Auf der sonnigen Seite des Uetlibergs
Gemeindeporträt Stallikon: Überblick über die vier Jahre der letzten Legislatur und Ausblick auf die Zukunft
In der 2024 erschienen Chronik von Bernhard Schneider zum 900-Jahre-Jubiläum von Stallikon heisst es im Vorwort des Gemeinderates: «Am Fuss des Uetlibergs, in eine malerische Landschaft eingebettet, liegt Stallikon – ein Ort, der nicht nur durch seine atemberaubende Aussicht auf die Alpen und die Stadt Zürich besticht, sondern auch durch seine reiche Geschichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurück urkundlich dokumentiert ist.» Ganz so weit sei in diesem Gemeindeporträt nicht zurückgeblickt, aber darauf, was sich in Stallikon so getan hat, in der letzten Legislaturperiode. Nur so viel gleich zu Beginn: Waren die Wahlen in Stallikon vor vier Jahren hart umkämpft, so ist es dieses Mal eher ruhig. Im Jahr 2022 kandidierten nämlich mehr, als es Sitze zu vergeben gab, und es kam gar zu einem Gleichstand zwischen Mia Zumsteg von den Grünen und Andreas Zbinden von der SVP. Bevor der Entscheid mit einem Würfel gefällt wurde, streckte damals Zbinden die Waffen mit den Worten, er sei doch kein «Würfelgemeinderat».
Das exakte Wort für die Wahlen in Stallikon dieses Mal ist aber still, denn so sind die Wahlen in diesem Jahr. Gemeinderat, Primarschulpflege und Rechnungsprüfungskommission sind nämlich seit Dezember 2025 in stiller Wahl gewählt. Einzig die Baukommission wird am 8. März gewählt. Trotzdem stellen sich die einzelnen Mitglieder des Gemeinderates auf den Seiten 8 und 9 freundlicherweise den Fragen des «Anzeigers», damit die Bevölkerung doch einigermassen informiert ist, wer da jetzt am Ruder ist. Denn grosse Wechsel im Gemeinderat fanden nämlich durchaus statt, nur eben bereits während der letzten Amtszeit: Gemeindepräsidentin Valérie Battiston musste 2023 aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten (der «Anzeiger» berichtete in der Ausgabe Nr. 40 am 31. Mai 2023). Als ihren Nachfolger wählten die Stalliker Reto Bernhard, der sich seit 2022 im Gemeinderat engagiert. Und Andreas Zbinden wurde dann doch noch in den Gemeinderat gewählt, ganz ohne Würfeln.
Der weitere Wechsel in der letzten Legislatur fand statt, als Monika Rohr im Frühjahr 2025 nach 15 Jahren ihren Rücktritt erklärte, wegen «zunehmender kommunalpolitischer Herausforderungen und spürbarer Kräfteverluste» (der «Anzeiger» berichtete in der Ausgabe Nr. 42 am 17. Juni 2025). In der Ersatzwahl wurde Carmen Müller gewählt.
Der neue Gemeinderat setzt sich zusammen aus Reto Bernhard (bisher, Gemeindepräsident, parteilos), Nino Ciganovic (bisher, FDP), Carmen Müller (bisher, parteilos), Andreas Zbinden (bisher, SVP), und Eva Kramer (neu, FDP). Letztere folgt auf Mia Zumsteg, die nicht mehr antrat. Ausserdem tritt Ingrid Spiess als Schulpräsidentin zurück. Für sie wird Mattias Kaister (parteilos) Präsident der Primarschulpflege, womit er automatisch das Ressort Bildung im Gemeinderat übernimmt. Die Konstituierungssitzung (und somit Ressortzuteilung) findet zu Beginn der neuen Amtsdauer am Mittwoch, 1. Juli 2026, statt.
Rückblick auf die letzten vier Jahre
Einer, der all diese Veränderungen und solche, die noch viel weiter zurückliegen, miterlebt hat, ist Roberto Brunelli. Aufgewachsen und wohnhaft in Affoltern, ist er seit 35 Jahren für die Gemeinde Stallikon tätig, seit 2010 der Gemeindeschreiber. Wer könnte also besser Auskunft darüber geben, was sich so getan hat in den letzten vier Jahren. Auch wenn Stallikon glücklicherweise auf viele weitere langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen kann. Es gäbe keine grossen Fluktuationen beim Verwaltungs- und Werkpersonal, so Brunelli. Ein wichtiger Faktor für die Stabilität. Bei einem Wechsel sei es jedoch jeweils schwer, neue Leute zu finden, merkt er an. Aus Sicht der Verwaltung gelang mit der Einführung der elektronischen Geschäftsverwaltung die Digitalisierung der Verwaltungsabläufe. Aktuell befinde man sich hier in der Vorbereitung der elektronischen Verfahrenshandlungen der Verwaltung, erklärt Brunelli weiter. Die Einführung dort wird dann kantonsweit am 1. Januar 2027 sein. Auch hat die Gemeinde gesunde Finanzen vorzuweisen, sodass die Bevölkerung auf Antrag der Rechnungsprüfungskommission an der letzten Gemeindeversammlung im November 2025 beschloss, den Steuerfuss um zwei Prozent zu senken (Der «Anzeiger» berichtete in der Ausgabe Nr. 89 vom 2. Dezember 2025). Besonders hervor hob Gemeindepräsident Reto Bernhard die Notfallübung GFO. Wie handeln, wenn es zu einem regionalen Strom- und Kommunikationsausfall kommt? Aus dem Schlaf geweckt, musste sich der Gemeinderat, welcher in einem solchen Fall als Gemeindeführungsorgan – eben GFO – agiert, beim Notfalltreffpunkt sammeln, die Lage analysieren und dann reagieren (der «Anzeiger» berichtete in der Ausgabe Nr. 29 am 18. April 2023). Die Übung liegt nun doch bereits einige Zeit zurück, während das Risiko einer Krise momentan stetig steigt. Vielleicht wäre es daher bald wieder Zeit für eine solche Übung? Und dann wurde natürlich das 900-Jahre-Jubiläum der Gemeinde im Jahr 2024 gebührend mit einem Festwochenende vom 21. bis 23. Juni gefeiert. Ehrengäste waren Regierungsrat Mario Fehr und Abt Christian Meyer.
Sehr freut man sich auch über die Einführung eines Mittelschultreffs für die vierten bis sechsten Klassen der Primarschule, im Sommer 2025 geschehen. Das ein Jahr dauernde Pilotprojekt bietet Stalliker Kindern eine Möglichkeit für den Austausch, denn ein Besuch des Mittelstufenangebots von Jugendplus in Bonstetten ist in dem Alter ohne Elterntaxi kaum möglich. Weil ein idealer Raum dafür noch nicht gefunden wurde, finden die Treffen im Saal der Kinderkrippe Coccolino statt. Aber der Raum wird womöglich bald gebaut.
Ausblick auf die Zukunft
So ein Raum könnte nämlich mitunter entstehen, wenn die beiden grossen Projekte «Schulraum, Mehrzweckhalle und Generationenplatz Pünten» und Projekt Dorfzentrum Stallikon, auch «Landgarten» genannt, realisiert werden. Diese beiden grossen Projekte kommen im Jahr 2026 zur Abstimmung, daran gearbeitet wird jedoch schon viel länger. Dementsprechend liegen sie Gemeindepräsident Reto Bernhard am Herzen, wäre doch sonst die ganze Arbeit der vergangenen Jahre umsonst. Zuerst wird am 8. März an der Urne über die Anpassung des «Letter of Intent» vom Projekt Dorfzentrum Stallikon abgestimmt (der «Anzeiger» berichtete in der letzten Ausgabe Nr. 5 am 20. Januar). Soll heissen über die Kostenbeteiligung der Gemeinde Stallikon von 1.89 Millionen Franken an der Aufwertung des Dorfzentrums. Die Informationsveranstaltung für die Bevölkerung findet am Mittwoch, 4. Februar, statt.
Dann wird 2026 darüber abgestimmt, ob Stallikon mehr Schulraum erhält. Nach der Kritik einiger Bürger an den nun massiv höheren Kosten, als bei der Abstimmung zur Bewilligung des Planungskredits die Rede war, geht der Gemeinderat noch einmal mit dem Planungsbüro über die Bücher. «Daher auch die Verschiebung dieser Abstimmung auf September, um die Kostengenauigkeit zu verbessern», erklärt Reto Bernhard. Des Weiteren stünden bei den Gewässern in den nächsten Jahren grössere Projekte an wie die Erfüllung der Revitalisierungspflicht und die Instandsetzung der Schutzbauten, dann bei der Wasserversorgung, wo mehrere Transportleitungen ersetzt werden müssen, und beim Ressort Umwelt die Aktualisierung des Naturschutzinventars und die Revision der Abfallverordnung.












