 bis 13 Stunden bei der Pflege und beim Verteilen der Mahlzeiten, beim Reinigen, Desinfizieren und Waschen. «150 Leute engagierten sich für hochansteckende Patienten», fasst Fredi Haab die letzten Monate zusammen, «und das Erfreuliche: kein Einziger hat sich angesteckt.» «Das Personalmanagement ist uns sehr gut gelungen», so Haab weiter. Kurze Einsätze hielten die Konzentration hoch. Weiter wurden die Zivilschützer nicht auf Reserve, sondern aufgrund der Verfügbarkeit gezielt für Einsätze aufgeboten, was nicht nur bei den Zivilschützern und deren Arbeitgebern gut ankommt, sondern auch die Motivation erhöht und somit dem Auftraggeber dient. Die wahrscheinlich wichtigste Rolle spielte das Zivilschutzkommando in den vergangenen Wochen in der regionalen Koordination. So brachte es die Entscheidungsträger im Gesundheits- und Pflegewesen zusammen. «Das Netzwerk, das in den letzten Wochen im Gesundheitswesen gesponnen wurde, ist Gold wert – und das müssen wir jetzt auch pflegen», sagt Fredi Haab.

Die gegenseitige Unterstützungsbereitschaft der Institutionen im Material- und Personalbereich trug dazu bei, dass der Zivilschutz im Knonauer Amt nicht so stark forciert werden musste wie in anderen Regionen. Auch so stand die Hälfte des Bestands in den letzten ­Monaten im Ernstfall-Einsatz und so mancher Zivilschützer musste ausserhalb seiner eigentlichen Kernkompetenz wirken.

Radikaler Personalschnitt beim Zivilschutz
2021 droht nun allerdings eine drastische Verknappung der Zivilschutz-Ressourcen: Die Totalrevision des Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetzes (BZG) sieht eine ­Anpassung der Dienstpflicht an die ­Armee vor. Will heissen: die Dienstzeit des «Fussvolks» wird auf zwölf Jahre oder 245 Diensttage beschränkt. Somit würden 2021 auf einen Schlag alle mit Jahrgang 1989 oder älter entlassen – rund 50 % des aktuellen ­Bestands. Mit zusätzlichen Jungen kann der Wegfall auch nicht kompensiert werden, denn Corona-bedingt finden keine Ausbildungen statt. «Wir hoffen deshalb, dass der Kanton von der Möglichkeit Gebrauch macht, eine Übergangslösung anzubieten», so Fredi Haab. «Und wir hoffen auf die Unterstützung der Gemeinden, damit der Zivilschutz auch bei Grossereignissen einsatzbereit bleibt.» Konkret schwebt ihm eine Übergangslösung vor, nach der die acht betroffenen Jahrgänge über drei Jahre gestaffelt entlassen werden könnten. «Wir wollen nicht das ­Gesetz bekämpfen», stellt Haab klar, «aber wir wollen eine tragbare Umsetzung.»