Auch in Affoltern wurde geradelt
In der Stadt Zürich haben sie sich in den vergangenen Monaten etabliert: die Fahrten der Velo-Bewegung «Critical Mass». Auch in Affoltern traf sich am Freitagabend erstmals eine Gruppe zu einer Rundfahrt. Zirka 40 Personen nahmen teil.

In Zürich gehört die Innenstadt am letzten Freitagabend im Monat den Velofahrern. Oder präziser: Sie nehmen sie in Beschlag. Indem sie sich scheinbar zufällig und unorganisiert zu tausenden treffen, durch die Stadt rollen und mit ihrer schieren Masse den motorisierten Verkehr ausbremsen. Das Ziel: als eigene Form des Individualverkehrs auf sich aufmerksam machen.
Auch in Affoltern traf man sich am vergangenen Freitagabend erstmals zu einer Rundfahrt. Mit Musik, Schildern («Wir sind Teil des Verkehrs») und verzierten Velos wollte sich die Gruppe Gehör verschaffen. «Ich bin hier, weil ich das Velofahren und die Forderung nach autofreien Tagen unterstütze», sagte eine Teilnehmerin, die mit ihren beiden Kindern gekommen war. Sie hatte über eine Chat-Gruppe vom Anlass erfahren, der offiziell gerade kein Anlass (und erst recht keine Demonstration), sondern ein spontanes Treffen sein will.
Um zirka 19 Uhr schwangen sich die Teilnehmenden auf ihre – teils motorisierten – Velos und klingelten sich die Obere Bahnhofstrasse entlang Richtung Bahnhof. Für die Stammgäste der Oldie-Bar, vis-à-vis der Buchhandlung Scheidegger, gab es unverhofft etwas zu sehen und zu kommentieren: Eine Frechheit sei das Verhalten vieler Velofahrer, wetterte eine Frau am Tisch: «Zersch halteds bi Rot nöd a, und wänns under dä Charre chömed, sind d Autofahrer Schuld.»
Auch auf der Strasse blieb der Umzug nicht unbemerkt. Die Zündschnüre mancher Autofahrer brannten ziemlich zackig ab, es kam zum einen oder anderen emotionalen Explosiönchen. Zum Beispiel, als die Gruppe am Kronenplatz in Affoltern Richtung Spital abbog und die Mühlebergstrasse hochpedalte. Es wurde gehupt!, gehupt!! und gehupt!!! – und auf die Gegenfahrbahn geschielt. Einer wagte das Überholmanöver, wurde dann allerdings vom Gegenverkehr ausgebremst und kam etwas ungünstig auf dem Fussgängerstreifen zum Stillstand.
Nach einer Stunde waren die Strassen in Affoltern wieder im üblichen Tempo befahrbar, die Velofahrerinnen und -fahrer wurden um 20 Uhr nochmals auf dem Marktplatz gesichtet, wo man sich ins Wochenende verabschiedete.


