Auf Hamburgs grosser Bühne

Der Maschwander Fabian Koller ergatterte eine Hauptrolle in einer Harry-Potter-Erfolgs-Show

Fabian Koller spielt in einer Harry-Potter-Produktion in Hamburg den Bösewicht «Scorpius Malfoy». (Bild Ulrich Schaarschmidt)
Fabian Koller spielt in einer Harry-Potter-Produktion in Hamburg den Bösewicht «Scorpius Malfoy». (Bild Ulrich Schaarschmidt)

Fabian Koller hat schon als Zwölfjähriger die Rolle des kleinen Florian im Musical «Ich war noch niemals in New York» im Zürcher Theater 11 gespielt. Damals wird ihm auch sein Berufswunsch klar: Er will auf die Bühne und das Publikum mit Gesang, Tanz und Darstellung verschiedenster Rollen in seinen Bann ziehen.

Für den Jungen, der in Maschwanden aufwächst, eine grosse Sache. Denn dort gibt es in diesem Bereich keine passenden Ausbildungsmöglichkeiten. «Ich wollte schon mit fünf Jahren tanzen, aber in unserem kleinen Dorf gab es rein gar nichts», sagt der heute 23-Jährige im Interview mit ZüriToday.

Statt an die Matur ging es nach Wien

Seine Eltern konnte Fabian damals, vor zehn Jahren, mit dieser ersten grossen Rolle vom ungewöhnlichen Traumberuf überzeugen. Und so fand er sich in der Chamer Musicalschule «Voice Steps», studierte an der Musical Factory Luzern und schaffte dann den Sprung nach ­Österreich an die «Musik und Kunst ­Privatuniversität der Stadt Wien».

Dafür bricht er das Gymnasium ab. Umso wichtiger ist es für die Eltern, dass er an eine anerkannte Schule kommt. «Für männliche Darsteller ist es definitiv einfacher, angenommen zu werden als für Darstellerinnen. Trotzdem musste ich mich gegen 30 andere Männer durchsetzen.» Florians Vorteil dabei: Er konnte alle drei Sparten bedienen – Tanz, Gesang und Schauspielerei, die drei wichtigsten und entscheidenden Komponenten, die es auf der Musicalbühne braucht.

Der Sprung nach Hamburg zu «Harry Potter» war dann aber kein einfacher. «Ich musste mich erstmals als reiner Schauspieler unter Beweis stellen, denn normalerweise kann ich noch mit Tanzkünsten, Beweglichkeit oder eben Gesang punkten», so Koller, der seit Anfang August im Cast der Grossproduktion ist. Er bereitete sich dafür wochenlang mit einem Schauspielcoach vor.

Koller hatte es im Abschlussjahr in Wien nicht einfach, an Rollen zu kommen. «Die Entdeckung dieser Audition in Hamburg war eine Erleichterung für mich. Denn langsam begann ich, das repräsentierte Männerbild zu hinterfragen, das bei Musical-Castings herrscht.»

So sei er zwar agil und flexibel, aber eher schmächtig und mit 172 Zentimetern oft zu klein. «Momentan suchen sie überall das Bild von Männern, die Kraft und Härte ausstrahlen und das heisst im Klartext: Mindestgrösse 180 Zentimeter und ein muskulöser Body.»

Hauptrolle bei «Harry Potter»

Dass ausgerechnet seine Grösse ihm auch Vorteile bringen könnte, sah er beim Rollenbeschrieb des Zauberschülers «Scorpius Malfoy». «Hier durfte man tatsächlich nicht grösser sein als 1,70 Meter, und so bewarb ich mich», erzählt Koller. Die Rolle bediene überhaupt nicht die Klischees, die in Musicalensembles gerade so gefragt seien.

Dass er nun sieben Vorstellungen wöchentlich auf der Bühne des «Mehr! Theater am Grossmarkt» in Hamburg performt, ist ein Traum für Fabian und ein Ritterschlag in der Entertainmentbranche. «Damit beweise ich, dass man mich auch als Schauspieler ernst nehmen kann. Denn die Rolle ist zwar körperlich, aber weder singe noch tanze ich hier.» Dafür muss er seine Illusionskünste im Griff haben und die Stimme, die jeden Abend während dreieinhalb Stunden an ihre Grenzen gebracht wird. Auch will er weiterhin sein Bühnendeutsch perfektionieren. Ein bisschen Schweizer Akzent höre man schon noch, findet er.

Vom Broadway träumt er nicht

Dafür hat Koller nun mindestens bis Oktober 2024 Zeit, denn so lange wird er im Stück spielen. Kommt danach der legendäre Broadway? «Davon träume ich nicht. Aber nach coolen Schweizer Musicals sehne ich mich schon ab und zu. Es macht Spass auf Züridütsch zu spielen.»

Mit den Referenzen von «Harry Potter und das verwunschene Kind» im Lebenslauf wird Koller ein für alle Mal bewiesen haben, dass es auf der Bühne auf weit mehr als die Körpergrösse ankommt.

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