Abschied nach 30 Jahren

Er konnte nicht Nein sagen», so beschreiben viele Obfelder ihren Schulabwart Benno Hagenbuch. Er sagte «Ja» und machte möglich, was er konnte. Benno Hagenbuch war aber mehr: ein Allrounder mit grosszügiger Dienstleistungsbereitschaft und weichem Herzen.

Eine Ära in der Primarschule Obfelden geht zu Ende. Benno Hagenbuch (Zweiter von links) wird pensioniert.
Eine Ära in der Primarschule Obfelden geht zu Ende. Benno Hagenbuch (Zweiter von links) wird pensioniert.

Esther und Benno Hagenbuch traten 1990 in die Fussstapfen von Lisa und Albert Gut, dem beliebten Abwart-Ehepaar des noch recht neuen Schulhauses Schlossächer. Damals mussten sich auch die Ehefrauen verpflichten, keiner anderen Erwerbstätigkeit nachzugehen und im Schulhaus mitzuarbeiten. Eine Tätigkeit als Schulabwart war Familiensache. Familie Hagenbuch wohnte im Schulareal, Schüler und ­Eltern klingelten zu allen Zeiten an der Türe der Abwartswohnung, ohne darüber nachzudenken, was die unablässigen Störungen für ein Familienleben bedeuten.

Esther und Benno Hagenbuch haben sich nie beklagt und begleiteten freundlich beim Holen von vergessenen Aufgaben und Turnsäcken. Sie schlichteten Streitigkeiten auf dem Schulhof, trösteten Lehrpersonen, und sprangen früher sogar für sie ein, unterrichteten eine Klasse, bis beispielsweise eine verspätete Lehrperson eintraf.

«Weisst du noch…», dieser Satz wird Esther und Benno Hagenbuch noch lange begleiten. «Weisst du noch, wie eine Lehrerin an einem späten Sonntagabend aus dem Wallis anrief und mitteilte, sie hätte den letzten Zug verpasst und würde erst um 10 Uhr eintreffen?» Esther Hagenbuch übernahm mit viel Freude die beiden Zeichenstunden – und die Schulpflege hat erst viel später davon erfahren. «Damals war es schon noch anders, lockerer.»

Wachsende Verantwortung

Im Laufe der Jahre übernahm Benno Hagenbuch von Familie Wüthrich die Schulanlage Chilefeld, später auch die Oberstufenschulhäuser von Käthi und Leo Kälin. Seine heutige Funktion heisst Chef Hauswartung für den ­gesamten Liegenschaftenbestand der Politischen Gemeinde. Anfang 2018 wurden die Schulgemeinde und die Politische Gemeinde zu einer Einheitsgemeinde zusammengeführt. Die Schulpflege wurde als eigenständige Kommission in die Gemeindeorganisation integriert, war aber weiterhin für alle Aufgaben der Volksschule zuständig. Der Präsident der Primarschulpflege, Werner Kurt, wurde Mitglied des ­Gemeinderates. Heute schätzt Werner Kurt den Zusammenschluss als sehr erfolgreich und gewinnbringend ein.

Die Liegenschaftenverwaltung und ­deren Mitarbeitende wurden in die Struktur der Gesamtverwaltung integriert. Dies betraf Benno Hagenbuch ganz direkt. Eigentlich wechselte er den Arbeitgeber – jetzt die Gemeinde und nicht mehr die Schule – aber nicht seine Arbeit. Es bedeutete Mehrarbeit, vor allem auch von administrativen Arbeiten.

Da die Räumlichkeiten der Abwartswohnung von der Schule beansprucht wurden, zogen Esther und Benno Hagenbuch aus der Wohnung im Schulhausareal Schlossächer, wo ihre drei Kinder gross geworden waren, aus und bezogen eine Eigentumswohnung in Wolsen. Damit kehrte etwas Ruhe ein, Benno Hagenbuch hatte ein Büro beim Schulhaus, und wenn er nach Hause kam, war Feierabend. ­Anders als früher, als er abends noch unbezahlt Schreibarbeiten erledigte und seine Frau geduldig im Wohnzimmer strickte.

Wertschätzung

Als am vergangenen Freitag Benno ­Hagenbuch die Aufschrift des grossen Plakates neben dem Schulhauseingang las, kamen ihm Tränen. Die Lehrerschaft bekundete so ihre Dankbarkeit: «Best Hausmeister. Der mit der Engelsgeduld. Nicht verzagen – Benno fragen. Tausend Dank für alles. Hoch die Hände – Arbeitsende.»

Voller Hochachtung und Dankbarkeit äusserten sich auch Vertreter von Gemeinde und Schulpflege. Das bereits komplexe Portfolio des Gemeinderates Stephan Hinners, Vorstand Hochbau/Liegenschaften, vergrösserte sich mit dem Schritt zur Einheitsgemeinde. Während er in Abstimmung mit dem Gemeinderat quasi die Legislative bildete, war Benno Hagenbuch mit seinem Team die Exekutive, der operative Leiter.

Marcel Tillmann betreut in der Primarschulpflege Obfelden das Ressort Infrastruktur und war damit während längerer Zeit an einer wichtigen Schnittstelle zwischen Schulpflege und Hauswart tätig. Insgesamt 620 Personen, davon 545 Kinder, sind in den Schulbetrieb integriert.

Waren in der breiten Bevölkerung vorerst Ängste da, die Schule würde durch die Einheitsgemeinde an Freiheiten verlieren, so kooperierte Benno ­Hagenbuch von Beginn an ohne Vorurteile, dachte mit und brachte, wenn nötig, seine Ideen ein. Damit hatte er Vorbildfunktion und bis jetzt konnten mit dem Zusammenschluss im praktischen Alltag Synergien optimal genutzt werden. Die Entscheidungswege sind länger, aber es denken mehr Leute mit unterschiedlichem Fokus mit. Marcel Tillmann schätzte die Zusammenarbeit mit Benno Hagenbuch sehr: «Benno hatte immer ein offenes Ohr und arbeitete mit grosser Selbstverständlichkeit weit über seine Pflicht hinaus.» ­Stephan Hinners bestätigt: «Benno hat es uns vorgelebt: ‹Gaat nöd, gits nöd›». Optimaler Ansprechpartner war er auch für die Vereine, die beispielsweise mit der Sportanlage Zehndenfrei immer auf Unterstützung des Hauswartes zählen konnten.

Dankbarkeit

Werner Kurt amtiert schon lange als Schulpräsident und wurde mit dem Zusammenschluss der Einheitsgemeinde auch Mitglied des Gemeinderates. Er betont, dass mit dem Zusammenschluss die Schule im Gemeinderat differenzierter wahrgenommen werde. «Wir ziehen am selben Strick. Der Gemeinderat unterstützt die Anliegen der Primarschule.» Auch er ist des Lobes voll: «Benno Hagenbuch hat für die Schule gelebt, sich mit ihr identifiziert, es war seine geliebte Schule, für die er sich verantwortlich fühlte. Ich schätzte ganz besonders seine Offenheit und seine Flexibilität, wenn es um Neuerungen ging.»

Neu wird der Alltag für Benno ­Hagenbuch mit der Pensionierung. ­Esther Hagenbuch wird noch ein Jahr im Dienst der Schule weiterarbeiten. «Wir gehen es gestaffelt an», lacht sie. Ihr Mann hat schon eine Menge Ideen, das Ferienhaus im Entlebuch lockt, er liebt seine Enkelkinder innig und er kann sich auch vorstellen, im Sport und Schwimmbereich, wo er Weiterbildungen absolviert hat, weiter tätig zu sein.

Der vergangene Freitag mit einem gemeinsamen Mittagessen mit der ­Lehrerschaft und Behördenmitgliedern schloss die offizielle Erwerbstätigkeit des einstmaligen Metalldrückers ab. Sein langjähriger und von ihm
sehr geschätzter Mitarbeiter Edi Di ­Cristofano wird weiterarbeiten. Seine Funktion wird Peter Gäumann, bisheriger Werkmeister-Stellvertretender Gemeinde Obfelden, übernehmen. «Es ist schon etwas seltsam», meinte er und in seinen Augen glitzern Tränen. Aber ihm wird auch in Zukunft nicht langweilig werden und man wünscht ihm von Herzen, dass er nun auch mal lachend «Nein» sagt, um seinen eigenen Bedürfnissen Raum zu geben.

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