Asylsuchende fit machen für den Arbeitsmarkt

Vorläufig aufgenommene Ausländerinnen und Ausländer in den ersten Arbeitsmarkt integrieren – das ist das Ziel der neuen «Drehscheibe Arbeit», die der Verein GsE in Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst Bezirk Affoltern aufzieht. Gesucht werden Betriebe, die mitmachen.

Eveline Hedinger vom Verein Gemeinsam statt Einsam (GsE) und Thuri Küng vom Gartencenter Guggenbühl, Bonstetten, vor dem Treffpunkt GsE in Affoltern. Mit der «Drehscheibe Arbeit» will sie vorläufig aufgenommene Ausländerinnen und Ausländer in
Eveline Hedinger vom Verein Gemeinsam statt Einsam (GsE) und Thuri Küng vom Gartencenter Guggenbühl, Bonstetten, vor dem Treffpunkt GsE in Affoltern. Mit der «Drehscheibe Arbeit» will sie vorläufig aufgenommene Ausländerinnen und Ausländer in den ersten Arbeitsmarkt integrieren. Er hat damit bereits gute Erfahrungen gemacht. <em>(Bild Thomas Stöckli)</em>

Mohammad ist 28 Jahre alt und vor zweieinhalb Jahren aus Afghanistan in die Schweiz geflüchtet. Seit dem Frühling und voraussichtlich bis Ende Jahr sammelt er als Praktikant Berufserfahrung im Gartencenter Guggenbühl in Bonstetten. «Wir haben mit ihm sehr gute Erfahrungen gemacht», sagt sein Chef Thuri Küng und lobt den Arbeitseinsatz, die Verlässlichkeit und die Sprachkenntnisse des jungen Mannes. «Wenn es so weiter läuft, werden wir ihn im Januar weiter beschäftigen – zu einem normalen Lohn.»

Dass Mohammad die Chance bekam, ist alles andere als selbstverständlich. Auf eine erste Anfrage, einen Ausländer mit Ausweis F als Praktikant anstellen zu wollen, hiess es letzten Herbst beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA): «Geht nicht.» Rein zufällig kam Thuri Küng in Kontakt mit der paritätischen Kommission der Sozialpartner des Gesamtarbeitsvertrages für die Grüne Branche. Deren Gesuch ans AWA brachte den Stein dann ins Rollen. Innert zweieinhalb Wochen lag die Arbeitsbewilligung vor. Trotzdem: «Die Hürden sind nicht ganz ohne», so die Erfahrung von Thuri Küng. «Die Abläufe sind kaum dokumentiert.»

Arbeitswillige und motivierte vorläufig Aufgenommene vermitteln

Genau da will der Verein Gemeinsam statt Einsam (GsE) ansetzen und in Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst Bezirk Affoltern eine «Drehscheibe Arbeit» aufbauen. Das Pilotprojekt soll in der Region arbeitswillige und motivierte vorläufig Aufgenommene mit passenden Arbeitgebenden zusammenbringen. «Wir sind daran, eine Bewilligung zu erhalten für die Arbeitsvermittlung», sagt GsE-Gesamtleiterin Eveline Hedinger. Mit zwei Beratern ist sie bereits seit letztem Winter in Kontakt. Im Verein, in dem sich sonst alle ehrenamtlich engagieren, werden sie die einzigen sein, die auf Honorarbasis arbeiten.

Nach dem Mittagstisch für Alleinstehende, der Beratungsstelle und dem Deutschunterricht wird die Drehscheibe das vierte Standbein des Vereins GsE. Durch die Kontakte in den anderen Angeboten hat Eveline Hedinger gemerkt, dass viele Frauen und Männer, die in die Schweiz geflüchtet sind, gerne arbeiten würden. Die meisten wissen allerdings nicht, wie das System funktioniert, wie sie eine Schnupperlehre, einen Praktikumsplatz bekommen können, was ihre Arbeitskraft wert ist und wie sie sich selber richtig einschätzen. Ein grosses Problem ist vielfach auch die Sprache. Zudem gilt es, kulturelle Vorurteile abzubauen – «auf beiden Seiten», wie Eveline Hedinger betont.

Administrative Unterstützung bieten

«Die Flüchtlinge sind da, ob wir das gut finden oder nicht sei dahingestellt. Jetzt ist es eine gesellschaftliche Notwendigkeit zu verhindern, dass sie im luftleeren Raum hängen und in eine Negativspirale kommen, was teuer werden kann», sagt Thuri Küng. Damit es selbst für Kleinstbetriebe attraktiv sein kann, jemandem ein Praktikum zu ermöglichen, wird das Angebot der Drehscheibe nicht mit der Vermittlung aufhören: Die Arbeitgeber ebenso wie die Arbeitnehmer dürfen auf administrative Unterstützung zählen. «Wir wollen den Arbeitgebenden die Hürden so weit wie möglich abnehmen», sagt Eveline Hedinger.

Als Mohammad in die Schweiz kam, konnte er weder rechnen noch lesen und schreiben. Nun, zweieinhalb Jahre später, steht er vor dem Eintritt in den ersten Arbeitsmarkt. Dass eine nahezu ideale Entwicklung wie bei ihm nicht in jedem Fall vorausgesetzt werden kann, ist allen Beteiligten klar. «Viele werden eine Kurve oder auch zwei mehr nehmen müssen», so Eveline Hedinger, «aber auch sie haben eine Chance verdient.» Eine grosse Herausforderung wird es sein, geeignete Stellen zu finden, etwa auf dem Bau oder im Metallbau. Dabei spielen auch die Mitarbeitenden eine zentrale Rolle. Wenn sie nicht mitmachen, gehe es nicht, sagt Thuri Küng. Ob die Chemie stimmt, darüber kann eine Schnupperwoche Auskunft geben. So hat auch Mohammad das «Guggenbühl»-Team von sich überzeugen können.

Aus eigener Erfahrung weiss Thuri Küng, dass eine fremde Kultur für das Team durchaus auch eine Bereicherung sein kann. «Und wenn man erst noch gute Leute findet, ist das natürlich super. An Fachkräften haben wir in der Branche keinen Überfluss.»

Drehscheibe Arbeit, Informationsveranstaltung für Arbeitgebende am Mittwoch, 5. September, 19 Uhr, beim Verein GsE, Alte Dorfstrasse 1b, Affoltern. Anmelden bis 1. September an <link mail>info@gse-affoltern.ch, Weitere Infos unter <link http: www.gse-affoltern.ch external-link-new-window>www.gse-affoltern.ch.

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