Amtsübergabe nach 32 Jahren
Es ist eine Ära, die vergangenen Freitagmittag in Wettswil zu Ende ging: Nach fast 32 Jahren hat Reinhold Schneebeli die Leitung der Gemeindeverwaltung abgegeben. Seinen letzten Arbeitstag hat er allerdings erst Anfang 2020.

Mit einer Unterschrift endete für Reinhold Schneebeli am letzten Freitag, kurz nach 11 Uhr, das Engagement als Gemeindeschreiber von Wettswil. Nach fast 32 Jahren hat er die Leitung der Gemeindeverwaltung an seine Nachfolgerin Alexandra Brandenberger übergeben, in Anwesenheit von Gemeindepräsidentin Katrin Röthlisberger, Statthalter Claude Schmidt und Bezirksratsschreiberin Eliane Potratz. Im neuen Gemeindegesetz ist sie eigentlich gar nicht mehr verankert, die Amtsübergabe in Anwesenheit eines Bezirksrats-Vertreters. «Wir halten an dieser schönen Tradition trotzdem fest», so Statthalter Claude Schmidt. Nicht nur im Rahmen der Aufsichtspflicht, sondern auch als Gelegenheit, mit der neuen Person in Kontakt zu treten. Und weiter sei es auch eine Ehrerbietung für die Person, die geht.
Der formelle Teil war schnell abgehakt. «Ich habe es praktisch gemacht», so Schneebeli, «wie ich es immer gemacht habe.» «Du hast etwas geprägt in diesem Dorf», würdigte Statthalter Claude Schmidt dessen Engagement und sprach von einer angenehmen Zusammenarbeit. Für den konstruktiven Umgang spricht auch die personelle Kontinuität – auf der Verwaltung ebenso wie in der Behörde: In seinen 32 Jahren als Schreiber habe er es mit nicht mehr als 14 verschiedenen Personen im Gemeinderat zu tun gehabt so Schneebeli. Auch den Bezirksrat hat die Gemeinde wenig beschäftigt. In Erinnerung bleibt einzig eine Stimmrechtsbeschwerde gegen die Weisung zur Golfplatz-Abstimmung vom 18. Juni 2001. Das Bundesgericht sah dann keinen Grund, den damaligen Urnengang aufzuheben.
Kontinuität als Ziel
«Reini wird fehlen», sagte Gemeindepräsidentin Katrin Röthlisberger. «Als wir hörten, dass er vorzeitig gehen will, war uns klar: Das wird nicht einfach werden.» In der Person von Alexandra Brandenberger ist eine Nachfolgerin gefunden, die ihre politische Vorgesetzte ebenso überzeugt wie ihren Vorgänger. Seit Anfang Oktober ist sie sich am Einarbeiten, nun gilt es ernst. «Es wird eine Herausforderung sein», ist sie sich bewusst, «aber das habe ich ja auch gesucht.» So freue sie sich auf die neuen Aufgaben und die Zusammenarbeit mit dem ebenso motivierten wie sachkundigen Team. «In der Bewerbung habe ich geschrieben: ‹Ich will länger bleiben.› Und das habe ich auch ernst gemeint.» Ihrer letzten Arbeitgeberin, der Gemeinde Geroldswil, hat sie 18 Jahre die Treue gehalten.
Der Zeitpunkt seines Rücktritts sei nicht zufällig gewählt, verriet Schneebeli. Die kommende Anpassung der Gemeindeordnung könne nun genutzt werden, um die Abläufe in der Verwaltung zu überprüfen. Das Chefbüro hat er bereits abgegeben, in seiner kleinen Arbeitsnische im angrenzenden Sitzungszimmer bleibt er allerdings noch einige Wochen über den Jahreswechsel hinaus aktiv. So will er unter anderem die Abrechnung des Kunstrasens noch selber machen. Seiner Nachfolgerin ist das nur recht: «Bei ihm ist so viel implizites Wissen vorhanden, das kann ich gar nie aufholen», so Alexandra Brandenberger. «Ich versuche noch so viel wie möglich aufzusaugen.»


