«Abdankung» in der Gartenwirtschaft
Der Beschluss erfolgte Ende Januar, die «Abdankung» am letzten Samstag im Restaurant Weingarten in Affoltern: GastroAffoltern, die Vereinigung der Ämtler Gastronomen, hat sich mangels Interesse seitens der Mitglieder aufgelöst. Eine lose Vereinigung namens Gastro-Club Säuliamt besteht weiter.

In der lauschigen Gartenwirtschaft des Restaurants Weingarten in Affoltern versammelten sich am Samstag jene Gastronominnen und Gastronomen, die in den letzten Jahren stets Präsenz markierten. Und das sind nur knapp 10 der 60 Mitglieder von GastroAffoltern – zu wenig, um einen offiziellen Verein aufrecht zu erhalten. Der Auflösungsbeschluss erfolgte bereits Ende Januar anlässlich der 117. Generalversammlung im «Löwen» in Hausen. Einstimmig entschieden sich damals die rund 10 anwesenden Mitglieder für eine Fusion mit GastroZürich, die neue «Heimat» ist für die bisherigen Mitglieder im Bezirk Affoltern, sofern diese ihre Sozial- und Pensionskassenbeiträge über diesen Verband abrechnen.
«Es ist schade, dass es GastroAffoltern nicht mehr gibt, aber von den Mitgliedern bekamen wir kaum Feedback. Bis auf ein paar Wirte will sich in unserem Metier niemand mehr für verbandspolitische und andere Anliegen einsetzen», bedauerte Fredy Steck, ehemaliger «Burestübli»-Wirt in Sellenbüren, an der kleinen «Abdankungsfeier». «Folglich ist der Auflösungsentscheid richtig. Wir können GastroZürich auch so noch auf die Finger klopfen», ergänzte und scherzte Vreni Spinner, seit acht Jahren Präsidentin – die letzte in der 116-jährigen Geschichte.
Alte Zeiten hochleben lassen
So stiess man bei dieser Gelegenheit nochmals an und liess frühere Zeiten hochleben, als die Wirte im Säuliamt ihre Interessen gemeinsam vertraten und Veranstaltungen organisierten, die auf Echo stiessen. In Erinnerung geblieben ist vor allem ein kontradiktorisches Gespräch mit Schweizer Wirteverbandsspitzen und Politikern wie SVP-Nationalrat Toni Brunner im Hausemer «Löwen» – damals, als sich die Besenbeizen zu ernsthaften Konkurrenten der Restaurants aufschwangen. Oder, als GastroAffoltern noch Wirteverein des Bezirks Affoltern hiess, eine Veranstaltung im (längst geschlossenen) Maschwander «Hörnli» mit dem Auftritt eines wegen Korruptionsvorwürfen später verurteilten kantonalen Beamten – eine äusserst turbulente Veranstaltung mit kampfbetonten Voten vonseiten der Ämtler Wirte.
Tempi passati. Der Wandel erfasste und erschütterte natürlich auch die Gastronomie. Einige Restaurants schlossen auch im Säuliamt, oft mangels Nachfolge. Und Wirtewechsel sind heute alltäglich – fast jeder ist sich der Nächste und verspürt keinerlei Lust, sich innerhalb eines Verbandes für den Berufsstand und dessen Interessen einzusetzen.
Treffs ohne Traktandenliste
GastroAffoltern stellt nun zwar seine Aktivitäten ein und betreibt auch die Homepage nicht mehr, aber der «harte Kern» wird sich weiterhin treffen. Er hat deshalb den losen Gastro-Club Säuliamt ins Leben gerufen. In diesem Kreis trifft man sich zum Minigolfen oder weiterhin zum traditionellen Neujahrs-Umtrunk – ohne Traktandenliste und ohne Verpflichtungen für Wirtinnen und Wirte. Oder vielleicht unternimmt man wieder mal eine Reise. Die offizielle Schlussreise, organisiert vom ehemaligen Hausemer «Löwen-Wirt» und früheren GastroAffoltern-Präsidenten Beat Burkard, führte am 26. Juni auf den Stoos und auf den Vierwaldstättersee. «Ein schöner Schlusspunkt», war am Samstag allseits zu hören.


