Auf dem Weg zu einer reformierten Kirchgemeinde im Bezirk Affoltern?

Eine Mehrheit des Lenkungsausschusses empfiehlt den 13 reformierten Kirchgemeinden, Verhandlungen zu einem Zusammenschluss aller Kirchgemeinden im Bezirk aufzunehmen. Die Kirchgemeindeversammlungen entscheiden im Juni 2017.

Kirchen – auf dem Bild in Obfelden - verschwinden im Zuge des KGplus-Projekts zwar nicht aus dem Dorfbild. Wie sich das kirchliche Leben in der Gemeinde bei Zusammenschlüssen gestalten lässt, ist jedoch eine zentrale Frage. (Bild W. Schneiter)
Kirchen – auf dem Bild in Obfelden - verschwinden im Zuge des KGplus-Projekts zwar nicht aus dem Dorfbild. Wie sich das kirchliche Leben in der Gemeinde bei Zusammenschlüssen gestalten lässt, ist jedoch eine zentrale Frage. (Bild W. Schneiter)

Rückläufige Zahl der Kirchenmitglieder, weniger finanzielle Mittel, die zunehmende Schwierigkeit, Pfarrstellen und Behördenämter zu besetzen und Kirchgemeinden, die kaum noch selbstständig agieren können: Unter diesen Vorzeichen wurden in der Synode schon 2010 Postulate eingereicht, das erste trug den Titel «Stärkung kleinerer Kirchgemeinden durch gezielte Förderung der übergemeindlichen Zusammenarbeit».

«Vorteilhafter als ein Alleingang»

Im Bezirk Affoltern haben die 13 reformierten Kirchgemeinden Ende 2015 ein Vorprojekt zu sogenannten KirchgemeindePlus-Prozess in Angriff genommen, Projektleitung und Lenkungsausschuss gebildet. Übergeordnet stand die Frage: Welche Kirchgemeinden sollen Verhandlungen über einen Zusammenschluss aufnehmen? Anlässlich eines öffentlichen Workshops im April 2016 wurden fünf Arbeitsgruppen gebildet, die Chancen und Möglichkeiten von Zusammenschlüssen ausgelotet haben. Im Rahmen eines wiederum öffentlichen Workshops wurden die Resultate präsentiert. In einer Art Konsultativabstimmung unter den Teilnehmenden votierte eine Mehrheit für einen Zusammenschluss aller Kirchgemeinden innerhalb des Bezirks Affoltern. Das Papier ging in die Vernehmlassung zu den Kirchgemeinden: Für 10 der 13 Kirchgemeinden sind Verhandlungen mit dem Ziel einer einzigen Kirchgemeinde im Säuliamt denkbar. Für sieben Kirchgemeinden soll diese Variante in erster Priorität behandelt werden. «Das wäre vorteilhafter als ein Alleingang», ist die Mehrheit des Lenkungsausschusses überzeugt. Angeführt werden Argumente wie Professionalisierung, Ressourcenverteilung, struktureller Aufwand, Solidarität, Finanzen und die Bereicherung des kirchlichen Lebens.

Erst Verhandlungen

Nun liegt die vom Lenkungausschuss an seiner letzten Sitzung in Knonau verabschiedete Weisung vor. Diese geht an die Kirchenpflegen, die nun das Thema an ihren Kirchgemeindeversammlungen im Juni 2017 zur Debatte stellen, falls die Kirchenpflegen das so beschliessen. Dabei geht es (noch) nicht um die Frage von Fusionen oder Zusammenschlüssen, sondern lediglich darum, ob Verhandlungen aufgenommen werden sollen mit dem Ziel einer Kirchgemeinde im Säuliamt. Falls sich abzeichnen sollte, dass ein Zusammenschluss zu zwei oder drei Kirchgemeinden zweckmässiger erscheint, so sollen diese Varianten ebenfalls aufs Tapet kommen. So wird es in der Weisung festgehalten, aber auch dargetan, weshalb eine Kirchgemeinde die bessere Variante ist: Sie könnte auch dann realisiert werden, wenn einzelne Gemeinden weiterhin keinen Zusammenschluss wollen.

Kritische Stimmen

Einzelne Kirchenpflegen, wie Stallikon-Wettswil, Rifferswil, Obfelden oder ein Teil des Pfarrkapitals stehen einem Zusammenschluss zu einer Kirchgemeinde im Säuliamt sehr skeptisch gegenüber – auch wenn in der Weisung die Wichtigkeit betont wird, die örtliche kirchliche Heimat zu wahren. Gerade im Pfarrkapitel herrscht Dissens zur Frage des Zusammenschlusses, den man kritisch beurteilt. Gemäss Pfarrer Matthias Ruff, neues Mitglied im Projektleitungsteam, ist im Kapitel die Rede von einem «undemokratisch gesteuerten Prozess. Nicht einig sei man sich auch bei der Frage, ob aus dem Projekt ein Spareffekt resultiere, wie die «kirchliche Nähe» erhalten werden könne und ob eine gerechte Ressourcenverteilung möglich sei. Generell habe sich unter Pfarrpersonen ein ungutes Gefühl breitgemacht, nicht zuletzt, weil diese das Gefühl beschlichen habe, vom Prozess abgekoppelt zu sein, sagte Matthias Ruff auf einen Input des Affoltemer Kirchenpflegepräsidenten Hans Asper.

Die Obfelder Kirchenpflege ist der Ansicht, dass der Prozess falsch läuft, nämlich von oben nach unten – statt umgekehrt. Wie auch immer: Im Juni entscheiden die 13 Kirchgemeindeversammlungen über die Frage, ob im Hinblick auf die Bildung einer Kirchgemeinde im Säuliamt Verhandlungen aufgenommen werden sollen. Danach soll gemäss Lenkungsausschuss ein neues Projekt «Zusammenschlussverhandlungen» aufgegleist werden. Ein Scheitern wird nicht ausgeschlossen, heisst es doch in der Weisung, die nun den Kirchenpflegen zugestellt wird: «Falls die Zahl der verhandlungsbereiten Kirchgemeinden zu klein wäre, um eine einzige Kirchgemeinde zu bilden, ist die Situation zu überdenken und nach neuen Lösungen für Verhandlungen zu einem Zusammenschluss zu suchen.»

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